CDIO Hagen: Petrus kennt kein Erbarmen mit Hubertus Schmidt

Panorama_Hagen

(© Das Dressurstadion beim CDIO Hagen)

Sonnenschein und Noten bis 86 Prozent im ersten Viertel der Prüfung, sintflutartige Schauer und ein abgelenkter Imperio mit Noten um 44 Prozent zum Abschluss des Grand Prix. Der Ritt des ersten Mannschaftsreiters Hubertus Schmidt war das sprichwörtliche Wechselbad der Gefühle für eine klitschnasse Kombination, die super begann.

Wie gemein! Wie schade! Wieso? Dressurreiten als Outdoorsport hat so seine Tücken. Keiner kann das besser empfinden als Hubertus Schmidt. Der Westfale ging heute mittag als erster deutscher Mannschaftsreiter beim CDIO Hagen im Nationenpreis an den Start. Der Himmel strahlte knallblau, die paar Wölkchen, nun ja, wir wollen das schlechte Wetter mal nicht herbeireden. Und Schmidt begann stark mit seinem Trakehner Imperio v. Connery. Geschlossener und aktiver im Hinterbein als noch bei den Deutschen Meisterschaften in der Hitzeschlacht bei den Deutschen Meisterschaften in Balve präsentierte sich der braune Hengst. Leichtfüßig meterte er durch die erste Trabdiagonale – Noten bis 9,0 für den starken Trab. Da war die Welt noch in Ordnung. Auch Trabtraversalen und die zweite Trabverstärkung waren noch im hohen Achter-Bereich angesiedelt. Wer sich nur auf das Pferd konzentrierte, der sah nicht, was am Himmel geschah. Kein Blau, ein sattes Grau überwog. So, als habe jemand (Petrus?) einen Schalter umgelegt. Schon in der ersten Piaffe, schwankend und nicht ganz rhythmisch, kamen die ersten Tropfen. Der Schritt war nicht immer hundertprozentig losgelassen, die in der Luft liegende Unwetteratmosphäre hatte sich auf das Pferd übertragen. Keine 20 Sekunden später tobte ein Regensturm sintflutartigen Ausmaßes. Fortan war Schmidt weniger mit der präzisen Ausführung und dem Herauskitzeln der allerlerletzten Höhepunkte beschäftigt. Sein Programm hieß „Schadensbegrenzung“. Wassermassen schwappte von den Dächern der Tribünen, die Flaggen flatterten in den Windböen. Eifrige Helfer versuchten, das festzuhalten, was der Wind noch nicht erwischt hatte. In dieser Atmosphäre ist nicht gut Grand Prix-reiten, aber Der Reitmeister fühlte sich seinem Titel verpflichtet, und meistere die Situation. Dabei konnte er aber nicht verhindern, dass es zu Fehlern beim Angaloppieren (über „sehr viel Boden“…) in der Zickzacktraversale im Galopp, im starken Galopp sowie den Serienwechseln kam. Die Pirouetten gelangen wieder besser, der Regen ließ allmählich nach. Zum Abschluss gab es für Passage und Schlussgruß auch wieder Achten.

Bundestrainerin Monica Theodorescu war trotz der 72,5 Prozent, die am Ende auf der Anzeigetafel standen, mehr als zufrieden. „Das Pferd ging richtig gut, wirklich überzeugend. Für das Wetter kann niemand etwas.“

Insgesamt gehen acht Nationen an den Start. Zweite deutsche Teamreiterin ist Jessica von Bredow-Werndl mit Unee v. Gribaldi um 14.30 Uhr, Isabell Werth und Don Johnson v. Don Frederico folgen um 16.02 Uhr. Um 17.34 Uhr gehen dann Desperados v. De Niro und Kristina Bröring-Sprehe, wie die deutsche Meisterin seit ihrer Hochzeit vor drei Wochen heißt, an den Start. Um 18.19 Uhr beschließt die Dänin Anna Kasprzak mit Donnperignon v. Donnerhall die Prüfung. Für den Wallach ein „coming home-Feeling“ – der von Jürgen und Christoph Koschel ausgebildete Dunkelfuchs, Teilnehmer der WM in Kentucky unter Christoph Koschel, stand lange auf dem Hof Beckenrode in der Nachbarschaft zum Hof Kasselmann, der den Nationenpreis ausrichtet, weil in Aachen, Stammplatz des CDIO, in diesem Jahr die Europameisterschaften stattfinden.

Morgen geht im 4*CDI Totilas unter Matthias Alexander Rath an den Start, Idabell Werths Stute Bella Rose wurde zrückgezogen. Es bleibt abzuwarten, wie der Dressurausschuss des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterein (DOKR) das deutsche EM-Team benennt, nachdem bereits mehrfach in der letzten Zeit die im Januar verkündeten Kriterien für die Nomininierung in Verlautbarungen verändert wurden.