Finale Louisdor-Preis: Bilderbuchsieg für Emilio und Isabell Werth

So soll Dressurreiten aussehen: Mit einem an Durchlässigkeit und Harmonie schwer zu überbietenden Ritt hat Isabell Werth mit dem Westfalen Emilio das Finale im Louisdor-Preis gewonnen. Mit knapp 80 Prozent setzte sich das Paar deutlich von allen anderen Teilnehmern ab. Einzig Cosmo und Sönke Rothenberger kamen noch über 70 Prozent, wobei der bewegungsstarke Achtjährige heute äußerst gespannt war.

Wo fängt man da an? Passage und Piaffe? Gleichmäßig und schwingend, die Übergänge zwischen diesen Lektionen der höchsten Versammlung wie mit einem Metronom im Takt vorgegeben, die starken Tempi mit viel Risiko und deutlicher Rahmenerweiterung gezeigt, Pirouetten, bei denen das Pferd im Hinterbein tatsächlich noch den Galoppsprung zeigt, anstatt auf kleinem Kreis mit beidbeinigem Fußen herumgedreht zu werden. Es gab vieles, das der neunjährige Emilio v. Ehrenpreis so zeigte, wie es nur ganz wenige Pferde im internationalen Sport beherrschen. Und die sind schon deutlich länger unterwegs im Viereck. Der Westfale, der aus dem selben Züchterstall stammt wie Isabell Werths Stute Bella Rose und mit ihr auch eng verwandt ist, ist in seinem ganzen Leben noch keine 20 mal auf dem Turnier im Viereck gewesen, Dressurpferdeprüfungen Klasse A im Jahr 2012 mit einbezogen. Lediglich der Anfang war etwas holperig. Das Halten gelang nur so la la, das Rückwärtsrichten war etwas stockend. Aber dann war die Prüfung einfach nur noch schön. Nach seinen Siegen in den hochdotierten internationalen Grand Prixs in Perl-Borg und Stuttgart hatte der Wallach als Favorit gegolten. Der internationale Dressurrichter Dr. Dietrich Plewa, der die Ritte im Anschluss live in der Halle kurz kommentierte, sprach von dem besten Ritt des Paares, den er bislang gesehen hatte. Isabell Werth lobte Emilio für zwei Dinge, er sei „bis zur Haarspitze“ sensibel und wach in der Prüfung, ohne dabei aber in negative Spannung zu geraten. „Und ich kenne kein Pferd außer Bella, das so in der Piaffe durch den Körper schwingt“. Das sah die Richterin Annette Fransen Iacobaeus auch so, sie gab eine Zehn für eine der Piaffen, anderen Juroren griffen zu Neunen. Lediglich der Amerikaner Gary Rockwell hatte wohl noch nicht von Emilio gehört und kam auf 76,7 Prozent. Unterm Strich kam Werth auf 79,1 Prozent. Schon einmal hatte sie den Sieg in Preis der besten Nachwuchspferde im deutschen Grand Prix-Sport gewonnen, 2010 mit El Santo. Das vielleicht schönste aber an der gesamten Vorstellung: Es sah so aus, als hätte Isabell Werth die gesamte Prüfung auch einhändig reiten können, so fein war die Verbindung zwischen Pferdemaul und Zügelfaust.

Sönke Rothenberger und Cosmo

Sönke Rothenberger und Cosmo. Foto: www.toffi-images.de/von Korff (© www.toffi-images.de/von Korff)

Das galt nicht für den Zweitplatzierten. Nach seinem Sieg in der Einlaufprüfung hatte Sönke Rothenberger heute auf seinem erst achtjährigen Niederländer Cosmo v. Van Gogh buchstäblich alle Hände voll zu tun. Der großrahmige Braune, der in Trab und Galopp in den starken Tempi spektakulär loslegen kann, mochte die Hallenatmosphäre gar nicht. Es sei wohl der Coolness des Springreiters zuzuschreiben, dass die beiden dann doch durch die Prüfung gelangt seien, befand Dietrich Plewa in seinem Kommentar und spielte darauf an, dass der hochaufgeschossene 21-Jährige nach unzählige Erfolgen im Pony-  und Junioren und Junge Reiter-Lager den Frack zwischenzeitlich an den Nagel gehängt hatte und lieber im Parcours unterwegs war. Im Springen hätte es nicht zu einer Platzierung gereicht, in der Dressur ist das anders. Cosmo scheute mehrfach deutlich an der kurzen Seite, es kam zu Taktfehlern im starken Trab und Fehlern in den Serienwechseln. Außerdem klappte der Wallach durchgängig im Hals ab, selten war die Nasenlinie auch nur an der Senkrechten. Was unter diesen Umständen sicherlich zu erklären ist. Allerdings sollten die Richter einmal zusammensitzen und klären, was sie denn wie bewerten. Noten von vier bis 7,5 für ein und dieselbe Lektion – Dressursport einmal mehr ein Buch mit sieben Siegeln. In der Passage kann der Wallach punkten, die Piaffe fällt dazu ab. Da wünschte man sich die Dynamik, die den Wallach ansonsten auszeichnet. Mit 74,32 Prozent wurde das nach seiner Rückkehr aus dem Training bei Anky van Grunsven in den A-Kader berufene Paar Zweiter.

Susan Pape und Fiorano

Susan Pape und Fiorano. Foto: www.toffi-images.de/von Korff (© von Korff)

Alle anderen acht Finalisten kamen nicht mehr über die 70 Prozentmarke. Die Drittplatzierte Susan Pape aus Hemmoor hätte es mit dem Hannoveraner Wallach Fiorano v. Rousseau noch schaffen können. Der hübsche Fuchs, der die meiste Zeit seiner zehn bisherigen Lebensjahre als (Deck-)Hengst verbracht hat und dem die Hormone im Sport deutlich im Weg standen, weswegen er kastriert wurde, hakte beim Angaloppieren. Hätte das geschmeidig funktioniert, dann wäre aus den 69,76 Prozent womöglich noch eine 70er-Runde geworden. Ansonsten zeigte das Paar eine recht gleichmäßige Runde, bei der es eher Kleinigkeiten waren, die Punkte kosteten. Pape hat den Wallach selbst ausgebildet, von Anfang an.

Vierte wurde Dorothee Schneider mit dem Oldenburger Hengst Fackeltanz v. Florencio mit 69,58 Prozent. Auch hier war es ein paar Irritationen, beim ersten Gruß und beim starken Galopp, die die Noten drückten.

Platz fünf sprang für die Schwedin Therese Nielshagen und den ebenfalls gekörten Oldenburger Hengst Dante Weltino v. Danone heraus. Für beide war die Prüfung eine Premiere: Weder der achtjährige Rappe noch seine Reiterin waren jeweils zuvor in einem „echten“ Grand Prix, also der langen Aufgabe, die auch auf Championaten gefordert wird, am Start. Vor der zweiten Piaffe musste der Hengst äppeln und in den Zweierwechseln zeigte er, dass er auch die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung beherrscht: 69,08 Prozent.

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