DRESSUR – Deutschland ist Weltmeister und Charlotte Dujardin das Maß der Dinge

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(© Pauline von Hardenberg)

Mit zehn Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierte britische Equipe ist Deutschland Dressurweltmeister geworden. Die Niederländer gewannen Bronze. Mit einem souveränen Ritt setzte sich die britische Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit Valegro an die Spitze des Feldes. Isabell Werth und Bella Rose wurden Zweite im Grand Prix, Helen Langehanenberg Dritte. 

Aachen? Fehler? Das war der Wake up Call, das Hallo wach, wie es Trainer Carl Hester schon in der Aachener Soers gesagt hatte. Die Britin Charlotte Dujardin und Valegro waren heute das mit Abstand beste Paar. Piaffen und Passagen wie en Uhrwerk, tolle Serienwechsel, keine Fehler. Nur ganz am Ende der Aufgabe, nach der letzten Piaffe bei X, da stockte der 12-jährige Wallach einmal. Die Britin musste beherzt zupacken, um den Negro-Sohn in Gang zu halten. Mit 85,271 Prozent bescherte sie den Briten Teamsilber. Draußen fühlte er sich fast zu gut an, sagte die Britin. Und ihr Mentor und Trainer Carl Hester freute sich, dass er als alter Mann noch mitdarf, wenn die jungen reiten. Großbritannien kam auf 231,343 Punkte. Mit mehr als zehn Punkten Abstand gewann das deutsche Team Gold. Das stärkste Team, das wir je hatten, sagte Isabell Werth, die mit Bella Rose als erste Starterin am zweiten Wettkampftag 81,529 Prozent erzielt hatte. Der Durchschnitt der drei Ritte in der Wertung von über 80 Prozent spricht Bände.
Für das Team Großbritannien war es ein komfortabler Vorsprung auf die Niederländer, die ebenfalls geschwächt nach Caen gereist waren. Nicht nur dass Edward Gal nicht Undercover sondern Voice reiten musste, auch Diedrik Silfhout hatte erst 36 Stunden vor Abreise erfahren, dass er mit dem relativ unerfahrenen aber sehr passage-talentierten Arlando nach Frankreich reisen durfte.
Parzival und Adelinde Cornelissen hielten die Flagge hoch für das Oranje-Team. Leichter in der Anlehnung, aber nicht mehr so energisch im Abfußen wie früher, ging der Jazz-Sohn einen Grand Prix, für den er 79,629 Prozent bekam. In der Piaffe und auch im Galopp nickte er mit dem Kopf. Der 17-Jährige, bei dem vor eineinhalb Jahren ein Herzfehler diagnostiziert wurde, geht dem Ende seiner Karriere zu. Für das Team ist er wertvoll, die Niederlande sind dank seiner Leistung schon jetzt für die Olympischen Spiele von Rio 2016 qualifiziert. Adelinde Cornelissen saß überhaupt nicht mehr in Rückenlage, nur in der Trabverstärkung wirkte sie etwas deutlicher mit der Hand ein. Vielleicht ist es einfach zu spät, einem Pferd, das in dieser Lektion gewöhnt ist, gegen die Hand gedrückt zu werden die Zügel zu viel nachzugeben. Wobei das nichts mit dem einst schon rüden Hilfen zu tun hatte, die unter der Ägide des einstigen Bundestrainers Sjef Janssen zu Cornelissens Markenzeichen geworden waren. Jetzt ist Harmonie Trumpf.
Helen Langehanenberg und Damon Hill hatten eine durchwachsene Runde, mit Höhepunkten wie die Passagen und der starke Schritt, aber auch kleineren Unsauberkeiten (der zehnte fliegende Wechsel in den Einerwechseln nicht gut durchgesprungen) und am Ende einmal mehr dem Versuch, zum Abschluss zu früh zu halten. Davon konnte ihn Helen Langehanenberg gerade noch abhalten. Aber ihr engagierter Versuch, dem Westfalen diese Marotte auszutreiben ließ die Noten zum Ende sinken. Als Drittbeste (81,357) geht sie nun in den Grand Proix Special. Ihre Devise Attacke, wie immer. Wir greifen an. Glücklicherweise soll das Wetter morgen noch besser sein. Heute regnete es nur selten, aber ausgerechnet als das Paar aus Havixbeck ins Stadion musste, waren die himmlischen Schleusen offen. Da habe ich mich gefragt, ob wir Schwimmflügelchen eingepackt haben. Aber beim Reiten habe ich es nicht mehr gemerkt. Ich glaube, es hat dann auch schon wieder aufgehört.
Schon gestern hatte Kristina Sprehe den Wassermassen getrotzt und die beste Grand Prix-Leistung dieser Saison gezeigt. Just in time, so soll das sein. Desperados ging konzentriert und hätte mit dieser Leistung vielleicht heute noch einen Prozentpunkt mehr bekommen, verdient hätte das Paar die 80-Prozent-Auszeichnug allemal.

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