Frankfurt: Sieg in Louisdor-Preis Einlaufprüfung für Ferdinand BB

030 Frie Jessica Bredow-Werndl – Ferdinan BB

Jessica von Bredow-Werndl und Ferdinand BB gewannen die Einlaufprüfung für das Louisdor-Finale 2019. (© Frieler)

Die weihnachtlich geschmückte Frankfurter Festhalle erfreut die Zuschauer. Und die Reiter wohl auch – zumindest so lange sie nicht auf dem Pferd sitzen. Denn die Nachwuchs-Grand Prix-Pferde heute in der Einlaufprüfung zum Louisdor-Preis hatten doch zu kämpfen mit der Atmosphäre. Das führte unter anderem dazu, dass einer der Mit-Favoriten aufgeben musste.

Der Sieger der heutigen Einlaufprüfung zeigte sich allerdings äußerst gelassen in der Festhalle: der von Bernhard Sieverding gezogene Hannoveraner Ferdinand BB v. Florencio-Lanciano mit 76,488 Prozent unter Jessica von Bredow-Werndl.

Er war schon 2018 für das Finale qualifiziert gewesen, doch seine Ausbilderin hatte beschlossen, ihm noch ein Jahr Zeit zum Reifen zu geben. Wohl eine gute Entscheidung, denn „Ferdl“, wie der große Braune im Stall heißt, gefiel mit großer Losgelassenheit bei sehr sicherer und leichter Anlehnung in guter Selbsthaltung und viel Geschmeidigkeit auf beiden Händen. Kurz: Er bot das Bild eines reell ausgebildeten Pferdes.

Ein Highlight bei dem Wallach ist die schon sehr sichere Piaffe-Passage-Tour. Insbesondere in der Passage fußt Ferdinand ausgesprochen aktiv und vor allem gleichmäßig unter den Schwerpunkt – und zwar ohne Gerte, also so, wie es später auch auf dem internationalen Viereck verlangt wird. Die Piaffen gelangen gut gesetzt, fleißig und im Takt. Hier könnte er noch eine Idee mehr durchschwingen. Sehr sicher dann wieder die Übergänge zwischen Piaffen und Passagen.

Einen kleinen Haker gab es in der Trabverstärkung nach der ersten Piaffe-Passage-Tour, wo der Wallach einmal angaloppierte. Aber die Reiterin hatte ihn sofort wieder bei sich. In der zweiten Piaffe trat Ferdinand sich einmal selbst auf den Fuß, so dass es eine kleine Störung gab. Darauf folgte ein sehr guter starker Schritt – Raumgriff, Dehnungsbereitschaft, Losgelassenheit und Fleiß, da war alles da. Dementsprechend gab es für die doppelt zählende Lektion auch zweimal die 9 von den Richtern.

Die Galopptour gelang fehlerfrei mit sicher durchgesprungenen Einerwechseln, geschmeidigen Traversalen und einer gelungenen Pirouetten, besonders der nach rechts. In fliegenden Wechseln zu zwei Sprüngen hatte man noch ein wenig den Eindruck, dass der Wallach hier viel Kraft braucht. Ein Highlight dann wieder die Schlusslinie, wo Ferdinand die beste Piaffe der Prüfung zeigte. Dass er hier noch etwas nach vorne trat, ist altersangemessen erlaubt.

Platz zwei an Soiree d’Amour

Während Ferdinand sich von Weihnachtsmännern am Vierecksrand und ähnlichen Accessoires ja überhaupt nicht beeindrucken ließ, stand die zweitplatzierte Soiree d’Amour mit ihrer ständigen Reiterin Kira Wulferding zum Teil unter Spannung. Obwohl die elegante Oldenburger San Amour-Latimer-Tochter (Z.: Maren Bergen) das Frankfurter Viereck ja bereits kennt. Schließlich war die zehnjährige ehemalige Bundeschampionesse hier auch schon beim Finale für den Nürnberger Burg-Pokal am Start gewesen.

Wohl durch die Spannung war Soiree d’Amour heute zu Beginn nicht ganz gleichmäßig im ersten starken Trab. In den Traversalen entlang der Mittellinie hatte Kira Wulferding die Stute toll vor sich und jedes Umstellen gelang geschmeidig und ohne Stocken, wobei ihr die Biegung nach links etwas leichter zu fallen scheint als nach rechts. Dann folgten tolle Momente in der ersten Passage. In der Piaffe zeigte Soiree d’Amour sich lebhaft und taktsicher, nickte aber etwas und könnte noch mehr Last aufnehmen. Der Übergang in die Passage war recht sicher, doch beim Abwenden auf die Bande zu, hatte die ehemalige Bundeschampionesse wohl einen Weihnachtswichtel erspäht. Jedenfalls wollte sie erst nicht zur Bande hin, was die Reiterin aber geschickt lösen konnte. Die zweite Piaffe-Passage-Tour gelang noch besser im Gleichmaß als die erste.

Im Schritt hätte man sich mehr Schreiten und auch einen noch sichereren Viertakt gewünscht. Die Galopptour begann mit einer tollen Verstärkung und einer guten Traversale nach links. Doch bei der Einleitung der Pirouette geriet Soiree d’Amour etwas hinter die treibenden Hilfen. Das beeinträchtigte die Lastaufnahme und führte dazu, dass sie beim letzten Sprung vor dem Rausreiten Balanceprobleme bekam und einmal umsprang. Die Serienwechsel gelangen sicher, wobei man sich hier noch mehr Gelassenheit wünschen würde. Man darf gespannt sein, wie die Stute sich am Sonntag bei ihrem zweiten Auftritt in der Festhalle schlägt!

Dritter: Fiderdance

Gestüt Bonhommes Bereiterin Lena Waldmann hat dieses Wochenende in Frankfurt einiges zu tun. Gleich drei Hengste hat sie in der Festhalle im Rennen – Cadeau Noir und Morricone, mit denen sie gestern Dritte und Vierte in der Einlaufprüfung für den Nürnberger Burg-Pokal geworden war, und Fiderdance, den sie im Louisdor-Preis vorstellt und der heute ebenfalls eine weiße Schleife ergattern konnte.

Der zehnjährige Oldenburger Hengst v. Fidertanz-Don Schufro (Z.: Ekkehard Friedrich) hatte sich in München für das Finale in Frankfurt qualifiziert. Auch dieser Dunkelfuchs bildet ein sehr harmonisches Paar mit seiner Reiterin. Eine sehr schöne Anlehnung mit sicherer Selbsthaltung und große Geschmeidigkeit zeichnen den Hengst aus – wobei er mitunter vielleicht sogar etwas zu hoch kam im Genick. In der Passage fehlt noch etwas das Schwingen und auch in der Piaffe muss er wohl noch an Kraft gewinnen, um auch hier (los-)gelassener zu werden. In der Galopptour stachen besonders die Serienwechsel zu zwei Sprüngen heraus – bergauf, gerade und mutig nach vorne durchgesprungen von Anfang bis Ende der Diagonale. Die Einer waren fehlerfrei, aber hier schien der Hengst sich noch etwas zu verhalten. Von den beiden Pirouetten war die zweite die bessere. Alles in allem gab es heute 73,395 Prozent.

Die weiteren Platzierten

Ingrid Klimkes Bluetooth schien sich heute auch noch nicht so recht wohl zu fühlen auf dem Frankfurter Viereck, wirkte noch recht angespannt. Das machte sich am offensichtlichsten in den Lektionen hoher Versammlung durch beständiges Schweifpinseln sowohl in der Piaffe als auch in der Passage bemerkbar. Doch wenn der hochbeinige Dunkelbraune erst einmal zur gewünschten inneren und äußeren Losgelassenheit findet, können gerade diese Lektionen richtig gut werden. Takt, Lastaufnahme und Fleiß sind da, es fehlt nur noch die gewünschte Erhabenheit, die sicherlich kommt, wenn er Kraft gewinnt und auch hier zu schwingen beginnt. Insgesamt schien der neunjährige Oldenburger Bordeaux-Sohn sich heute ein wenig im Rücken festzuhalten, denn auch im Galopp kam das Hinterbein nicht so zum Durchschwingen, wie man sich das gewünscht hätte. In Summe gaben die Richter ihm 72,279 Prozent, heute Rang vier.

Das erste Paar der Prüfung belegte am Ende Rang fünf mit 72,023 Prozent: Emma Kanerva und der mächtige Holsteiner Aperol v. Ampere-Aljano, der noch im Besitz seiner Züchterin Heidi Blohm steht. Trab und Galopp sind von außergewöhnlicher Qualität bei dem Wallach. Die Serienwechsel gehörten zu den besten des Tages.

Sechster wurde mit 71,744 Prozent der elegante Westfale Dior v. Desperados-Winterwald (Z.: Ramona Schnippe) unter David Leßnig. Der Braune besticht vor allem in der Trab- und Galopparbeit. Die Passagen sind noch etwas frei, in den Piaffen muss er noch mehr Last aufnehmen. Dafür zeigten die beiden vielleicht die schönste Galopptour des Tages. Für die Serienwechsel und die zweite Pirouette hätte man auch mehr geben können als die Achten, die es von den Richtern gab. Ein Manko des insgesamt sehr gelungenen Rittes war allerdings der Schritt. Hier vermisste man das großzügige Schreiten durch den Körper und bei der Rückführung in die Versammlung war der Takt auch nicht mehr ganz sicher gegeben.

Dorothee Schneider und die Quaterbacks

Dorothee Schneider hatte ja in Oldenburg gleich zwei Pferde auf einmal für Frankfurt qualifiziert, den Hannoveraner Hengst Quantum Vis MW und den Oldenburger Hengst Mister-C, beides Söhne des Quantensprung. Und beides Pferde, die heute sehr „an“ waren. Quantum Vis wurde am Ende Siebter mit 70,767 Prozent. Hier hatte Dorothee Schneider ihr ganzes reitmeisterliches Können aufbringen müssen, um dem Hengst die nötige Ruhe für die Prüfung zu geben. Er stand unter Hochspannung, als er in die Halle kam. Schneider ließ ihn erst einmal gucken und trabte zwischendurch leicht, um die Losgelassenheit wieder herzustellen. Das gelang. Der Auftakt war super – tolle Trabverstärkung, tolle Traversalen. In der ersten Passage fußte Quantum Vis dann jedoch nicht gleichmäßig durch und unter, dadurch gab es ein Stocken bei Übergang in die erste Piaffe. Die zweite Linie war besser. Es folgte eine tolle Schritttour. In der Galopptour gab es dann in den Zweierwechseln deutliche Spannungen, der Hengst verkrampfte sich. Dennoch war Pirouette nach rechts ein Highlight. Auch in den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung stand der Hengst unter Strom, brachte die Diagonale aber zu Ende. Es folgte eine Schlusslinie mit sehr schöner letzter Piaffe, aber in der Passage fußte er hinten links nicht so weit unter wie hinten rechts. Fazit: Da geht sicherlich noch etwas!

Schneiders zweites Pferd, Mister-C, hatte heute nicht seinen besten Tag, ging zum Teil ungleich in der Trabtour, schlug mitunter nach dem Sporen und wirkte insgesamt nicht wirklich zufrieden, Platz zehn mit 69,860 Prozent.

Zwischen die beiden Schneider-Pferde hatten sich noch der Nachrücker Don Darling, Oldenburger v. Dr. Doolittle, unter Anna-Catharine Schöffner (70,233) und Science Fiction, Oldenburger v. San Amour mit Pia Wischerath (70,023), geschoben. Platz elf belegte der Rheinländer Rebroff v. Robespierrot unter Insa Hansen (69,023).

Favorit im Pech

Schon nach den Qualifikationsergebnissen zählte der neunjährige Oldenburger L’Arbuste v. Skovens Rafael mit Senta Kirchhoff zu den Favoriten des diesjährigen Louisdor-Preis Finales. Doch L’Arbuste war sehr beeindruckt von der Atmosphäre! In den Traversalverschiebungen zu Anfang machte er einmal kehrt. Immer wieder kam Spannung auf und der elegante Wallach äugte misstrauisch in jede einzelne Ecke. Besonders die bei H fand er unheimlich. Hier legte er auch im versammelten Schritt noch einmal den Rückwärtsgang ein. Als sich das auch im Galopp fortsetzte, gab die Reiterin schließlich auf. Sie trabte den Wallach noch ein wenig leicht, um ihm Vertrauen zu geben. Der Tag, an dem es darauf ankommt, ist ja erst der Sonntag! Da heißt es dann neues Spiel, neues Glück für L’Arbuste und Senta Kirchhoff.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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