Nach Formfehler: Verklagen die Niederlande die FEI wegen Dressurpferd Hermès?

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Dinja van Liere mit Hermes, Bronzemedaillengewinner bei der WM 2018 (© von Korff)

Joop van Uytert ist einer der größten Hengsthalter der Niederlande. Und er ist Deutscher – zumindest in der FEI-Eintragung eines Hengstes, der eigentlich hätte zu den Olympischen Spielen reisen sollen. Die Niederlande sind wegen des Falls Hermès in Aufruhr. Es stehen Klagen im Raum, eine Petition sammelt tausende Unterschriften.

+++ UPDATE: 13:30 Uhr: Gerade hat horses.nl eine Meldung veröffentlicht, wonach der internationale Sportgerichtshof CAS nicht in Sachen Hermès und Dinja van Liere einschreiten wird. Heute Nacht um 00.00 Uhr müssen die Olympiateams benannt sein. Diese Frist wird verstreichen, ohne dass der neunjährige Hengst genannt werden könnte. Es seien, nach Angaben des eingeschalteten Anwalts, keine weiteren Begründungen für die Ablehnung genannt worden.
Lesen Sie hier den gesamten Hintergrund:


Hermès ist ein prominenter Hengst in den Niederlanden. Nicht nur, weil er über Vater Easy Game ein Halbbruder zu Jessica von Bredow-Werndls Medaillenhoffnung Dalera ist. Hermès war erfolgreich auf der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde und ist mittlerweile zu einem der besten jungen Grand Prix-Pferde der Niederlande gereift. Unter anderem ging er erfolgreich in Hagen und wurde am Wochenende Zweiter im Grand Prix Special von Rotterdam.

Nachdem etliche niederländische Pferde gelbe Scheine eingereicht hatten, war der neunjährige Hengst mit Reiterin Dinja van Liere quasi schon mit einem Bein in der Transportbox für den Flug nach Tokio als Mannschaftspferd für das Team Oranje.

Wieso ist Hermès‘ Besitzer Joop van Uytert plötzlich Deutscher?

Diese Hoffnung wurde jäh getrübt, als sich herausstellte, dass Hermès, der Niederländer, der bei dem Niederländer van Uytert steht, beim Weltreiterverband als Pferd in deutschem Besitz gelistet ist. Zwar steht van Uytert in der Datenbank, aber bei Nationalität des 53-Jährigen steht „Germany“. Da ein Pferd, das an Olympischen Spielen bis zu einer gewissen Frist, 2021 spätestens im Januar, einen Besitzer haben muss, der aus dem Land stammt, für das das Pferd bei Olympia an den Start gehen soll, bedeutet das: Aus für Dinja van Liere und Hermès.

www.fei.org

Auszug aus dem Datensatz von Hermès beim Weltreiterverband FEI: Die Nationalität des Besitzers van Uytert wird mit „Germany“ angegeben.

Joop van Uytert, bei dem unter anderem der Totilas-Vater Gribaldi gestanden hat, kooperiert schon länger mit deutschen Hengsthaltern, vor allem mit Paul Schockemöhle. Ob dies der Grund ist, warum für Hermès offenkundig eine deutsche Adresse für van Uytert eingetragen ist, steht nicht fest.

Wer hat den Formfehler zu verantworten?

Der niederländische Reitsportverband KNHS, der seine Teams an das Nationale Olympische Komitee der Niederlande meldet, das dann wiederum die Reiter/Pferd-Kombinationen benennt, scheint nicht bemerkt zu haben, dass es bei Hermès‘ Besitzeradresse Unstimmigkeiten geben könnte. Der KNHS sieht aber den Fehler bei der FEI und verlangt nun, dass der Verband einen Start von Dinja van Liere möglich macht.

Fall Dinja van Liere wird zum Medienthema

Der Fall ist in den Niederlanden mittlerweile zum Medienereignis geworden. Wie horses.nl berichtet, war er Thema in großen Tageszeitungen. Auch TV-Stationen haben bereits berichtet.

Mittlerweile gibt es sogar eine Online-Petition, die den Olympiastart der beiden Aufsteiger der Saison im Nachbarland erreichen möchte. Und auch Anwälte haben sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Die Kanzlei von Luc Schelstraete schließt rechtliche Schritte nicht aus, erwägt den Internationalen Sportgerichtshof CAS anzurufen. Schelstraete hatte auch Mathilda Karlsson vertreten, die sich ihren Startplatz für Sri Lanka auf Turnieren in Frankreich erritten hatte, bei denen die Springabteilung der FEI Verstöße gegen Ausschreibungsprinzipien nicht rechtzeitig geahndet hatte.

Zusätzlich überlegen die Anwälte zivilrechtlich zu agieren. Hier führen sie als Argument an: Als Olympia-Hengst würde die Begehrlichkeit nach Hermès und damit sein Wert massiv steigen.

Die niederländische Dressurequipe geht morgen in Quarantäne und wird am 13. Juli mit unter anderem auch den deutschen Dressurpferden von Lüttich aus nach Tokio fliegen. Ob Hermès dann an Bord ist, bleibt abzuwarten.