DM Balve 2021: Jessica von Bredow-Werndl gewinnt Grand Prix auf der besten Dalera, die es je gab

Pferdesport, Dressur

Ein Bild aus dem Archiv von Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB bei den Deutschen Meisterschaften. (© von Korff)

Um die Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter in Balve geht es erst morgen. Aber Jessica von Bredow-Werndl und Dalera haben heute im Grand Prix schonmal ihre Visitenkarte abgegeben.

Mit neuem persönlichem Grand Prix-Bestergebnis von 85,040 Prozent und Rang eins von allen Richtern verwiesen Jessica von Bredow-Werndl und ihre 14-jährige Trakehner Stute Dalera BB Isabell Werth mit Bella Rose auf Rang zwei (81,320) und Dorothee Schneider auf Showtime auf Platz drei (80,520). Die 80 Prozent-Marke knackte zudem noch Isabell Werths Quantaz, der als erster Starter der Prüfung 80,280 Prozent erhalten hatte.

Jessica von Bredow-Werndl präsentierte die Easy Game-Tochter Dalera, die dieses Jahr erst einmal geschlagen wurde, nämlich in Hagen von Charlotte Dujardin (GBR) und Freestyle, in schöner Anlehnung, erhaben und mit genügend Zug nach vorn (was man heute bei manch anderem Paar vermisste). Schwungvolle, raumgreifende und -gewinnende Trabverstärkungen, geschmeidige Traversalen mit weitem Kreuzen kennzeichneten den Beginn der Trabtour. Die Piaffen und Passagen waren ein Highlight hinsichtlich Leichtigkeit, Fleiß und Gleichmaß, die Piaffen zudem auf der Stelle und mit reeller Lastaufnahme, wenngleich auch vorne etwas zu weit untergeschoben. Den starken Schritt hätte man sich ergiebiger in Vor- und Übertritt vorstellen können, aber die Stute marschierte fleißig und losgelassen los und dehnte sich gut an die Hand heran. Im versammelten Schritt muss die Reiterin aufpassen, dass der klare Viertakt erhalten bleibt. Das gelang ihr heute. Dann wieder die Piaffen und Passagen Marke Dalera und ein gelungener Übergang in den Galopp.

Die Zweierwechsel gelangen sicher, man wünschte sich den Galoppsprung dabei allerdings runder. Die Zick-Zack-Traversalen waren sehr geschmeidig und kontrolliert, die Einerwechsel schnurgerade und sicher durchgesprungen. Beide Pirouetten hat man von dem Paar schon kleiner gesehen, aber Balance, Aktivität und Lastaufnahme überzeugten. Dann noch eine tolle Schlusslinie. Richterin Kerstin Holthaus bei H gab sogar 87,7 Prozent. So weit gingen ihre Kollegen nicht, aber fest steht: Das war Olympiaform! Die müssen Jessica von Bredow-Werndl und Dalera jetzt „nur“ noch halten.

Jessica von Bredow-Werndl in Balve: „unbeschreiblich“

Jessica von Bredow-Werndls Fazit nach der Prüfung: „Das Gefühl war unbeschreiblich, es gab nicht eine Millisekunde während der ganzen Prüfung, in der Dalera oder ich auch nur den Hauch eines Zweifels hatten. Ich habe so etwas noch nie gefühlt in meinem ganzen Leben, was ich da heute in dieser Arena gefühlt habe. Das war einfach voller Kraft, voller Vertrauen und voller Leichtigkeit. Das habe ich so in der Gesamtheit noch nicht geschafft. Vom Bauch- und vom Reitgefühl gibt es heute mal nichts zu kritisieren!“

Bella Rose mit Missverständnis auf Rang zwei

Das dürfte Isabell Werth etwas anders sehen nach einem Patzer aufgrund eines Missverständnisses mit ihrer Weltmeisterin Bella Rose. Die nun 17-jährige Westfalen-Stute war ja in Mannheim das erste Mal seit über einem Jahr wieder auf dem Turnier und begann heute mit einer gelungenen Grußaufstellung. Im ersten starken Trab wurde sie eilig und schwang wenig über den Rücken. Die Traversalen dann ein Highlight mit gleichmäßiger Stellung und Biegung, maximalem Kreuzen und ohne Schwungverlust. Das Rückwärtsrichten war durchlässig und das Genick blieb stabil, ohne dass die Stute abkippte und hinter die Senkrechte kam. Der zweite starke Trab war ähnlich wie der erste. Die Richter gaben Noten zwischen 6,5 und 7,5.

Dann die erste Piaffe-Passage-Tour in schönem Seitenbild, Fleiß und Abdruck sehr gut. Allerdings fußte die Belissimo M-Tochter in der ersten Piaffe mehrmals hinten links weiter vor als hinten rechts und schien in der Ferne auch etwas erspäht zu haben. Chefrichterin Ulrike Nivelle gab eine 7,5, Dr. Evi Eisenhardt bei E eine 9,5. Möglicherweise war das aus der Perspektive der Seitenrichterin schwierig zu sehen. Danach ging Bella Rose ganz gelassenen starken Schritt und dehnt sich willig an die Hand heran. Auch der versammelte Schritt war sicher im Takt, erhaben und gut im Seitenbild.

Dann das Missverständnis: Offenbar wollte Werth die Fuchsstute in der Passage vor der zweiten Piaffe noch einmal motivieren, kam mit dem rechten Schenkel und Bella Rose verstand das als Aufforderung, anzugaloppieren. Das Malheur war schnell behoben, Bella Rose piaffierte wie ein Metronom, besser als zuvor und die Reiterin klopfte sie beruhigend. Aber das Missgeschick wirkte sich auf die Bewertung des Übergangs aus.

Die Galopptour begann mit sicher durchgesprungenen Serienwechseln zu zwei Sprüngen, die man sich allerdings etwas selbstverständlicher und dadurch losgelassener und runder über den Rücken gewünscht hätte. Die Einerwechsel gelangen besser. Die erste Pirouette war recht groß, die Kruppe wenig gesenkt. Die Bewertungen der Richter reichen von 7,5 (Dr. Evi Eisenhardt und Ulrike Nivelle bei E und C) bis 9 von Reinhard Richenhagen bei M. Die zweite Pirouette gelang besser.

Auf der Schlusslinie gab es dann noch mehrmals die 10 für die Piaffe-Passage-Arbeit der Stute. Wie sagte Jessica von Bredow-Werndl nach ihrem Ritt auf die Frage, ob die Titel nun schon verteilt seien? „Gar nichts! Morgen ist ein neuer Tag! Morgen geht es von Neuem los. Wir sind Lebewesen, die Pferde sind Lebewesen, es ist immer auch Tagesform.“

„Showi“ auf Rang drei

Das dürfte sich auch Reitmeisterin Dorothee Schneider gedacht haben nach ihrem Auftritt mit Showtime, denn auch der war ja wie Bella Rose lange nicht mehr auf dem Turnier gewesen und erst in München wieder ins Turniergeschehen eingestiegen. Dem Paar unterliefen Patzer, die auch auf mangelnde Prüfungsroutine zurückzuführen sein könnten. Dabei begann der 15-jährige Sandro Hit-Sohn ganz stark mit einer gelungenen Grußaufstellung und einer ersten Trabverstärkung mit wirklicher Schwungentfaltung, bei der er gut vor der Reiterin blieb. Die Traversale nach rechts hätte heute geschmeidiger sein können, die nach links ließ kaum Wünsche offen. Gutes Halten und Rückwärtsrichten.

Die erste Passage: Marke Showtime – schwungvoll mit energischem Abfußen. Dagegen verlor die erste Piaffe etwas an Energie. Der starke Schritt raumgreifend und taktsicher, aber der Wallach hätte sich noch mehr an die Hand heran dehnen können, dann wäre sogar noch mehr Raumgriff möglich gewesen. Die zweite Piaffe gelang viel besser als die erste, die Übergänge von und in die Passage kann Showtime noch geschmeidiger.

In der Galopptour startete das Paar mit ausdrucksvollen und sicheren fliegenden Wechseln zu zwei Sprüngen. Im starken Galopp konnte Dorothee Schneider richtig was riskieren und Showtime flog über die Diagonale. Die Einerwechsel begannen etwas verhalten, wurden dann aber auf der Diagonalen von Sprung zu Sprung sicherer und größer.

Das Missgeschick passierte in der ersten Pirouette, die zunächst reichlich groß geriet. Bei der Rückführung verlor Showtime dann einmal kurz die Balance und rettete sich, indem er umsprang. Das drückte nicht nur die Bewertung der (doppelt zählenden) Pirouette, sondern auch die des fliegenden Wechsels bei X. Aber schon wenige Meter weiter war das Missgeschick vergessen. Die zweite Pirouette gelang viel besser. Für die Passagen auf der Schlusslinie gab es dann die ersten 10,0-Bewertungen heute für das Paar.

Die weiteren Platzierten

Die Deutschen Meisterschaften in Balve sind ja zugleich auch Sichtung für die Olympischen Spiele für die Dressurreiter. Mehrere Reiter hatten zwei Pferde am Start, so auch Isabell Werth. Ihre Weihegold brauche nichts mehr zu beweisen, befand der Dressurausschuss, und durfte deshalb zuhause bleiben. Werths zweites Eisen im Feuer neben Bella Rose ist dieses Wochenende der Otto Lörke-Preis-Gewinner Quantaz v. Quaterback, der ja ihrer Schülerin Victoria Max-Theurer gehört. Auch er punktete insbesondere in Piaffe und Passage. Es wären sogar noch mehr als 80,280 Prozent geworden, hätte Quantaz nicht einen Patzer in den Zweierwechseln gehabt.

Platz fünf teilten sich zwei Paare mit jeweils 75,940 Prozent: Helen Langehanenberg auf Annabelle und Benjamin Werndl mit Daily Mirror. Allerdings muss man sagen, dass Langehanenbergs Holsteiner Conteur-Tochter mit dem schönen Stallnamen „Mausi“ heute allerbestens aufgelegt war, sicher in der Anlehnung, stets vor den treibenden Hilfen und ganz ohne Patzer, dazu mit einer großen Selbstverständlichkeit und Frische, während die Runde von Werndl und dem Damon Hill-Sohn Daily Mirror heute eher nach Arbeit aussah mit zum Beispiel kaum gezeigten ersten Piaffen.

Neben diesen beiden gab es noch vier weitere Paare, bei denen 75 Prozent plus zusammenkamen: Sechste und damit „Einen raus“ aus der Platzierung waren in Balve Jessica von Bredow-Werndl und ihre Nummer zwei, Zaire mit 75,820 Prozent. Dorothee Schneider und Faustus schlossen sich mit 75,660 Prozent an. Carina Scholz und ein gut aufgelegter Tarantino konnten mit 75,580 Prozent Frederic Wandres und Duke of Britain hinter sich lassen (75,480).

Elfter wurde Hubertus Schmidt auf einem etwas matt wirkenden Escolar (74,40), gefolgt von Lena Waldmann und Fiderdance (74,080), Matthias Bouten auf Boston (73,640) sowie Matthias Alexander Rath und Foundation, die mit 72,920 Prozent das Schlusslicht bildeten.

Die ersten Deutschen Meister werden morgen ab 12.30 Uhr im Grand Prix Special gekürt.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.