Dressur-Europameisterschaft 2021: Nach zwei Dritteln führt Carl Hester, Helen Langehanenberg in Kür

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Dressur-Europameisterschaft Hagen 2021 - Grand Prix Special unter Flutlicht (© www.st-georg.de)

Dressur-Europameisterschaft Hagen: Nach 20 Ritten führt Carl Hester. Helen Langehanenberg ist Dritte, Dorothee Schneider vorerst Vierte.

Carl Hester und En Vogue hatten die beste Visitenkarte bisher bei der Dressur-Europameisterschaft zu bieten: 8,4 für das Einreiten und Halten. Der schön sitzende, mittlerweile 54 Jahre alte Brite, ritt das erste Drittel der Aufgabe mit den Wechseln von starkem und versammelten Trab sowie Passagen hoch konzentriert. Der Jazz-Sohn, der Charlotte Dujardin gehört, ließ in jeder Trabverstärkung, von davon gibt es im Grand Prix Special viele, mehr los. Er fußte stärker von hinten ab, wurde auch lockerer im Vorderbein. Allein – der starke Schritt ist nicht seine Lektion. So schmolzen die 77 Prozent dann auch 73 nach dieser Lektion zusammen. Mit den Piaffen (bis 7,7 bewertet) arbeitete sich Hester dann wieder nach oben. Auf die 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung auf der Diagonalen gab es eine glatte 8,0 von den sieben Juroren, auf die Linkspirouette eine 8,9, die folgenden neun Einerwechsel  eine 8,6. Ein Ritt, der auch durch den ruhigen Sitz des Reiters und den Eindruck bestach, dass hier jemand es genießt., Dressur zu reiten und zu zelebrieren.

77,31 Prozent gab es von der Jury, wobei die Bewertungen zwischen 74,5 und 79 Prozent schwankten.

Dressur-Europameisterschaft: Helen Langehanenberg und Annabelle in Kür

Helen Langehanenberg und Annabelle kamen um 19.31 Uhr  die Mittelinie herunter. Halten auf dreieinhalb Beinen (6,8). Hinten links ruhte die Stute.

Das Westfalen-Holstein-Duo steigerte sich mit noch nicht voll ausgerittenen, dafür sicheren Trabverstärkungen, gut gebogenen und kadenziert vorgetragenen Traversalen und klar abgesetzten Passagen. Wobei auch hier mit noch etwas mehr Kraft im Hinterbein sogar noch mehr Punkte drin sein werden, als die 7,6, die es bislang im Schnitt waren. Herning ist ja auch erst kommendes Jahr, die Weltmeisterschaften im August 2022.

74,216 Prozent standen nach dem ersten Drittel in der Zwischenwertung. Dann die erste Piaffe, noch auf Sicherheit angelegt: 7,6. Für die zweite, die noch fleißiger und selbstverständlicher gelang, dann eine 7,9.

Die Conteur-Tochter schien immer mehr im Stadion bei untergehende Sonne anzukommen. Alle Galopplektionen gelangen ohne Fehler. Die Pirouetten sicher im Galopptakt auf kleinem Kreisbogen, alle Serienwechsel gerade und mit zunehmend immer besser werdendem Durchsprung. 75,22 Prozent waren es für „Mausi“ – das bislang drittbeste Ergebnis für das Paar auf internationalem Parkett. „Ich bin stolz auf Mausi. Es war mein erklärtes Ziel, fehlerfrei durch die Prüfung zu kommen. Wir haben gestern ja gesehen, wie teuer ein Fehler sein kann und für die Mannschaft hätte ich mir gestern da noch mehr erwünscht.“ Aber entscheidend ist: „Ich genieße!“, unter anderem die Piaffen, „Mausi kann einfach fantastisch piaffieren.“ Das sahen die Richter bei der Dressur-Europameisterschaft genauso.

Faustus und Dorothee Schneider

Faustus und Dorothee Schneider starteten mit einer 8,1 zum Einreiten. Beständig lag die Beurteilung für sie und den Hannoveraner Wallach Faustus zunächst um die 77 Prozent. Dann stolperte der Wallach nach der kurzen Seite, ein Taktfehler in der Passage. Auch an der nächsten kurzen Seite, der bei A, lief nicht alles ganz nach Plan. Aber Faustus hat ja seinen starken Schritt: 7,8! Das hilft! Die Piaffen waren lebhaft und am Platz, dem Wallach rutschte aber in beiden Piaffen das Genick etwas herab. In der Galopptour musste Dorothee Schneider nun also punkten: Und das gelang der Reitmeisterin, vor allem in einer Traversale, dem starken Galopp (9,0) und gut gelungenen Pirouetten. Die letzte Piaffe war nicht ganz so energisch wie die beiden davor (7,1). Am Ende waren es 74,802 Prozent, Zwoschenwertung nach 20 Ritten Rang vier, die sich aus Bewertungen zusammensetzten, die sechs Prozent auseinanderlagen. Thomas Lang, Österreich, gab bei K 77,872 Prozent, Isabelle Judet, Frankreich, bei M 71,809 Prozent – Richter, wir müssen reden!

„Der Stolperer in der Passage, das müssen wir analysieren, das fühlt man nicht vorher.“ Aber mit diesen Gedanken will sich Dorothee Schneider nicht zu lange befassen. „Ich wäre gerne Kür geritten, aber ich gönne es Helen von Herzen und jetzt müssen wir arbeiten, dass wir dahin kommen.“ Denn mit einem positiven Fazit schließt Dorothee Schneider ihre EM ab: „Dieses Gefühl, wenn dieses Pferd die Mittellinie heruntergaloppiert. Der hat alles, was ein Championatspferd braucht. Und wenn er sich jetzt auch noch präsentieren will und er so vor mir ist …“ ein breites, ein glückliches Lächeln sagt mehr als viele Worte.

Wo sind die Holländer bei der Dressur-Europameisterschaft?

Ohne Edward Gal haben die Niederländer aktuell wenig Paare im Aufgebot, denen die Herzen und die Noten der Richter im Überschwang zufliegen.

Am höchsten bewertet wurden Dinja van Liere und Haute Couture. 75,699 Prozent, zweiter Platz der Zwischenwertung nach zwei Dritteln des Starterfeldes. Ein Ritt unter der Überschrift: Spannung und Gehorsam. Der starke Trab eilend, die Passage im Vorderbein deutlich exaltierter als das Hinterbein im Abfußen. 7,9 in Piaffe, beim Angaloppieren aus der Passage dann deutliche Spannung. Lektionssicher alles weitere, die eng und aktiv gesprungene Linkspirouette (8,0). Am Ende persönliche Bestleistung. 75,699 Prozent.

Dream Boy und Hans Peter Minderhoud. Der Rapphengst ging mit nickender Anlehnung, wirkte frischer als in Tokio bei den Olympischen Spielen. 76,7 Prozent waren es für das niederländische Paar nach dem ersten Teil. Die erste Piaffe war am Fleck und auch relativ gleichmäßig im Hinterbein getreten. In der Zweierwechseln schwankte der Rappe, dann kam noch ein Fehler hinzu. Auch die 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung gelangen nicht fehlerfrei.