EM Aachen: Hauchdünner Sieg für Charlotte Dujardin, Sensations-Silber für Kristina Bröring-Sprehe

Sieben Ritte über 80 Prozent gab es in diesem Finale. Jessica von Bredow-Werndl und Unee schafften es auch noch, diese Schallgrenze hinter sich zu lassen. 80,214 Prozent bekam das Paar für die Kür, mit der es in Las Vegas Dritte beim Weltcupfinale geworden war. Wieder patzte der Gribaldi-Sohn in den Einer- und den Zweierwechseln, die Wechsel zu zwei Sprüngen konnte von Bredow-Werndl auf einer Diagonale noch einmal fehlerfrei zeigen, aber die misslungenen Einerwechsel flossen ins Endresultat ein. Sie war dennoch zufrieden: „Es war ein guter Abschluss eines tollen Wochenendes und ein unglaubliches Gefühl, aus dem Stadion rauszureiten. Ich hatte Tränen in den Augen.“ Gleichwohl war sie sich auch der Fehler bewusst: „Es war mit Sicherheit nicht die allerbeste Kür, die wir je gezeigt haben, aber in Anbetracht der Achterbahn der Gefühle, die wir hier gehabt haben, bin ich sehr zufrieden.“ Sie sagte es nicht direkt, aber was sie meinte, war unter anderem das Debakel mit dem weiteren schwarzen Hengst im Team, der bekanntlich bereits abgereist ist.

Immer ein super elegantes Bild: Jessica von Bredow-Werndl und Unee BB. Foto: von Hardenberg

Immer ein super elegantes Bild: Jessica von Bredow-Werndl und Unee BB. Foto: von Hardenberg

Der Brite Carl Hester landete knapp unter 80 Prozent, 79,571, auf Rang acht. So ruhig sein deftiger Wallach Nip Tuck auf den ersten Blick aussah, halten wollte er weder zu Beginn noch Ende der Kür. Eine originelle Idee seiner Choreographie: Versammelter Schritt an der kurzen Seite, direkt danach starker Galopp über die Diagonale mit anschließender doppelter Pirouette. Ein weiterer Beweis dafür, dass bei diesen Europameisterschaften endlich einmal die rittigen, gut gearbeiteten Pferde vorne standen. Während sich die andere Fraktion, die auf Spannung und Unterjochung setzt, was ja häufig genug durch hohe Noten gutgeheißen wurde, nicht vorne wieder fand.

Nicht schön, aber das Musterbeispiel klassischer Ausbildung: Nip Tuck unter Carl Hester. Foto: von Hardenberg

Nicht schön, aber das Musterbeispiel klassischer Ausbildung: Nip Tuck unter Carl Hester. Foto: von Hardenberg

Neunter wurde der Niederländer Diederik van Silfhout mit dem charmanten Hengst Arlando v. Paddox, der nicht so losgelassen ging wie an den Vortagen (78,696). Platz zehn ging an die Französin Karen Tebar. Die gebürtige Schwäbin, die nach der Hochzeit mit ihrem Mann Christophe seit 2003 für Frankreich reitet, hat mit dem zehnjährigen Don Luis v. Dimaggio ein tolles Nachwuchspferd. Der Hannoveraner Rappe ist ein Megatalent für die Lektionen der höchsten Versammlung. Piaffen und Passagen waren toll, in den Einerwechseln gab es für das von Jan Nivelle betreute Paar Fehler. Aber Zukunft hat das Paar ganz sicher.

Karen Tebar und Don Luis für Frankreich – ein Paar mit Zukunft. Foto: Ludwiga von Korff

Karen Tebar und Don Luis für Frankreich – ein Paar mit Zukunft. Foto: Ludwiga von Korff

Zwei Reiterinnen hatten heute zurückgezogen. Die Dänin Anna Kasprzak, weil sie nach einem Tritt von einem Pferd starke Schmerzen hatte und die Britin Fiona Bigwood, die „Hautirritationen“ ihrer Stute Atterupgaards Orthilia als Grund angab. Die Plätze elf bis 13 gingen an Patrick van der Meer (NED) Uzzo, 74,375, Morgan Barbançon-Mestre, (ESP) mit Painted Black, 73,375, und Goncalo Carvalho (POR) und Batuta, 72,768 Prozent.

 

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  1. Sascha Schlede

    Lieber Herr Tönjes,
    Ihre Leser schätzen Sie wegen Ihrer kompetenten Berichterstattung. Jedoch den 40.000 Zuschauern in Aachen objektives Urteilsvermögen und gutes Benehmen abzusprechen ist kühn. Wir wissen ja, dass Sie ein großer Fan von Charlotte und Valegro sind, aber die meisten sahen heute eher einen schlappen Valegro, der unter seinen Möglichkeiten blieb und zudem noch dicke Patzer hatte. Die Chefrichtern Frau Wüst war vermutlich auch im schwarz-rot-goldenen Euphorie-Taumel als Sie Valegro da sah, wo er heute wohl hingehört hätte: auf dem Silber-Rang. Und wenn man Charlotte nach ihrem Ritt ins Gedicht schaute, wusste sie es wohl auch selbst.

    • Charlotta

      Sehe ich ganz genau so! Valegro mühte sich durch die ganze Kür, da steckte wohl die Prüfung von Samstag noch in den Knochen. Da war nicht mehr viel Dynamik zu sehen und gerade im direkten Vergleich mit Desperados war der Unterschied extrem deutlich. Desperados sprühte vor Kraft und Energie und fußte immer energisch ab.

  2. Elke Gebhard-Biegel

    Ich habe auch auf der Tribüne in Aachen gesessen und ich kann Herrn Tönjes nur Recht geben. Ich zumindest habe mich für die pfeifende Meute hinter mir geschämt. Es ist unfair und unsportlich nach einem solchen Ritt zu pfeifen. Es hätte heute sicher auch einen anderen Sieger geben können, aber Charlotte hat sich die Noten ja nicht selbst gegeben. Außerdem haben wir in den letzten Tage schlimmere Richterurteile mit teilweise 10 Punkten Unterschied von Richter zu Richter gesehen und ich rede hier nicht von Totilas!
    Über das was da so zusammengerichtet wurde, konnte man sich schon manchmal aufregen, aber pfeifen hilft da wohl auch nicht weiter.

    • Sascha Schlede

      Die Pfiffe galten nicht dem Ritt, sondern den schwer nachvollziehbaren Richterurteilen. Bei der Siegerehrung hat Charlotte Dujardin den tosenden Applaus bekommen, der dem neuen Europameister gebührt, keine Pfiffe! Auch auf Ihrer großen Ehrenrunde ganz allein durch das Rund des Stadions wurden Charlotte und Valegro von 40.000 Zuschauern bejubelt. Vielleicht ist Ihnen und Herrn Tönjes dies entgangen…

    • Rike F.

      Es wurde nicht nach dem Rit gepfiffen (da gab es Applaus!), sondern nach Verkündigung des Urteils, als das Paar bereits ausgeritten war. Bitte dann doch bei den Fakten bleiben, auch wenn man am Ende dazu eine andere Meinung hat.

  3. Elke Gebhard-Biegel

    Na dann hätten Sie sich die Pfiffe besser bis zur Siegerehrung aufgehoben und an der Stelle eingesetzt, an der der Stadionsprecher immer den Richtern gedankt hat. Dann hätten die Dummen unter uns das auch besser verstanden….

    • Rike F.

      Vielleicht ist es Ihnen entgangen, aber exakt an dieser Stelle brach der Trubel erneut los. Die Reiterin selbst bekam enen großen, herzlichen und fairen Applaus. Hier hat das Publikum sehr wohl klar zwischen Reiterin und Urteil unterschieden!

  4. D Graf

    Es gab wohl in der ganzen Prüfung keinen Reiter der so fein anzuschauen war wie Kristina Bröring-Sprehe. Ein fein geführtes Pferd ( von Charlotte Dujardin kann man das leider auch nicht immer behaupten, da wird ganz ordentlich zugefasst) das sich locker , elastisch abfußend durch die Prüfung bewegte. Keine Kandare im rechten Winkel. Solche Reiter taugen zu Vorbildern! Und man hat eigentlich nur einen kurzen Blick auf das unverständlich schauende britische Team werfen müssen bei der Urteilsverkündung. Das sprach Bände…

    • S. Rink

      Diese Ansicht kann ich zu 100% teilen. Sie hätte gestern zu Recht gewinnen müssen. Das war mehr als deutlich. Nur denen, die darüber entscheiden, wohl nicht. Das ist eine Schande


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