Frankfurt: Louisdor Preis-Einlaufprüfung für Jessica von Bredow-Werndls Dalera BB

Dalera GrPr

Dalera BB und Jessica v. Bredow-Werndl bei der Louisdor Preis-Qualifikation in Oldenburg. (© Equ i dee)

Da reift etwas ganz Großes heran! So der Eindruck als man heute Jessica von Bredow-Werndls Trakehner Stute Dalera BB in der Einlaufprüfung für den Louisdor Preis beim Frankfurter Festhallenturnier sah.

Auf den letzten Drücker hatte von Bredow-Werndl die zehnjährige Trakehner Stute Dalera v. Easy Game-Handryk für dieses Wochenende qualifiziert. Sie nutzten dafür den Agravis Cup in Oldenburg, der erstmals Gastgeber für einen Louisdor Preis gewesen war. Heute war es so weit. Der große Auftritt.

Die beiden waren drittletztes Paar der Prüfung. In Führung lag bis dahin Ingrid Klimke auf Geraldine nach einer gewohnt harmonischen Prüfung. Weniger harmonisch war der Auftritt von dem rheinischen Carabas-Sohn Carlos und Heiner Schiergen unmittelbar vor der späteren Siegerin. Carlos, der mit seiner Besitzerin Hannah Erbe vielfacher Nachwuchseuropameister ist, gehört zu den Pferden, die die üppige Dekoration in der Festhalle weniger weihnachtlich-festlich als vielmehr erschreckend finden. Nach wiederholter Weigerung des Wallachs, auch nur in die Nähe der Ecke bei F zu kommen, klingelten die Richter das Paar ab. Schiergen, der alte Hase, nutzte die Gelegenheit dennoch, Carlos in aller Ruhe die Halle zu zeigen, trabte leicht und versuchte, dem Pferd Vertrauen zu geben. Am Sonntag im Finale hat er die Chance, es besser zu machen.

Nach Carlos betrat Dalera die Halle. Ein ganz anderes Bild: Die Stute sah sich um und marschierte dann mit einer Selbstverständlichkeit los, als stünden in Aubenhausen auch Weihnachtsmänner am Viereck und als gehörten Weihnachtskugeln zur normalen Inneneinrichtung ihrer Box. Und wie sie losmarschierte – elastischer und mehr bergauf geht nicht! In jeder Sekunde war die Stute vor ihrer Reiterin, die sie mit minimalstem Hilfenaufwand durch die Aufgabe steuerte. Die Stute trabte nicht, sie tanzte. Auch in der Weltspitze ist die Piaffe-Passage-Tour mitunter eine Zitterpartie. Dalera gehört zu denjenigen, die gerade diese Höchstschwierigkeiten zelebrieren können. Egal, ob Piaffe oder Passage, da war ein Tritt wie der andere. Übergänge? Sah man im Grunde gar nicht. Kein Stocken, kein Zögern, einfach eine fließende Bewegung. Und dabei ist Daleras Piaffe mitnichten eine Passage auf der Stelle. Die Stute nimmt absolut reell Last auf. „Manchmal sogar zu viel“, verrät ihre Reiterin. Und das mit einer Leichtigkeit, die andere Grand Prix-Pferde mit 15 noch nicht erreicht haben. Wie sieht das erst aus, wenn die Stute erst noch mehr Kraft aufgebaut hat?

Das Tolle: Hier passen nicht nur Pi und Pa. Auch im Schritt und in der Galopptour offenbart Dalera keine Schwächen. Sicher, mit der Routine werden die Serienwechsel bestimmt noch ausdrucksvoller. Aber es gelang alles. Und das war heute keine Selbstverständlichkeit. Mit den Einerwechseln hatten die meisten Paare ihre Schwierigkeiten. „Ich war besonders stolz, dass die so gut geklappt haben“, verriet Jessica von Bredow-Werndl im Anschluss. „Die Einerwechsel sind die koordinativ anspruchsvollste Aufgabe für die jungen Pferde.“

Wie Dalera sich heute präsentiert hat, das habe auch ihr eine Gänsehaut gemacht. Und da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Heute gab es 77,093 Prozent für die Stute, die vor zweieinhalb Jahren zu von Bredow-Werndl nach Aubenhausen kam und damals noch nicht einmal einen fliegenden Wechsel sprang

Zweimal Klimke

Reitmeisterin Ingrid Klimke hat das Kunststück fertig gebracht, beide Pferde, mit denen sie im vergangenen Jahr im Nünrberger Burg-Pokal Finale vorne dabei war, innerhalb des einen Jahres, nicht nur zur Grand Prix-Reife zu fördern, sondern sich auch noch erneut mit beiden für Frankfurt zu qualifizieren, diesmal eben für den Louisdor Preis. Geraldine musste sich mit 73,372 Prozent am Ende noch dem Trainingskollegen Franziskus geschlagen geben (74,233).

Die neunjährige rheinische Fürst Grandios-Tochter, die heute erstes Pferd gewesen war, glänzte von Beginn an ebenfalls mit ihrem reellen Gerittensein, das sich wie ein roter Faden durch die Aufgabe zog. Geschmeidige Zick-Zack-Traversalen, rhythmische Piaffen und erhabene, nach vorne angelegte Einerwechsel standen auf der Habenseite. Punkte kostete ein Fehler in den Zweierwechseln. Aber das war ein Auftakt nach Maß für die Prüfung.

Und Ingrid Klimke sorgte auch für einen tollen Schlusspunkt. Der ebenfalls neunjährige Hannoveraner Fidertanz-Sohn Franziskus zeigte sich heute von seiner allerbesten Seite. Die Festhalle scheint ihm zu liegen. Von Anfang bis Ende war er mustergültig konzentriert. Highlights waren die Trabverstärkungen, die Traversalverschiebungen, und auch die Passagen. Die Piaffen fielen dagegen etwas ab. Hier verlor der Hengst an Fleiß und Kadenz. Auch hätte man sich insgesamt etwas mehr Zug zur Hand gewünscht. So kam dann wohl auch das Verwerfen in den Fliegenden Wechseln zu zwei Sprüngen zustande, das hier die Gesamtwertung etwas drückte. Trotzdem sahen die Richter Franziskus noch vor Geraldine auf Platz zwei und die Stute dahinter.

Geteilter Platz vier

Auf das viertbeste Ergebnis von 72,535 Prozent kamen gleich zwei Paare: Dorothee Schneider mit dem neunjährigen Hannoveraner Faustus v. Falsterbo und Anja Plönzke im Sattel des von Leif Hamberger ausgebildeten Tannenhof’s Fahrenheit, den sie Mitte des Jahres übernommen hatte.

Faustus glänzte durch die stete weiche Anlehnung, durchgehende Bergauftendenz und seinem aktiven Hinterbein. Bis zur ersten Piaffe. Hier verlor er etwas an Energie. Die zweite Piaffe war deutlich besser und den Richtern sogar Achten wert. Doch im starken Schritt kam der Wallach heute nicht so recht zum Schreiten, was doppelt teuer ist, weil dieser zweifach zählt. Dann kam noch ein Fehler in den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung hinzu, der die Note drückte. Da geht also noch etwas für den Forrest xx-Enkel aus dem Besitz des Gestüts Fohlenhof!

Tannenhof’s Fahrenheit, auch dies ein Fidertanz-Sohn, punktete mit seinen hervorragenden Grundgangarten. Aber die Piaffen scheinen ihm noch einigermaßen große Mühe zu bereiten. Da schlug er wiederholt mit dem Schweif und die Ohren gingen nach hinten. Das trübte das Gesamtbild etwas.

Die weiteren Ritte

Sechster hinter den zwei Viertplatzierten wurde Frederic Wandres, Bereiter im Team von Hof Kasselmann, auf dem Hannoveraner Dimaggio-Sohn Duke of Britain. Auch er hatte einen Fehler in den Einerwechseln, lieferte aber ansonsten eine solide Prüfung ab, wobei er in der Piaffe-Passage-Tour noch mehr zum Loslassen kommen muss (71,930).

Marcus Hermes‘ zehnjähriger Rousseau-Sohn Rovereto ist alles andere als ein „Lampenaustreter“, aber sein Reiter stellte ihn so exakt vor, wie es nur mit einem grundreell gerittenen Pferd möglich ist und ließ so keinen möglichen Punkte auf der Strecke – Platz sieben mit 71,047 Prozent.

Ein absolutes „Off-the-ground-Pferd“ wie die Engländer sagen würden, ist Carola Koppelanns Mecklenburger Sancisco-Sohn Sandiego. Allerdings litt die Vorstellung heute etwas unter Spannungen, was auch der Grund dafür gewesen sein dürfte, dass der Wallach über Teile der Aufgabe zu eng war. Hinzu kommt, dass er im Schritt das rechte Hinterbein höher zieht als das linke, was von den Richtern entsprechend geahndet wurde, Rang acht mit 70,302 Prozent.

Das Thema „zu eng“ hatte heute auch das Paar dahinter, die beiden U25-Mannschaftseuropameister Ninja Rathjens auf dem imposanten Hannoveraner Schimmel Emilio v. Earl. Der statiöse Wallach bringt alles Talent mit, muss sich aber im Genick noch mehr öffnen, 69,209 Prozent.

Ordentlich Arbeit hatte heute die zierliche Rheinländerin Louisa Lüttgen auf der Hannoveraner Diamond Hit-Tochter Diva Noir. Lüttgen musste die Rappstute zwischendurch immer wieder mit der Gerte antippen, um sie in Gang zu halten und bei den Einern quittierte sie einmal völlig den Dienst. 67,558 Prozent lautete das Ergebnis.

Einer, dem die Festhalle auch so gar nicht behagte, war der neunjährige Bayerische Hotline-Sohn Hermes von Uwe Schwanz. Der erfahrene Ausbilder aus dem Münchener Raum musste all seine reiterlichen Fertigkeiten aufbringen, um den Wallach bei der Stange zu halten. Das gelang mal mehr mal weniger gut, 64,256 Prozent und die Chance, es das nächste Mal besser zu machen.

 

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