Das FEI-Dressurkomitee hat getagt – Neues zur Blutregel (Blood Rule) und mehr

Im Rahmen der Olympischen Spiele in London hat das Dressurkomitee des Weltreiterverbands (FEI) getagt. Es gibt Überlegungen, in Rio 2016 mehr Reiter und Pferde aufs Viereck zu lassen. Darüber hinaus hat man sich unter anderem auf einen Vorschlag zur Handhabung der viel diskutierten „Blood Rule“ geeinigt.

Mehr Dressur in Rio 2016? Das wird derzeit im Dressurkomitee des Weltreiterverbandes diskutiert. Aufgrund der großen Propularität, die die Dressurprüfungen bei den Olympischen Spielen in London genossen, gibt es Überlegungen, in Rio 2016 60 statt 50 Paare starten zu lassen. Die Krux: Springen und Vielseitigkeit müssten zurückstecken.Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erlaubt 200 Pferde bei den Olympischen Spielen. In London starteten jeweils 75 Pferde in Springen und Vielseitigkeit sowie 50 in der Dressur. Würde man zehn weitere Dressurpferde erlauben, müsste bei den beiden anderen Disziplinen entsprechend gekürzt werden. Das Dressurkomitee will nun einen entsprechenden Vorschlag machen, weitere zehn Pferde im Viereck der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro 2016 zu erlauben.

Auch will man noch einmal das neue Format der Dressur überprüfen, bei dem nur noch drei Reiter pro Mannschaft zugelassen waren und es kein Streichergebnis gab. Die Überlegungen, die Dressur bei Olympischen Spielen auszuweiten, waren während eines Meetings im Rahmen der Spiele angestellt worden.

Noch weitere Dinge kamen dort zur Sprache, nämlich die folgenden:

  • Überarbeitung der Aufgaben (für Senioren) durch eine Arbeitsgruppe, zu der Katrina Wüst, David Hunt (GBR) und Kyra Kyrklund (FIN) gehören. Die Änderungen sollen dann am 1. Januar 2014 wirksam werden.
  • Ab 1. Januar 2013 soll wieder der „alte“ (längere) Grand Prix Special geritten werden. Die verkürzte Aufgabe, die speziell für die Olympischen Spiele in London entwickelt wurde, soll nicht mehr benutzt werden. Gleichwohl wird die o.g. Arbeitsgruppe einen neuen „Kurz-Special“ für Rio 2016 ausarbeiten.
  • Eine weitere Arbeitsgruppe wurde aufgestellt, zu der Thomas Baur, Anne Gribbons (USA), Stephen Clarke (GBR) und Wim Ernes (NED) gehören. Ihre Aufgabe ist es zu überprüfen, ob das Richten auf lange Sicht verbessert werden kann, wenn man professionelle Juroren beschäftigt. Nach einer Überprüfung der Richterliste sollen gegen Ende des Jahres 20 bis 40 Richter ihres Amtes enthoben werden, die die erforderlichen Kriterien nicht mehr erfüllen. Darüber hinaus gibt es ab 1. Januar 2013 eine Regel, nach der Richter nicht länger als drei Jahre hintereinander zu ein- und demselben Turnier reisen dürfen. Wer also beispielsweise 2010, 2011 und 2012 in Aachen gerichtet hat, darf 2013 nicht erneut eingeladen werden. Außerdem will man sich weiter bemühen, die schon getroffenen Maßnahmen zu forcieren, um den Dressursport verständlicher, attraktiver und transparenter zu gestalten, beispielsweise zu erklären, wie die Note für den Schwierigkeitsgrad in Dressurküren gegeben wird.

Die „Blood Rule“

  • Zum Thema „Blut am Pferd“, ein Fall für den es in der Dressur keine klaren Regeln gibt, hat das Komitee sich geeinigt, künftig wie folgt vorzugehen: Wenn während er Prüfung Blut am Pferd zu sehen ist, soll der Chefrichter bei C die Aufgabe stoppen und das Pferd untersuchen. Wenn das Pferd blutet oder frisches Blut zu sehen ist, wird es disqualifiziert. Blutet das Pferd nicht und zeigt es auch kein frisches Blut, darf die Aufgabe beendet werden. Außerdem wurde beschlossen, dass wegen des Zeitplanes und aus Gründen der Fairness, der Reiter seine Aufgabe nicht von vorne beginnen darf, nachdem ein Veterinärteam der FEI das Pferd untersucht hat. Noch handelt es sich bei dem Beschluss um einen Vorschlag, der mit den Rechts- und Veterinärausschüssen diskutiert werden soll, ehe eine Regel verabschiedet wird. Diese wird den nationalen Verbänden als Vorschlag zugeschickt. Bei der FEI Generalversammlung (5. bis 8. November 2012 in Istanbul) wird dann abgestimmt. Am 1. Januar 2013 treten bei der Generalversammlung beschlossene Änderungen, Ergänzungen oder Neuerungen in Kraft.

Anmerkung der Redaktion: Eine konkrete Regel zum Thema Blut am Pferd gab es bislang nicht. Erstmals kam das Thema bei den Weltreiterspielen 2010 auf den Tisch, als die jetzigen Olympiasilbermedaillengewinner Adelinde Cornelissen und Parzival disqualifiziert wurden, weil der Fuchs am Maul blutete. War man zunächst noch ganz sicher, es gäbe bereits eine Regel, nach der ein blutendes Pferd auszuschließen sei, stellte sich heraus, dass dem nicht so ist. So einigte man sich darauf, dass ein blutendes Pferd grundsätzlich „not fit to compete“ ist. Nach dieser Regel schied Ende April beim Weltcup-Finale in Hertogenbosch auch der Schimmelhengst Ekwador von der Polin Katarzyna Milczarek aus. Er hatte blutige Stellen an den Seiten. Chefrichter Fouarge sagte damals: „Wir wollen kein Blut am Pferd sehen.“

Einer, der sich im Auftrag des Weltreiterverbands nach den Vorkommnissen in Kentucky eingehend mit dem Thema beschäftigt hat, ist David Stickland, sonst auch tätig als Ergebnisanalyst bei der FEI. Beim vergangenen Global Dressage Forum sagte er zum Thema „Blood Rule“: „Wenn ein Pferd vom TIERARZT (also nicht wie jetzt angedacht dem Chefrichter) untersucht würde, die Prüfung fortsetzen könnte und dann im Viereck womöglich erneut zu bluten beginnen würde, wäre das das Ende des Sports.“

In ST.GEORG 12/2011 sagte die Präsidentin des International Dressage Riders Club (IDRC), Kyra Kyrklund:

„Ich bin grundsätzlich dagegen, dass ein Pferd, das am Maul oder durch den Sporen in der Prüfung geblutet hat, eine Chance erhält, die Prüfung nach einer tierärztlichen Untersuchung fortzusetzen. Irgendwo muss man eine Linie ziehen. Wo ist der Unterschied zwischen einem lahmen und einem blutenden Pferd im Dressurviereck? Wir müssen im Hinblick darauf, wie die Öffentlicheit über unseren Sport und unseren Umgang mit den Tieren denkt, vorausschauend handeln. Und nicht erst Handlungsbedarf sehen, wenn sich die öffentliche Meinung bereits gegen uns richtet. Es gibt nur eine minimale Chance, dass sich ein Pfed ohne Grund selbst beißt.“

Der IDRC hat damals folgendes vorgeschlagen: „Ein Pferd gehört disqualifiziert, wenn es im Viereck blutet. Wenn es auf dem Vorbereitungsplatz geblutet hat, die Blutung vor Prüfungsbeginn aber zum Stillstand kommt, sollte es für die Prüfung zugelassen werden. Das ist sicherlich nicht ideal, aber noch tragbar. Ein wegen Blut abgeläutetes Pferd sollte verpflichtend anschließend von einem offiziellen Tierarzt angesehen werden, um die Ursache der Blutung herauszufinden.“

Quelle

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