DM Balve: Kristina Sprehe und Desperados sind deutsche Kür-Meister mit über 90 Prozent! Die Ritte im Detail

Kristina Sprehe und Desperados

Balve 18.05.2014 Reitturnier Balve Optimum Deutsche Meisterschaft Dressur Grand Prix Kür: Kristina Sprehe (GER) und Desperados Foto: ©Julia Rau Am Schinnergraben 57 55129 Mainz Tel.: 06131-507751 Mobil: 0171-9517199 Rüsselsheimer Volksbank BLZ 500 930 00 Kto.: 6514006 Es gelten ausschliesslich meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (© Rau)

Kristina Sprehe ist sprachlos und alle sind glücklich: Fünf Ritte über 80 Prozent in der deutschen Meisterschaft Dressurkür – das gab es noch nie. Und jetzt gucken alle optimistisch in Richtung World Equestrian Games (WEGH) – Deutschland Dressurweltmeister?

Kristina Sprehe ist die Frau der Stunde, nicht nur in der deutschen Dressur sondern auch international wird man die Teamsilbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von London nun noch anders anschauen. Mit über 90 Prozent (90,164 Prozent, B-Noten bis 95 Prozent) für ihre Kür ist sie nun in einem Bereich angekommen, in dem sich bislang nicht einmal eine Handvoll Reiter tummelt. Die Zutaten für ihre zweite deutsche Meisterschaft nach dem Titel im Grand Prix Special: Gymnastizierung zuhause, harmonisches Reiten und den Mut auch mal etwas zu wagen, sprich eine Kürpremiere auch schon mal bei den Deutschen Meisterschaften anzugehen. Chapeau!

Hinter der neuenMusik steckt Ralf Roder, der Mann ist schon seit Jahren in der Kürmusik zuhause. In seinem Studio in Barsbüttel bei Hamburg entstand unter anderem schon dieM, zu der Karin Rehbein den legendären Hengst Donnerhall in der Weltspitze präsentierte. Da ist es ja mehr als nur statthaft, wenn man ihn mit der Zusammenstellung einer Kür für einen der wohl bedeutendsten Enkel des Donnerhall, eben Desperados v. De Niro, beauftragt. Roder, der im richtigen Leben auch Schlager für Andrea Berg und einige Klassiker des Mallorca-Repertoire komponiert hat, entschied sich für etwas mit Geigen, wie Kristina Sprehe im Vorfeld schon bekannt gegeben hatte.

Das Paar beginnt mit Super Zickzack-Traversalen im Trab zu Violinen, der Rappe geht, als habe man ihm Federn unter die Hufe geschraubt. Nach der ersten Trabverstärkung auf der Mittellinie folgen Passagetraversalen, allerdings nicht so exakt herausgearbeitet wie bei Isabell Werth, die gerade zuvor mit Don Johnson ihre persönliche Bestleistung, 86,63 Prozent, geritten ist. Die erste Piaffe bei G, also genau vor den Richtern, ist eine Augenweide. Im sich anschließenden starken Schritt hält sich der Hannoveraner etwas fest, bei X auf der Diagonalen angekommen, reitet Sprehe eine Piaffe mit 180-Grad-Drehung zu einem Geigenpizzicato und dann wieder Schritt sehr schöne Idee. Im Galopp nimmt die Musik an Dynamik zu, wieder stehen Zickzacktraversalen am Anfang. Zu den doppelten Pirouetten ertönen Glocken und eine sphärisch hauchende Frauenstimme, in der zweiten Pirouette ist Sprehe etwas vor der Musik. Ihr De Niro-Sohn ist zu jeder Zeit bei seiner Reiterin, auch als nach dem starken Galopp eine weitere Pirouette folgt, dann Zweierwechsel. Nach dem nächsten starken Galopp hat sie die Musik wieder synchron zum Programm. Noch einmal kommt eine doppelte Pirouette, diesmal gefolgt von Einerwechseln. Alles so losgelassen und selbstverständlich.Passagen und Piaffen, diesmal zu Flöte und Trommelrhythmen-Untermalung. Piaffe mit Drehung. Schlussgruß und Schreie der Begeisterung für Kristina Sprehe und Desperados. Ich habe nie mit 90 Prozent gerechnet, sagte die neue deutsche Meisterin. Chefrichterin Katrina Wüst sprach von Weltklasse, man will sich von der Musik wegtragen lassen. Das sei bei vielen gelungen. Die Siegerin will jetzt zuhause an Feinheiten feilen. Dann ist noch mehr drin, sagte auch Richterin Wüst.

SILBER: Isabell Werth und Don Johnson

Gerade ist Jessica v. Bredow-Werndl geritten und der Ansager kündigt das Ergebnis an. Seine Stimme verrät, dass es eine hohe Bewertung sein wird. Da wird das Publikum sicherlich klatschen. Deswegen hält Isabell Werth mit Don Johnson vorm Richterhäuschen bei C an, klopft ihren Hannoveraner und beruhigt ihn. Brav! Als sie das Ergebnis hört, über 83 Prozent, wird ihr Blick entschlossen Attacke!

Einreiten in der Passage, zu Beginn dann über halbe Diagonalen Wechsel zwischen Piaffen und Passagen, alle gehorsam. Aus starkem Trab geht es flüssig in eine Piaffe mit 200-Grad-Wendung, Don Johnson ist voll bei der Sache, zufrieden im Maul. Es folgen auf Halbdiagonalen Traversalen im Wechsel zwischen versammelten Trab und Passagen, alles ganz klar herausgearbeitet, wie man das von Isabell Werth gewöhnt ist. Piano und ein dezentes taktvorgebendes Schlagzeug bestimmen die Musik. Im starken Schritt übernimmt das Piano die Oberhand, unterstützt von ein paar Celli. Die Galopptoru beginnt mit starkem Tempo, mündend in eine doppelte Pirouette, daraus dann Zweierwechsel. Und weiter gehts mit 18 sehr guten Einerwechseln, einer Piroutte, auf die nochmal 14 Einerwechsel folgen. Dann starker Galopp und Übergang in die Piaffe. Jetzt übernimmt das Schlagzeug und ein paar Streicher unterstreichen ein Fächerpiaffe,a us der heraus der Don Frederico-Sohn taktsicher und dynamisch im starken Trab den Buchstaben C anpeilt. Exakt zum letzten Taktschlag hält Isabell Werth und ballte die Beckerfaust. Geschafft Silber! 86,63 Prozent bedeuten einen Rekord für Don Johnson.

Wär jetzt nett, wenn wir das jetzt auch international hinbekämen, aber das wird wohl etwas schwieriger, grinst Werth danach. Sie weiß, dass die Euphorie in den Richterhäuschen sicherlich den guten Leistungen geschuldet ist, aber auch dem Umstand, dass man im Jahr der Weltreiterspiele bei nationalen Championaten gerne mal eine Duftmarke setzt seht her, unser Team ist stark aufgestellt. Aber wenn die jetzt gezeigte Frühform der Toppaare sich im September in der Normandie abrufen lässt, dann ist der Traum vom Teamgold bei den WEG in der Dressur ganz sicher kein Wunschtraum.

BRONZE: Jessica v. Bredow-Werndl und Unee

Eigentlich hätte die Bayerin eine neue Kür reiten wollen, aber das klappt noch nicht hundertprozentig in der Abstimmung. Deswegen noch mal die alte Kür, die in der Weltcupkür schon zweimal über 80 Prozent erhalten hat. Also raus aufs Meer, hin zu Captain Jack Sparrow, Fluch der Karibik. Zum Auftakt Einerwechsel, sicher und ohne Probleme. Das Paar sprüht vor Energie, die aber in richtige Bahnen gelenkt ist. Dynamik und Kontrolle Kürreiten, wie es ein soll. Ganz präzise zur Musik: Das erste Highlight: Doppelte Galopppirouette nach dem Gruß, daraus starker Galopp aber wie stark! – und auf der Mittellinie kurz vor der Richtern dann Übergang in die Piaffe, daraus Schritt. Im Grand Prix hatte der Gribaldi-Sohn da noch kritisch hingeäugt, jetzt scheint er keck zur Chefrichterin zu lächeln.

Draußen beim Abreiten war der 13-Jährige übrigens recht keck: Da war er wild, sagt Micaela Werndl, Jessicas Mutter. Monica Theodorescu hatte aber einen bundestrainerlichen Rat parat: Einfach einmal Gas nach vorn. Da war dann alles wieder in Ordnung. Die erste Piaffe in der Kür ist hundert Prozent am Punkt und super im Gleichmaß. Passagen gelingen mit viel Ausdruck. Im letzten Drittel ist v. Bredow-Werndl etwas vor der Musik, aber zu Painted Black von den Rolling Stones und den Zickzack-Traversalen im Trab passt es dann wieder. Eine Fächerpiaffe auf der Mittellinie mit zwei Richtungswechseln gibt noch einmal Punkte in der A-Note für den technischen Wert. Der Hengst ist voll bei der Sache,bis zum Schluss. B-Noten bis 89 Prozent, A-Noten über 80 Prozent, insgesamt 83,5 Prozent. Ich habe gleich geheult, sagt Jessica v. Bredow-Werndl. Unee ist solch ein tolles Pferd, er wächst über sich hinaus. Und es fühlt sich an, als sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Ulla Salzgeber und Herzrufs Erbe

Frischer und auch elastischer wirkt Herzrufs Erbe heute in der Kür. Die Melodien aus dem Musical Les Miserables passen zu dem Rheinländer und haben dem Paar ja schon einen Podiumsplatz beim Weltcupfinale eingebracht. Zu Beginn punktet das Paar gleich richtig: Piaffen im Takt, so dass man ein Metronom danach stellen konnte. Salzgeber zeigt die Lektion der höchsten Versammlung an mehreren Stellen im Viereck geschickte Choreographie, da kann jeder Richter einmal tief in die Notenkiste greifen. Zwischen den Versammlungselementen immer wieder Trabverstärkungen. Der Herzruf-Sohn ist an, zieht nach vorne, will. Nach einer Galopppirouette rechts lacht Salzgeber und klopft Herzi sie hat einen Lauf, das merkt sie. Eine weitere gute Choreographie-Idee: Galopptraversale bis Mitte der langen Seite, B, dann versammelter Schritt über die Halbdiagonale bis K, dort dann wieder Galopp. Am Ende steht die fast schon obligatorische Piaffe mit 180-Grad-Wendung und im starken Trab geht es zum Schlussgruß. Das Publikum ist begeistert, die durgehende Musik passt einfach. 82,61 Prozent bedeuten Platz vier. Von C aus gesehen war es eine Bronzeritt. 89 Prozent hat Katrina Wüst in der B-Note gegeben.

 

Schon früh hatte Isabell Werth mit El Santo gezeigt (Ausführliches hier), dass sie heute auf Angriff reitet. Der Rheinländer ging abgesehen von einem kurz gesprungenen fliegenden Wechsel in den Einerwechseln fehlerfrei und frisch und viel besser als noch vor drei Wochen beim Weltcupfinale in der Halle in Lyon. 80,62 Prozent bedeuteten Platz fünf in der Prüfung, allerdings wird für die Meisterschaftswertung nur ein Pferd einbezogen. Immerhin darf Ernie dann noch bei der Ehrenrunde die Schleife für Don Johnson abholen. Johnny neigt ja zu Temperamentsausbrüchen.

Dorothee Schneider und Forward Looking

Federleichte Passagen und Piaffen untermalt von Bandoneon und ein paar spanischen Gesängen zum Auftakt für Dorothee Schneider und die 13-jährige Westfalenstute Forward Looking. Eine tolle Piaffe zu Beginn, olé! Wenn es im Trab schwungvoller wird, schaltet die Musik in Richtung Latino um, Rumbarasseln, Perkussion und etwas Geige. Schneider reitet sehr präzise zur Musik. Auch zum Schritt singt eine Dame in Spanisch und wird von gezupfter Gitarre begleitet. Etwas melancholisch, Tango, seufz, so schön! Es geht unter anderem um amore, ja, ja. Galopp gleich mit einer Bilderbuchpirouette gefolgt von sicheren Zweierwechseln, danach Traversalverschiebungen. Die Stute schäumt im Maul, sieht zufrieden aus und springt ohne Probleme elf Einerwechsel damit ist die Scharte aus dem Grand Prix Special ausgewetzt. Zur letzten Pirouette im Galopp singt ein Kinderchor auf spanisch. Auch Schneider zeigt am Ende eine Fächerpirouette. Dabei will die Fidermark-Tochter alles ganz besonders gut machen, nimmt extrem Last auf, wird klein und kurz, hält den Takt und federt in der Passage zum abschließenden Gruß. Harmonie nahezu in Vollendung, das kommt auch den Richtern überhaupt nicht spanisch vor: 78,45 Prozent, Platz sechs!

Pechvogel: Fabienne Lütkemeier und D’Agostino

Was war das? D’Agostino, der seiner Reiterin Fabienne Lütkemeier gestern noch eine Bronzemedaille im Grand Prix Special beschert hatte, ging eine starke Kür – bis kurz vor Schluss. Doch dann war Schluss. Auf der letzten Galoppdiagonalen zog der mächtige Dunkelfuchs die Bremse, machte auf dem Absatz kehrt und war vollkommen durcheinander. Mochte die Carmina Burana auch noch so bombastisch die letzte Passage-Tour ankündigen, „Daggi“ war nicht mehr dazu zu bewegen, sich dem unteren Bereich des Vierecks zu nähern. Dabei hatte das Paar gut angefangen, mit starken Tempi in vollem Risiko und fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung auf gebogenen Linien. Gut, dass diese Lektionen schon im Protokoll standen, als der De Niro-Sohn den Dienst quittierte. Am Ende waren es 75,44 Prozent, Rang neun.

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