Kronberg: Matchball nach Frankfurt, Special an Faustus, Burg-Pokal für Deep Purple

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Déjà-vu: Matchball und Steffi Wolf sicherten sich nach der Einlaufprüfung auch die eigentliche Qualifikation für den Louisdor-Preis und sind nun in Frankfurt dabei. Und das voll verdient! (© Lafrentz)

Der Finaltag beim CDI4* in Kronberg mit neuen Qualifikanten für Frankfurt und einem Faustus, der sich erneut von seiner besten Seite gezeigt hat.

Den Anfang machten heute in Kronberg die Kandidaten für den Louisdor-Preis. Gestern stand die Intermédiaire II auf dem Prorgamm, heute der Kurz-Grand Prix. Aber der Sieger war derselbe: der zehnjährige Oldenburger Millennium-Sohn Matchball aus der Zucht von Helga Lütje und mir seiner langjährigen Ausbilderin Stefanie Wolf im Sattel. Es gelang den beiden sogar, ihre Leistung von gestern noch ein Stück zu steigern.

Die Verstärkungen waren gestern noch ein bisschen eilig. Heute war schon der erste starke Trab ein Statement. Hatte Matchball gestern noch etwas Mühe, den Takt in den Piaffen ohne Anlehnung an die Bande zu finden, gelang das heute problemlos, wenn auch noch im Vorwärts und im Übergang in die Passage mit einem großen Zwischentritt. Die Passagen und die Trabtour waren kadenziert, federnd, mit viel Abdruck und sehr akzentuiert, dennoch klar voneinander abgegrenzt.

Der Schritt des Rappen ist taktrein und großzügig im Raumgriff. Dabei dehnt er sich vertrauensvoll an die Hand.

Der fliegende Galoppwechsel im Mittelgalopp misslang, aber das war auch der einzige wirkliche Fehler, den das Paar sich heute erlaubte. Die erste Pirouette nach links – gesetzt und ausbalanciert mit gutem Durchsprung, noch nicht auf allerkleinstem Kreis, aber den Richtern allemal eine Acht wert. Ausdrucksvoller starker Galopp mit sicherer Rückführung und gutem Wechsel. Die zweite Pirouette war noch besser. Die Serienwechsel müssen noch gerader werden, gelangen aber.

Auf der letzten Mittellinie dann noch mal eine ausdrucksvolle Passage, allerdings noch recht schwankend und die Piaffe hinten breit werdend. Aber das ist sicher auch eine Kraftsache. Ergebnis: 76,744 Prozent, der klare Sieg und das voll verdient.

Alles in allem war das eine ganz tolle Runde eines Pferdes mit gespitzten Ohren, leichter, vertrauensvoller Anlehnung und dazu noch großem Talent, dass er ja bereits fünf-, sechs- und siebenjährig bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde unter Beweis gestellt hat. Damals allerdings noch nicht so von den Richtern gewürdigt, wie heute.

Kommentar Dr. Dietrich Plewa: „Wer da nicht begeistert ist, der ist entweder neidisch, oder er hat keine Ahnung. Denn das ist so überzeugend, der Platz im Perspektivkader ist reserviert und der Championatskader in Reichweite. Ganz, ganz tolles Pferd!“ Oder wie Steffi Wolf nachvollziehbarerweise zusammenfasste: „Für mich das beste Pferd auf Erden!“

Qualifikant Nummer zwei für Frankfurt, denn im Louisdor-Preis gibt es ja Tickets für den Erst- und den Zweitplatzierten, ist der ebenfalls zehnjährige Hannoveraner Qattani v. Quaterhall-Lanthan aus der Zucht der ZG Dankers und vorgestellt von dem Österreicher Christian Reisch für Besitzerin Alina Shaikh. Die beiden kamen auf 72,234 Prozent nach einer nicht ganz spannungsfreien Runde.

Dritter wurde ein weiterer Quaterhall-Sohn, nämlich Queolito, den Nina Kudernak auf dem Schafhof präsentierte. Er kam auf 71,638 Prozent.

Grand Prix Special

Als letztes Paar der Prüfung betraten die Grand Prix-Sieger, Dorothee Schneider und Faustus, das Special-Viereck. Für die Reitmeisterin geht es auch noch um ein WM-Ticket mit ihrem 14-jährigen Hannoveraner Wallach v. Falsterbo, der die Championatskandidatenrolle vom Stallkollegen Showtime übernommen hat, nachdem der in Aachen zurückgezogen wurde. Man darf wohl sagen: Die beiden sind Herning ein Stück näher gekommen. Faustus war gut drauf, sicher vor den Hilfen seiner Reiterin, mit energischer Trabtour. Einzig auf der linken Hand war Faustus schon in der Passage hinten links etwas aktiver als rechts und machte dann auch in der Verstärkung an der langen Seite einen Taktfehler. An der kurzen Seite bei A galoppierte „Fausti“ einmal kurz an, das konnte Schneider aber sofort korrigieren. Den Schritt wünschte man sich sicherlich noch raumgreifender und durch den Körper schreitender, aber er ein „ziemlich gut“, sprich 7, ist dafür immer drin. Die erste Piaffe dann auf der Stelle und mit Lastaufnahme, hätte aber energischer sein dürfen, die zweite Ebenso. Dann die Galopptour, Faustus‘ große Stärke. Wunderbar energisch nach vorne und gerade durchgesprungene Zweierwechsel. In den Einern ebenso, beide fehlerlos. Starken Galopp kann der Wallach sowieso wie kein Zweiter. In beiden Pirouetten verlor der Wallach gegen Ende etwas an Fleiß, aber das konnte Schneider auffangen. Zum Schluss gelang ihnen auf der Mittellinie die beste Piaffe der Prüfung. Die Passagen nicht mehr ganz so energisch wie zu Anfang, aber alles in allem eine sehr harmonische Runde, die mit 75,553 Prozent belohnt wurde.

Platz zwei sicherten sich Carina Scholz und Tarantino mit 73,426 Prozent, gefolgt von Isabell Werth auf Budhi mit 73,234 Prozent. Letztere waren ja auf dem Schafhof zum ersten Mal gemeinsam unterwegs. Der Bordeaux-Sohn war ursprünglich von Nicole Wego-Engelmeyer für den Stall Kasselmann bis Grand Prix gefördert worden, wurde dann an die Junge Reiterin Luca Sophia Collin verkauft, die inzwischen Kasselmann als Trainingsdomizil gegen den Stall Werth eingetauscht hat.

Nürnberger Burg-Pokal

Der Jüngste des ganzen Aufgebots sicherte sich den Sieg in der Qualifikation für den Nürnberger Burg-Pokal: der siebenjährige Oldenburger Deep Purple v. De Niro, geboren auf dem Schafhof und ausgebildet von seiner heutigen Reiterin, der Schweizerin Jasmine Sanche-Burger. Die hat einen guten Ruf als Ausbilderin. Als der in Deutschland wohlbekannte KWPN-Hengst Unee BB Dritter im Burg-Pokal Finale wurde, saß sie in seinem Sattel. Ihr Deep Purple ist ein typischer De Niro – schwarz, auf den ersten Blick kein Angeber, aber ein Pferd, das sich wunderbar versammeln lässt und eine offensichtliche Leistungsbereitschaft mitbringt, die ihn dann doch zum absoluten Hingucker macht. 74,024 Prozent gaben die Richter den beiden, da kam heute kein anderes Paar heran.

Platz zwei war ein großer Erfolg für die Bayerin Yara Reichert, die ja kräftig bei Helgstrand Dressage geshoppt hat und mit einem ihrer prominenten Einkäufe nun nur knapp an der Burg-Pokal Qualifikation vorbeigeschrammt ist – mit dem achtjährigen Westfalen-Hengst Valverde v. Vitalis. Für den ehemaligen Bundeschampion (damals noch unter Eva Möller) wurden es heute 72,585 Prozent.

Platz drei ging an Lukas Fischer und die neunjährige Rheinländer Stute Querida Mia, eine Tochter des einst selbst bei Bundeschampionat und Dressurpferde-WM erfolgreichen Quotenkönig, der nun U21-Pferd ist. Seine Tochter aus der Zucht von Tobias Schult wurde heute mit 71,634 Prozent bedacht.

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