Horses & Dreams in Hagen: Dalera weiter in Hochform

pvh-180912-WEG Tryon-Dressur-0167

Jessica von Bredow-Werndl und Dalera BB, hier bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon. (© Pauline von Hardenberg)

Im Vier-Sterne-Grand Prix von Hagen, der Qualifikation für den Special, behauptete Jessica von Bredow-Werndl einmal mehr ihre derzeitige herausragende Stellung. Keiner ihrer 26 Konkurrenten kam an ihr vorbei.

Mit einem neuen persönlichen Grand Prix-Bestergebnis gewann Jessica von Bredow-Werndl auf der 14-jährigen Trakehner Stute Dalera v. Easy Game mit 81,652 Prozent die Qualifikation zum morgigen Grand Prix Special beim CDI4* in Hagen. Die Vorstellung war von großer Leichtigkeit geprägt, alle schwierigen Lektionen gelangen fehlerfrei, Höhepunkte waren die nahezu perfekten Piaffen und sauberen Übergänge, durchgängig der Ritt mit schöner Silhouette in großem Rahmen. In dieser Form ist das Paar die derzeitige Nummer eins fürs deutsche Championatsteam.

Wie erwartet kam es zum Duell mit der dreifachen Olympiasiegerin Charlotte Dujardin, die auf der 13-jährigen Hannoveraner Fidermark-Tochter Freestyle mit 81,457 Prozent knapp dahinter blieb. Auch sie bot eine schwungvolle Vorstellung ohne Patzer, die ersten beiden Piaffen noch etwas zäh, aber die letzte auf der Mittellinie schön auf der Stelle und im Takt – eine deutliche Verbesserung zu früheren Jahren. Selten war das Genick der höchste Punkt, was wohl auch dem etwas gedrungenen Hals der Stute geschuldet ist. Punkte brachten die beiden Galopppirouetten, die Rechtspirouette nahe der Perfektion.

Der dritte Platz ging mit deutlichem Abstand (78,631 Prozent) an Isabell Werth auf dem zwölfjährigen Quaterback-Sohn Quantaz (DSP). Die Multi-Olympionikin stellte den Braunen im Besitz der Österreicherin Victoria Max-Theurer mit gebremsten Schaum vor, vielleicht auch im Hinblick auf den morgigen Grand Prix Special. Jedenfalls sollte in den Trab- und Galopp-Verstärkungen noch Luft nach oben sein. Der Schritt ist äußerst knapp, die Wechsel gelangen fehlerfrei. Die Piaffen im Takt, auf der Stelle und fleißig, aber nicht so gesetzt, wie man es sich wünscht.

Die weiteren Platzierten

Als letzter Starter schob sich Benjamin Werndl mit 76,652 Prozent auf Platz vier. Daily Mirror v. Damon Hill ist gut über den Winter gekommen, aber das steht ihm: Frisch und knackig für seine 17 Jahre sammelte er Punkte in den Verstärkungen, in einer kraftvollen Passage-Tour und weiter verbesserten Piaffen.

Mit dem eleganten zwölfjährigen Rappen Abegglen v. Ampere setzte sich die Österreicherin Victoria Max-Theurer mit 75,804 Prozent auf Platz fünf, knapp vor die Dänin Carina Cassøe Krüth auf der elfjährigen Fürstenball-Tochter Danciera (75,456). Die edle Rappstute tanzte leichtfüßig durch die Aufgabe, immer mit schönem Seitenbild. Der Schritt war einer der besten des Tages, raumgreifend, taktmäßig und fleißig, die Piaffen gelangen taktmäßig auf der Stelle, die Galoppwechsel ohne Fehler. Mit etwas mehr Dynamik wäre ein besserer als der sechste Platz drin gewesen.

Die Britin Charlotte Fry, die lange in Führung lag, wurde am Ende mit 74,456 Prozent Siebte. Sie präsentierte mit dem zehnjährigen Glamourdale v. Lord Leatherdale-Negro ein Pferd, das schon eine beeindruckende Karriere hingelegt hat, unter anderem wurde das Paar 2018 Weltmeister der siebenjährigen Dressurpferde. Das heute war seine internationale Grand Prix-Premiere. Der massive Rappe überzeugte durch eine insgesamt schwungvolle Vorstellung. Einige Lektionen, wie die Traversalen im Trab und Galopp, wurden allerdings sehr frei geritten.

Routiniert, aber etwas verhalten stellte der Brite Carl Hester den 13-jährigen Jazz-Sohn En Vogue vor, er gehört seiner Schülerin Charlotte Dujardin. Es begann mit einer perfekten Grußaufstellung, wie man sie selten sieht. Auch die übrigen schweren Lektionen gelangen sicher. An seinem Pferd sei die mühevolle Reise nicht spurlos vorüber gegangen, berichtete Hester. Seit dem Brexit verlängere sich die Fahrt von Großbritannien nach Deutschland um mehrere Stunden mit langen Wartezeiten an den Grenzen. Mit 74,304 Prozent kam er auf Platz acht.

Zwei deutsche Reiter aus dem erweiterten Kader nutzten Hagen für einen guten Auftritt vor den Augen von Bundestrainerin Monica Theodorescu. Die Vorstellung von Helen Langehanenberg auf der 13-jährigen Annabelle v. Conteur (Holst) war besser als es Platz zehn (73,957) vermuten lässt. Die Stute hat sich weiter gut entwickelt, blieb während des ganzen Rittes konzentriert und absolvierte alle schweren Lektionen ohne Probleme. Bis auf die letzte Linie, als die Sache ins Stocken geriet, die Stute aus der Passage nicht in die Piaffe reinkam und wohl dachte, ihre Aufgabe sei erledigt. Das war sie nicht, die Reiterin bekam sie nochmal in Gang, aber Punkte kostete das allemal.

Dicht dahinter auf Platz elf mit 73,913 konnte sich Hubertus Schmidt mit Escolar setzen. Der 13-jährigen westfälischen Hengst war fabelhaft im Lack, frisch und sprühend, mit einem imponierenden Seitenbild. Kraftvoll nach vorne gesprungenen Galoppwechseln stand ein mäßiger Schritt gegenüber, vor allem aber die mühsamen Piaffen, in denen das Pferd nach wie vor am Boden klebt, eine Schwäche, die immer wieder einem besseren Platz im Weg steht.

MERs stehen noch aus

Für viele Pferde war das Turnier Horses & Dreams in Hagen das erste nach langer Corona-Pause und eine der wenigen Gelegenheiten, sich rechtzeitig die Grundqualifikation für die Olympischen Spiele (MER) zu sichern. Außer Dalera hat noch keines der drei EM-Pferde von 2019, Bella Rose von Isabell Werth, Cosmo von Sönke Rothenberger und Showtime von Dorothee Schneider, die MER in der Tasche, ohne die ein Paar nicht für die Tokio nominiert werden kann. Dorothee Schneider ist durch ihren Schlüsselbeinbruch (SG-online berichtete) zusätzlich gehandicapt. Das Rennen um die Tokio-Tickets hat also gerade erst begonnen.

Springen

Im Springparcours von Hagen ging es heute unter anderem um die Qualifikation für den Großen Preis, der zugleich erste Station der Riders Tour ist. Hier siegte Marco Kutscher auf seinem Westfalen-Hengst Charco mit fehlerfreien 39,56 Sekunden im Parcours.

Das Nachsehen hatten Felix Haßmann und Chaccinus, die mit 39,78 Sekunden nur wenig langsamer unterwegs waren. Trost für Haßmann: Dafür siegte er mit seinem 16-jährigen brasilianischen Schimmel Brazonado in der Mittleren Tour.

In der Großen Tour ging der dritte Platz an den Dänen Sören Pedersen auf Chico Z, gefolgt von dem im Stall Beerbaum stationierten Iren Eoin McMahon mit der Holsteiner Stute Chakra und Janne Friederike Meyer-Zimmermann auf ihrer Zukunftshoffnung Chesmu KJ, dem weißen Vollbruder zum Olympiahengst Cornetto von Alexandra Thornton.

Alle Ergebnisse aus Hagen finden Sie hier.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.