Grand Prix – DAS muss man zu der Dressuraufgabe wissen

Grand Prix-Piaffe

Dressuraufgabe Grand Prix (© Pauline von Hardenberg)

Der Grand Prix ist stets die erste Dressuraufgabe, die auf Turnieren in der sogenannten „Großen Tour“ geritten wird. Wer in Fachgesprächen glänzen möchte, sollte diese Fakten aus dem Ärmel schütteln können. „Bullshit Bingo“ für den gepflegten Dressur-Smalltalk.

Geritten wird die Dressuraufgabe Grand Prix auf einem Viereck mit den Maßen 20 mal 60 Meter. In gut sechs Minuten werden dabei 33 Lektionen gefordert. Auf die Grundgangarten entfallen dabei:

  • 7 im Trab (im versammelten und starkem Tempo, in Traversalen)
  • 2 im Schritt (im versammelten und starkem Tempo)
  • 9 im Galopp (im versammelten und starkem Tempo, dazu in den Zickzack-Traversalen, in Pirouetten)

Außerdem sind

  • 6 Passagen
  • 3 Piaffen sowie
  • 4 Übergänge zwischen Passage, Piaffe und Passage, bzw. das Anpassagieren aus dem Schritt gefordert.

Schließlich gibt es noch folgende Lektionen:

  • Halten, fünf Tritte Rückwärtsrichten und daraus antraben
  • Schlussgruß (der Gruß zum Auftakt wird gemeinsam mit dem Hereinkommen im versammelten Trab und dem Antraben bis C beurteilt)
  • Eine weitere Note kommt hinzu, in der der der Gesamteindruck bewertet wird. Harmonie mit dem Pferd sowie Sitz und diskrete aber effektive Hilfengebung sollen hier beurteilt werden.

„Das zählt doch doppelt im Grand Prix …“

11 Lektionen und der Gesamteindruck fließen mit dem Faktor zwei multipliziert in das Protokoll ein, und zwar

  • 2 Trabtraversalen nach links und rechts
  • 3 Piaffen
  • starker Schritt
  • versammelter Schritt
  • die 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung
  • 2 ganze Galopppirouetten
  • Zickzack-Traversalen zu 3,6,6,6 und 3 Sprüngen

Der perfekte Grand Prix

  • Die maximal zu erreichende Punktzahl je Richter sind 460. Entsprechend ist es bei fünf Richtern theoretisch möglich, 2300 Punkte zu erzielen.
  • Bei Championaten, also Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, sitzen sieben Richterinnen oder Richter rund um das Viereck. Hier wären es sogar 3220 Punkte, erhielte die Reiter/Pferd-Kombination in jeder Lektion die Note 10,0 – also „exzellent“.
  • Die Richter können in internationalen Prüfungen halbe Noten (also zwischen „ziemlich gut, 7,0“ und „gut, 8,0“ beispielsweise eine 7,5) vergeben.
  • Verreitet sich der Reiter, werden zwei Prozent von der Gesamtnote abgezogen. Ein zweites Verreiten führt zum Ausschluss.

Die magischen 80 Prozent

Eine Beurteilung über 80 Prozent im Grand Prix gilt als Weltklasseleistung. Es ist aber verpönt von einem „Weltrekord“ zu sprechen.

Ein Notendurchschnitt von 80 Prozent sind in der Dressuraufgabe Grand Prix 368 Punkte pro Richter.

Und was bedeutet das alles?

  • Der starke Trab – dreimal gefordert (damit macht er 6,5 Prozent der Endnote aus) – wird nie allein bewertet, die Reprisen im versammelten Trab vorher und nachher fließen in die Note mit ein.
  • Die Noten für die Übergänge zwischen Passagen und Piaffen werden zusammengefasst in einem Wert. Sprich, wie das Pferd aus der Passage „in die Piaffe hinein“ (Kriterien u. a. Takt, konstante Anlehnung …) und „aus der Passage heraus“ gekommen ist, findet sich in einem Notenwert wieder.
  • Die 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung, die „Einerwechsel“, zählen nur im Grand Prix doppelt. Im Grand Prix Special sind insgesamt 24 Einerwechsel gefordert. Sie gehen aber jeweils unmultipliziert in die Beurteilung ein.

Der offizielle Notenbogen des Weltreiterverbandes FEI findet sich hier.