Dressuraufgabe Grand Prix Special – Daten, Zahlen, Fakten

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Dorothee Schneider und Sammy Davis jr. beim Abreiten während der WM in Tryon. Die Passage ist zentrale Lektion des Grand Prix Special. (© Pauline von Hardenberg)

Der Grand Prix Special ist die Dressuraufgabe im Dressursport, die über die Einzelmedaillen bei Deutschen, Welt- und Europameisterschaften entscheidet. Hier ein Blick auf die Anforderungen, was die Richter sehen wollen und welche Lektionen besonders wichtig sind.

Der Grand Prix Special ist die Aufgabe, die auf Welt- und Europameisterschaften über die ersten Einzelmedaillen entscheidet. Auch bei Deutschen Meisterschaften gibt es einen Medaillensatz im Grand Prix Special und einen in der Grand Prix Kür.

470 Punkte kann ein Reiter theoretisch pro Richter erlangen. 450 in den 36 Einzellektionen und noch einmal 20 für die zusätzliche Note „Sitz, Korrektheit und Hilfengebung“. Diese eine Note ist eine von insgesamt zehn Noten, die in doppelter Wertung in die Beurteilung einfließen. Die Vereinfachung auf eine einzige Note hat die bis dahin gängigen vier „Schlussnoten“, bei denen unter anderem die „Reinheit der Gänge“ mit einer Einzelnote bedacht wurden, ersetzt. Diese Entscheidung war nicht unumstritten. Sie soll helfen, auch unbekannteren Reitern zu einer objektiveren Bewertung zu verhelfen. Weniger starke Dressurnationen hatten argumentiert, dass erfahrene Richter über die Schlussnoten noch denen von ihnen favorisierten Reiter zu einem besseren Ergebnis verholfen hätten.

Was zählt doppelt im Grand Prix Special?

Neun Lektionen im Verlauf des Grand Prix Special gehen mit dem Faktor zwei multipliziert in die Bewertung ein. Es sind im einzelnen:

  1. die ganzen Trabtraversalen nach links und …
  2. nach rechts, wobei hier auch noch der versammelte Trab bis zur Mitte der kurzen Seite (C) jeweils mit in die Bewertung einfließt
    Ludwiga von Korff

    Traversalen: Hubertus Schmidt und Imperio im Grand Prix Special, DM Balve 2017 (© Ludwiga von Korff)

  3. der starke und…
  4. der versammelte Schritt (Achtung ein Übertreten über die Hufspuren der Vorderbeine wäre negativ zu beurteilen!)
  5. die drei Piaffen. Die erste bei G aus dem versammelten Schritt,
    Pauline von Hardenberg

    Piaffen-Königin: Weihegold v. Don Schufro. (© Pauline von Hardenberg)

  6. bei I aus der Passage und …
  7. bei X auf der Mittellinie am Ende der Aufgabe mit anschließender Passage. Diese gelingt meistens am besten
  8. die Galopppirouette nach links und …
    Pauline von Hardenberg

    Pirouette – hier Helen Langehanenberg und Damsey. (© Pauline von Hardenberg)

  9. selbstverständlich auch die nach rechts

Dazu kommt die erwähnte Schlussnote für Sitz, Korrektheit und Hilfengebung.

Was sind die Klippen im Grand Prix Special?

Die erste Piaffe muss bei G, also vor den Richtern an der kurzen Seite aus dem versammelten Schritt erfolgen. Das birgt gleich zwei Probleme: Wenn die Pferde die Aufgabe kennen, neigen sie dazu, sich schon im Schritt anzuspannen. Das kann zu Lasten der Qualität des versammelten Schritts gehen (Gefahr des Taktverlusts, passartige „laterale“ Schritte, oder anzackeln). Oder aber, Kollege Dressurpferd ist eher ein gemütlicher Geselle und das Umschalten auf dem Punkt vom erhabenen Schritt in eine energisch abfußende, fleißige Piaffe, die auf der Stelle (12-15 Tritte) zu erfolgen hat, findet wenig Gegenliebe. Wie im Grand Prix, wird auch im Grand Prix Special eine Extranote für die „Übergänge“ gegeben. In ihr wird zusammengefasst, wie das Pferd in die Piaffe hinein- und wieder herauskommt. Im Grand Prix Special nimmt die erste Piaffe dabei wegen des Übergangs Schritt-Piaffe eine Sonderrolle ein.

Das Angaloppieren aus der Passage bei X. Die Pferde kommen auf der linken Hand in der Passage die lange Seite herunter. Dann geht es bei E links um und bei X muss dann rechts angaloppiert werden. Immer wieder unterläuft hier selbst äußerst erfahrenen Paaren das Missgeschick, dass das Pferd im falschen Galopp, also links anspringt.

Die Rechtspirouette, die am Ende der Mittellinie bei Punkt G gefordert ist. Vorher muss das Pferd neun fliegende Galoppwechsel von Sprung zu Sprung auf der Mittellinie zeigen. Gibt es hier ein Problem, bleibt kaum Zeit für die Vorbereitung der Galopppirouette. Zusätzlicher Knackpunkt: Bei G sind die drei Richter an der kurzen Seite (H, C und M) ganz dicht dran am Geschehen. Und auch die „Seitenrichter“ auf den Positionen E und B können gut sehen, wie die 360-Grad-Wendung auf kleinstem Kreis gesprungen – und nicht gedreht, der Charakter des Galoppsprungs muss immer erhalten bleiben! – ausgeführt wird.

Warum „Klassiker“?

Auch wenn die Kür Publikumsmagnet Nummer eins ist, schätzen viele den Grand Prix Special als die „klassischste“ der Dressurprüfungen. Im ersten Drittel der Prüfung stehen die Wechsel zwischen höchster Versammlung in der Passage und maximaler Schwungentfaltung im Vordergrund. Der Übergang zwischen diesen beiden Lektionen wird zweimal mit einer Extranote beurteilt. Mehr als ein Drittel der zu erreichenden Punktsumme wird im Grand Prix Special in der Trab-/Passagetour zu Beginn der Prüfung verteilt.

Ab 2020: Grand Prix Special als Teamentscheidung bei Olympia

Im neuen olympischen Programm, das 2020 in Tokio das erste Mal geritten wird, qualifizieren sich die acht besten Teams aus dem Grand Prix für den Grand Prix Special. Sie machen in dieser Aufgabe untereinander aus, wer Mannschafts-Olympiasieger im Dressurreiten wird. Der Grand Prix dient ab 2020 bei Olympischen Spielen – und nur dort – lediglich als Qualifikationsprüfung für die Kür, in der die Einzelmedaillen vergeben werden.

Hier finden Sie die internationale Aufgabe als PDF.