DM Balve: Showtime is back und mit Dorothee Schneider eine Klasse für sich

Dressur, DM, Deutsche Mesiterschaft, Grand Prix

Dorothee Schneider Showtime, DM Balve 2022 (© von Korff)

Showtime, Quantaz, Duke of Britain, Schneider, Werth, Wandres – unter den ersten drei Plätze im Grand Prix bei den Deutschen Meisterschaften in Balve gab es zwei persönliche Bestleistungen. Und eine Vielseitigkeitsreiterin mit Ambitionen.

Showtime und Dorothee Schneider waren das Paar des Tages. Unangefochten und mit souveränem Auftakt, perfektem Halten, sicher und routiniert, begann das Paar. Sie kennen sich, sie sind diejenigen, die die klassische Ausbildung leben. Ein Ritt, der einfach nur schön war. Sicherlich noch nicht in allen Lektionen auf 110 Prozent, dafür losgelassen und harmonisch vom ersten Moment an.

Der beste Showtime ever

In den Piaffen senkte sich der Hannoveraner, für den es der erste Auftritt nach den Olympischen Spielen von Tokio war, lehrbuchmäßig in der Hinterhand. Sicherlich ist er kein Pferd für eine Dalera-Piaffe, aber dafür suchen beispielsweise starker und versammelter Schritt weltweit ihresgleichen. Für Passagen gab es mehrere Zehnen und auch eine für Sitz und Einwirkung – Punktlandung. Die 82,36 Prozent sind das bislang beste Ergebnis, das Showtime in seiner Karriere hat erzielen können.

Isabell Werth hinter Showtime auf Plätzen zwei und vier

Als letzte Starterin und direkt nach Showtime kam Isabell Werth mit Quantaz in die Bahn. Sie hatte mit Emilio, der heute, anders als noch in München fehlerfreie Zweierwechsel zeigte, und im versammelten Schritt Punkte liegen ließ, lange geführt. Am Ende bedeuteten ihre 76,5 Prozent Platz vier.

Dass Quantaz ihre Nummer eins im Jahr der Weltmeisterschaften ist, hatte Isabell Werth schon im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften in Balve klar gemacht. Nun musste der Quaterback-Sohn also liefern. Er punktete in Piaffen und Passagen, der Schritt ist so wie er ist und damit im Schnitt nicht ganz „ziemlich gut“, also knapp unter 7 – im versammelten Tempo. Im starken Schritt waren es heute durchschnittlich 6,3.

Ausbügeln konnte Isabell Werth die Schrittbeurteilung mit anderen Lektionen, die wie der Schritt mit zwei multipliziert in die Wertung einfließt: Nicht nur in den Piaffen, vor allem aber in einer Weltklassepirouette links, für die es eine Zehn gab (8,8 im Durchschnitt). Am Ende der Prüfung verstolperte Quantaz die letzte Trabverstärkung, die stark begonnen hatte, zum Schluss der Diagonalen. Aber: 80-Prozent-Marke geknackt, Platz zwei (80,16).

Platz drei an zwei Routiniers

Duke of Britain und Frederic Wandres sind ein Paar, das sich lange kennt und schon einige Kilometer gemeinsam im Viereck zurückgelegt hat. Diese Routine spielten die beiden voll aus. Vorm Einreiten sprang der britische Hannoveraner einmal in die Luft, wohl um den Juroren seinen Tateifer zu demonstrieren. Schließlich wird ja auch geguckt in Hinblick auf die Weltmeisterschaften in Herning im August.

Der 15-jährige Fuchswallach zeigte sehr rhythmische gute Piaffen. Und er lieferte das, was die Selektoren gerne sehen: eine fehlerfreie Runde. In den Passagen wünschte man sich manchmal etwas mehr Abdruck, aber die 78,02 Prozent – 79,3 Prozent gab Dr. Dietrich Plewa – sind schon eine Duftmarke bei diesen Deutschen Meisterschaften.

Zufriedener Franziskus auf Platz fünf

Ingrid Klimke, die gerade ihre WM-Qualinorm für die Vielseitigkeits-WM im September geliefert hat, hinterließ mit dem 14-jährigen Franziskus einen guten Eindruck. Der Hengst ging eine Aufgabe wie am Schnürchen. Gleichmäßig in der Anlehnung schnurrte der Fidertanz-Sohn Lektion für Lektion ab. Die fliegenden Galoppwechsel zu zwei Sprüngen und von Sprung zu Sprung waren bilderbuchreif, gerade auch was die Selbsthaltung anbelangt. Lediglich vor der zweiten Pirouette gab es einen leichten Rhythmusverlust, die Pirouette gelang aber wieder gut. Platz fünf mit 75,04 Prozent.

Und die anderen Kader-Paare?

Für andere Kombinationen, die sich auch noch Hoffnungen auf eine WM-Nominierung machen dürfen, lief der Auftakt dieser Deutschen Meisterschaften nicht so wie bei Showtime und Dorothee Schneider. Es gab in diesem Grand Prix fünf Platzierte. Rang sechs ging an Helen Langehanenberg, deren Holsteiner Stute Annabelle startete mit einer äußerst knappen Trabverstärkung, die ersten zwei Piaffen waren leicht im Vorwärts auf kleinstem Raum, wodurch das Vorderbein, das ja eigentlich im 90-Grad-Winkel zum Boden sein soll, deutlich gen 60 Grad tendierte. Im Galopp sprang die Stute hinten einmal um, die Serienwechsel hätte man sich über mehr Boden gewünscht. Höhepunkt des Paares war die letzte Linie, bei der die Lektionen alle zwischen 7,5 und 8 beurteilt wurden (74,72).

Dorothee Schneiders EM-Pferd Faustus, Boxennachbar von Siegerpferd Showtime, verlor im Galopp viele Punkte. Die Zweierwechsel misslangen und auch die Zick-Zack-Traversale war heute ein Satz mit X (74,3).

Frederic Wandres konnte sein zweites Pferd Bluetooth v. Bordeaux als erster Starter mit 73,46 Prozent auf Rang acht reiten. Für Benjamin Werndl und Famoso v. Farewell III summierten sich viele Kleinigkeiten, aber auch dicke Patzer auf 73,22 Prozent. Aus einem recht „passagigen“ versammelten Trab zu Beginn der Aufgabe galoppierte der Braune einmal an. Im knappen starken Trab gab es einen Stolperer. Auf der letzten Linie in der Klasse zeigte das Paar dann die Klasse, die es braucht für eine Championatsnominierung.

Die ersten Medaillen werden morgen im Grand Prix Special vergeben. Der startet am morgigen Samstag um 10.30 Uhr.

Die Ergebnisse des Grand Prix finden Sie hier.