FEI will Bedingungen für papierloses Richten in der Dressur anpassen

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(© FEI)

Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) hat ein Dokument auf ihrer Webseite veröffentlicht, in dem die Voraussetzungen für das papierlose Richten in der Dressur neu festgelegt werden. Inzwischen ist auch bekannt, was es mit den geplanten Änderungen auf sich hat.

Während im Springen strenge Vorgaben für die Ergebniserfassung existieren, ist das elektronische Richtverfahren in der Dressur bisher kaum reguliert. Das soll sich in Zukunft ändern: In einem Schreiben formuliert die FEI nun konkrete Bedingungen und technische Anforderungen für das papierlose Richten am Viereckrand. In Zukunft sollen dort demnach nur noch solche Computerprogramme zum Einsatz kommen, die zuvor von der FEI genehmigt worden sind. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Ergebniserfassung noch sicherer zu machen und gegen mögliche Manipulation von außen zu schützen. Das Dokument der FEI kann hier eingesehen werden.

Was soll sich ändern?

So besagt das Dokument unter anderem, dass die entsprechende Software nicht mehr internetbasiert funktioneren darf. Sprich: Die von den Richtern vergebenen Teilnoten sollen nicht mehr über das Internet an einen zentralen Server übermittelt werden, wo sie dann zu einem Endergebnis zusammengerechnet werden. Stattdessen fordert die FEI ein unabhängiges Netzwerk, beispielsweise ein VLAN, welches ausschließlich für das Richtverfahren genutzt werden darf. Solche Netzwerke bieten oft mehr Sicherheit und lassen sich beispielsweise über Kabel herstellen.

Zudem sollen die vergebenen Noten langfristig gespeichert werden, um Ergebnisse auch nachträglich überprüfbar zu machen. Insgesamt soll das papierlose Richten somit noch weniger angreifbar werden. Serverausfälle und wackelige Internertverbindung dürften keinen Anlass zu Unstimmigkeiten geben, begründete ein IT-Spezialist aus der Reitsportbranche diese Änderungswünsche.

Anders als auf der Internetseite dressage-news.com und in einer früheren Version dieses Artikels beschrieben, hat das neue Regelwerk allerdings nicht automatisch ein Ende des Livescorings zur Folge. Zuschauer können auch weiterhin die Zwischenergebnisse und Teilnoten während eines Rittes verfolgen.

In der Dressur wird jedoch zwischen einem „internen“ und einem „externen“ Protokoll unterschieden. Im „internen Protokoll“, quasi der Rohfassung des Protokolls, werden auch nachträgliche Korrekturen und die Richterkommentare erfasst. Diese Informationen sollen zukünftig tatsächlich nur noch über die FEI-Webseite verfügbar gemacht werden –  das externe Protokoll mit den Einzelnoten für die Ritte wird aber auch weiterhin auf den verschiedenen Ergebnisseiten zu finden sein.

Zudem wird jeder Reiter ein Dashboard in seinem FEI-Profil aufrufen können, auf dem er alle seine Protokolle von Starts auf FEI-Turnieren einsehen kann. Die Protokolle sollen spätestens fünf Minuten nach einem Ritt für den Reiter bei der FEI abrufbar sein.

Update vom 30. Januar

Die FEI hat St.GEORG online am 30. Januar ein Statement zu den geplanten Änderungen zukommen lassen. Darin heißt es: „Die in dem im Dezember veröffentlichten Dokument aufgeführten Bedingungen richten sich nicht an die Turnierveranstalter, sondern an alle Anbieter von papierlosem Richten, die dafür genehmigt werden wollen. Wenn ein Anbieter von der FEI zertifiziert ist, kann garantiert werden, dass er die Anforderung bis auf höchstes Niveau erfüllen kann. Dabei geht es um den Datenschutz und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse für die Athleten. Es besteht ein fortlaufender Prozess, um alle Ergebnisanbieter, die mit der FEI zusammenarbeiten, zertifizieren zu lassen – und dieser wird auch Dienstleister einschließen, die papierloses Richten anbieten möchten.“

Wie dieser Standardprozess für IT Anbieter aussieht, kann man seit dem 30. Januar ebenfalls bei der FEI lesen. Auf der Seite wird unter anderem erklärt, wie die Anforderungen an die IT Anbieter für die einzelnen Disziplinen spezifiziert sind und wie man ein „FEI Certified Service Provider“ werden kann. Eine Liste der bisher genehmigten Anbieter kann hier eingesehen werden. Zudem unterscheiden sich die Anforderungen je nach Level der Veranstaltung – für hochrangige Turniere gelten entsprechend anspruchsvollere Vorgaben. Die neuen Anforderungen an das papierlose Richten sind zudem Teil der FEI Dressage Rules 2020.

Umweltfreundlicher und schneller

Mit dem elektronischen Richtverfahren, das seit 2018 auch im Dressur-Weltcup zum Einsatz kommt, hat die FEI einen Schritt in Richtung Zukunft gemacht. Der Verzicht auf Papier schont nicht nur die Umwelt, auch wird weniger Personal auf den Turnieren benötigt. Damit können gleichzeitig die Kosten für Veranstalter gesenkt werden – ein Fakt, an dem sich auch durch die neuen Vorgaben nichts ändern soll. Die Ergebnisse liegen für die Reiter, Richter und das Publikum schneller vor und müssen nicht mehr händisch digitalisiert werden.

Inzwischen nutzen daher viele große Turniere diese Möglichkeit und beziehen auch die Zuschauer über die „Spectator Judging App“ oder Scoreboards mit ein. In der Regel übernimmt bei den großen Turnien ein externer Dienstleister die Ergebniserfassung. Entsprechende Anbieter müssten sich demnach zukünftig auf die Vorgaben der FEI einstellen. Solange noch kein Anbieter für das papierlose Richten in der Dressur von der FEI genehmigt worden ist, dürfen die bisherigen Dienstleister laut Auskunft der FEI aber weiterhin tätig sein wie bisher.

Was bedeutet das für die IT Anbieter?

Bei vielen internationalen Turnieren wird mittlerweile eDressage genutzt, ein papierloses Richtverfahren, das von der Softwarefirma Black Horse One entwickelt worden ist. Geschäftsführer Daniel Göhlen, der auch für das Spectator Judging verantwortlich ist, sieht sich von den Änderungen der FEI direkt betroffen und hat St.GEORG online ein Statement zukommen lassen:

Die FEI informierte mich letzten Freitag persönlich über das veröffentlichte Dokument.
Ich habe daraufhin mein detailliertes Feedback mit dem FEI Dressage Department geteilt, das konstruktiv aufgenommen wurde.

Selbstverständlich empfinde ich es als nötig, dass die höchstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Diese sollten allerdings unbedingt in Relation zur Größe und den Möglichkeiten der Veranstaltung stehen. Zweifelsfrei können und müssen die Olympischen Spiele höhere Sicherheitsvorkehrungen treffen, als ein anderes Turnier – natürlich haben sie aber auch das nötige Budget dazu.

Für andere Turniere kann es aber durchaus ratsam und sinnvoll sein, die großen Vorteile von eDressage auch mit reduziertem Aufwand und Kosten, eventuell sogar ohne lokale Infrastruktur, zu genießen. Aus meiner Erfahrung führt eine ausschließlich lokale Infrastruktur oft sogar zu einer verringerten Verlässlichkeit, da man auf einen “Fallback” verzichtet.

Mit eDressage kann ein Turnierveranstalter den Schreibern einfach Tablets in die Hand drücken – genau wie vorher das Papier. In der einfachsten und oft zuverlässigsten Form kommunizieren diese über SIM Karten, genau wie Smartphones, mit unserem Cloud Server in der geschützten SAP Cloud Platform. Dies geschieht selbstverständlich sicher verschlüsselt und unter einem hohen Sicherheitsstandard und schließt jegliche Einflussnahme von außen aus. Selbst wenn die Verbindung einmal zeitweise unterbrochen sein sollte, was für die Vielzahl der Turniere kein Problem darstellt, sind die Noten und Kommentare sicher auf den Tablets gespeichert und werden bei Wiederherstellung der Verbindung sofort und ebenso sicher übertragen. Die Schreiber werden davon nicht gestört und arbeiten ganz normal weiter – egal ob gerade eine Verbindung besteht, oder nicht.

Auf diese Weise profitiert ein Veranstalter von unmittelbaren Ergebnissen und im Vergleich zu Papier deutlich erhöhter Sicherheit sowie einem geringeren Bedarf an Personen. Zusätzlich stehen ihm bessere Optionen für Sponsoren zur Verfügung, und er kann Fans, Reitern und Richtern einen deutlichen Mehrwert bieten – und er schont außerdem noch ganz nebenbei die Umwelt.

Auf der anderen Seite ist es sehr wichtig, dass Alternativen zu eDressage die gleichen Sicherheitsstandards erfüllen, die eDressage in inzwischen über 1000 Prüfungen etabliert hat, damit die bis hierhin erreichte deutlich verbesserte Präsentation des Sports und das Vertrauen in die Technologie sichergestellt bleibt.

Insofern wünsche ich mir, dass es eine sinnvolle Abstufung der vorgeschriebenen Infrastruktur und Sicherheitsvorkehrungen für internationale Turniere, die nicht Championships oder Games sind, geben wird.“

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