DRESSUR – Gold für Dujardin, Silber Langehanenberg, Bronze Sprehe

Die drei Damen und das Edelmetall: Charlotte Dujardin (GBR) und Valegro (Mitte)

(© Pauline von Hardenberg)

Tolles Reiten, spannender Wettkampf und am Ende zwei Einzelmedaillen für Deutschland! Die Britin Charlotte Dujardin ist mit Valegro Weltmeisterin im Grand Prix Special, Helen Langehanenberg gewann mit Damon Hill Silber und Kristina Sprehe mit Desperados Bronze. Fabienne Lütkemeier wurde 19.

Charlotte Dujardin strahlte ihr breitestes Lächeln. Valegro hat mir ein Supergefühl gegeben. OK, er musste zu einer unpassenden Zeit auf die Toilette, und die fliegenden Wechsel zu zwei Sprüngen wollte ich gerne noch vor der Bande fertig bekommen, fügte sie augenzwinkernd hinzu. Und damit hatte sie dann auch gleich charmant genau die beiden Momente benannt, die bei ihrem Ritt nicht gelangen: Vor der ersten Piaffe musste der Negro-Sohn äppeln, reagierte nicht auf die Hilfe man muss ja Prioritäten setzen und verhaspelte sich in der anschließenden Passage. Ein Problem, dass die Olympiasiegerin und neue Weltmeisterin schnell wieder im Griff hatte. Die zweite Piaffe, im Grand Prix Special nur wenige Meter in der Passage nach der ersten Piaffe gefordert, war dann Kategorie Lehrbuch Noten weit jenseits der 9,0 untermauerten das.
Der zweite Stolperer geschah in den Zweierwechseln, bis kurz vor Schluss auch nahe dem Ideal, dann aber unterlief dem Paar ein Fehler. Das Stadion stöhnte, genau wie in Aachen. Ich hätte am liebsten gesagt ,leise jetzt!, das ist so schwierig sich dann noch zu konzentrieren!, so die Britin. Aber es gelang ihr. Die 90-Prozent-Marke, die sie zu Beginn der Prüfung erreicht hatte, konnte sie nicht knacken. Wir hätten sie ihr gerne gegeben, aber sie hat uns nicht gelassen, resümierte Chefrichterin Susanne Hoevenaars aus Australien. 86,12 Prozent schlugen zu Buche, lediglich Dr. Dietrich Plewa, der bei H saß, sah Helen Langehanenberg vor Dujardin und Valegro.
Helen Langehanenbergs Damon Hill sah Isabell Werth“ href=“https://www.st-georg.de/?p=46917″>noch frischer aus als gestern, schon als er ins Stadion kam. Da habe ich ihn sogar einmal parieren müssen. Aber dann war Gefühl klasse, die Öhrchen gespitzt und nach dem Gruß los in Richtung C. Helen Langehanenberg musste also nur noch den gespitzten Öhrchen hinterherreiten. Das gelang ihr gut. Der Hengst war im ersten Drittel der Aufgabe immer vor den treibenden Hilfen, die Übergänge zwischen Passagen und starkem Trab war geschmeidig. Der Donnerhall-Sohn bewegte sich zu jedem Zeitpunkt durch den Körper. In einer Passage stockt er einmal, die Pirouetten waren erstklassig und, ja, auch am Ende zog er bis ans Ende in der Passage bis zum Grüßen. Sicherlich musste Langehanenberg da am Ende etwas mehr drücken, aber der Westfale tat seinen Job. 84,468 Prozent bekam die 32-Jährige für diesen Ritt. Ob sie es abgeschrieben hat, Charlotte Dujardin schlagen zu können? „Ich halte es nicht für unmöglich, immer vorausgesetzt, dass wir fehlerfrei bleiben. Morgen wird Damon Hill nicht ganz so viel arbeiten müssen. Ich telefoniere mit Klaus Balkenhol, der wegen der Operation seiner Tochter Anabel nicht hier sein kann, jeden Abend, wenn Ruhe ist. Dann besprechen wir alles. Schade, dass er nicht da sein kann, aber Gesundheit geht vor, das ist klar. Für die Kür will Langehanenberg auf jeden Fall volles Risiko gehen. Attacke“, eine ihrer Lieblingsvokabeln.
„Ich bin gestorben“, selten bringt Kristina Sprehe ihre Gefühle so präzise auf den Punkt. Der Grund: Sie war als fünftletzte Starterin ins Stadion geritten, direkt vor Charlotte Dujardin und Helen Langehanenberg. „Die beiden wollte ich ansehen, da bin ich auf die Tribüne gegangen, zusammen mit meinem Papa.“ Einen Podiumsplatz hatte die 27-Jährige nicht eingeplant. Auf die Frage, was sie sich für die Einzelwertung vorgenommen hatte, konnte sie nur mit den Achsel zucken, erst auf Englisch und dann auf Deutsch das Achselzucken. „Ich wollte gut für die Mannschaft reiten, über Einzel habe ich gar nicht drüber nachgedacht.“ Irgendwie war für sie, wie für viele andere klar, dass die Niederländerin Adelinde Cornelissen auf dem Podium landen würde. Der Fuchs, der als letztes Pferd ging, begann im Bereich von gut 80 Prozent. Da habe ich noch gar nicht an Bronze gedacht. Aber dann begann der routinierte Fuchs viel zu früh zu piaffieren und die Passage danach war auch nicht so, wie man es von dem Jazz-Sohn kennt. Der Notentrend rutschte auf unter 75 Prozent. Kristina Sprehe: „Da habe ich immer noch nicht gedacht, dass es reichen könnte. Aber dann wurde es spannend bis zum Ende habe ich gedacht, dass die das noch so hinrechnen. Und dann bin ich gestorben.“

Gerechnet wurde tatsächlich, denn in der Prüfung kämpfte Adelinde Cornelissen wie gewohnt um jeden Punkt. Und es wurde ganz knapp! Um es in Punkten auszudrücken: 1,5 Punkte Differenz bei sieben Richtern. Allerdings kamen da am Ende noch 14 hinzu. Denn die Niederländerin war zu spät ins Viereck eingeritten die 45 Sekunden, die ihr zustanden, waren da schon verstrichen. Dafür gibt es pro Richter einen Abzug von zwei Punkten, also 14 Zähler. Insgesamt hatte Cornelissen nach dem Abzug 2832 Punkte, Sprehe 2847,5 Treffer, Bronze für Sprehe, deren Desperados heute etwas munterer war, was sich in tollen Trabtraversalen und einer sehr guten Galopptour niederschlug, allerdings dazu führte, dass es wieder häufiger ein paar ungleiche Tritte in der Passage gab. Aber insgesamt imponiert das Duo aus dem Örtchen Benstrup in Südoldenburg durch seine Harmonie. Kristina Sprehe ist aktiver im Sattel, sie reitet richtig, auch wenn es mal Probleme gibt, und verharrt nicht wie früher in Passivität. Bundestrainerin Monica Theodrescu lobte ihre Schülerin dafür ausdrücklich: „Sie hat den Umstand, dass Desperados heute etwas aufgeregter war, für sich genutzt, sie hat es geschafft, diese Energie positiv für sich im Viereck umzusetzen.“ Und, so die Bundestrainerin weiter: „Die Pirouetten, die die beiden deutschen Hengste heute gezeigt haben, waren die besten der gesamten Prüfung.“ Damon Hill hatte sogar eine 9,1 für die Galopppirouette nach rechts bekommen, Gänsehaut!

Heute Abend steht der Mannschaftsabend an, leider ohne Isabell Werth, die nach dem Ausfall von Bella Rose heute noch die Prüfung verfolgt hat und dann nach Deutschland abgereist ist. Ihre Belissimo M-Tochter, die gestern zweitbestes Pferd im Grand Prix war, hatte schon früher heute den Weg nach Hause angetreten, wo sie ihre Huflederhaut auskurieren soll. Heute wird gefeiert, sowohl Helen Langehanenbergs stahlblauen Augen als auch die von Kristina Sprehe leuchten. Wie wir gefeiert haben, erzählen wir morgen. Selbstredend auch mit Fabienne Lütkemeier, die nach einem nicht durchgesprungenen ersten Einerwechsel mit 74,062 Prozent 19. wurde und somit nicht in der Kür am Freitag starten wird.

Die Pferde haben morgen ein leichtes Trainingsprogramm. Es ist Pause im Stadion dOrnano, dafür gehen im Haras du Pin, das komplett unter Wasser stehen soll, morgen die ersten Buschreiter ins Viereck, der Distanzritt startet in Sartilly um sieben Uhr in der Frühe und auch Reiner und Para-Reiter haben morgen weitere Wettkämpfe.