München: Frauenpower in den Spitzenprüfungen

Werth

Fit, fromm und fröhlich zeigte sich Johnny heute in der CDI5* Kür unter Isabell Werth. (© Schreiner)

Heute war nicht nur Muttertag, bei der Pferd International in München-Riem war auch Frauentag. Denn die Damen führten in sämtlichen Prüfungen das Feld an. Unter den Siegerinnen waren u.a.. Isabell Werth und Annabel Frenzen.

Isabell Werth war am letzten Turniertag in München auch in der Kür nicht zu schlagen. Nach dem Sieg im Grand Prix entschied sie nun die CDI5*-Kür für sich und hatte, wie schon im letzten Jahr, mit ihrem Hannoveraner Don Johnson, aktuell Platz sechs der Weltrangliste, die Nase vorn. 83,300 Prozent wurden es in Summe aus A- und B-Note. Die künstlerische Gestaltung honorierte Chef-Jurorin Katrina Wüst sogar mit 89 Prozent. Vor dem Beginn der Prüfung war der Don Frederico-Sohn noch aufgeregt ums Viereck gesteppt. „Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn er sich so präsentiert und eigentlich keiner glauben kann, wie er dann drinnen abliefert“, kommentierte Werth sein ungestümes Verhalten. Und wie er drinnen ablieferte: Er steigerte sich im Verlauf der Prüfung zusehends und schien es erst richtig zu genießen, als die Schwierigkeiten aufeinander folgten. Mit enormer Rahmenerweiterung begeisterte er im starken Galopp,  ließ sich daraus durchlässig und fein für die Galopp-Pirouette aufnehmen, die höchste Form der Versammlung. Begeisterte Ausrufe erntete Werth auch für den kurzen Einspieler der Bohemian Rhapsody von Queen, wenn Freddie Mercury die Zeilen an „Mama“ singt, schließlich war dieser Sonntag der Ehrentag aller Mütter.

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Knapp geschlagen, aber trotzdem zufrieden: Dorothee Schneider mit ihrem Youngster Sammy Davis Jr. (© Schreiner)

Platz zwei ging, ebenfalls wie im vergangenen Jahr, an Dorothee Schneider und den bayerischen Hengst Sammy Davis jr. (81,600 Prozent). Mit dem San Remo-Sohn zeigte sie gleich zu Beginn eine anspruchsvolle Abfolge aus Passage und Piaffe und Trabtraversalen in der Passage und dem versammelten Trab. Dabei blieb die Anlehnung des langbeinigen Rapphengstes stets vorbildlich, während er wie ein Uhrwerk piaffierte. Für Schneider ist es immer wieder ein besonderer Moment, in München zu reiten. Schließlich hat der Hengst seine Wurzeln in Bayern, wo er von Cornelia Herbert ausgebildet wurde. Ein mögliches Applausometer hätte das bewiesen, denn Schneider und Sammy Davis jr. hatten rein akustisch auf jeden Fall die Nase vorn.

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Sorgte für die Männerquote auf dem Podium: Benjamin Werndl. (© Schreiner)

Ein ebenso großer Fanclub war für den Aubenhausener Benjamin Werndl angereist. Er sicherte sich mit einer ansprechenden Kür im Sattel von Daily mirror Platz drei (77,250 Prozent). Sein Programm war mit etlichen Schwierigkeiten versehen, so startete er nach der Grußaufstellung direkt in die Galopp-Pirouette und daraus in die fliegenden Galopp-Wechsel zu zwei Sprüngen auf der Mittellinie. Diese und auch die Wechsel von Sprung zu Sprung waren perfekt auf den Takt der Musik abgestimmt, wofür er in der B-Note bis zu 83 Prozent erhielt. Auch hier konnte man erkennen, wie sich der Damon Hill-Sohn im Verlauf der Prüfung zunehmend steigerte.

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Nürnberger Burg-Pokal

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Ticket für Frankfurt gelöst mit SilberStern. (© Schreiner)

Das Ticket für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals löste am Sonntagvormittag Annabel Frenzen mit SilberStern (72,756 Prozent). Mit dem von ihrem Vater gezogenen Rheinländer hatte sie am Vortag bereits die Einlaufprüfung gewonnen. Sie war als Zweite gestartet und legte die Messlatte gleich ganz hoch. Viel Ausdruck und Rahmenerweiterung im starken Trab, für den die Richter gleich viermal die Note acht zückten. Ebenso für die fliegenden Wechsel, die der siebenjährige Silbermond-Nachkomme souverän und in schöner Bergauf-Tendenz zeigte. Die Richter waren sich teilweise jedoch etwas uneinig, Christof Umbach (Richter bei H) sah den Schwarzbaunen sogar nur auf Rang vier. Für seine Reiterin geht nichtsdestotrotz ein Traum in Erfüllung. „SilberStern ging seine erste Kandaren-Prüfung, ich bin sehr stolz, wie er mir vertraut und sich auf die Prüfung konzentriert hat, obwohl er so aufgeregt war“, freute sich Frenzen. Weiteres Ziel neben dem Burg-Pokal Finale ist die WM der Jungen Dressurpferde.

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Und mit ihrem Zweitpferd auch noch den Doppelsieg perfekt gemacht. (© Schreiner)

Mit ihrem zweiten Pferd, dem achtjährigen Kiefferhof’s Imperius, kam Annabel Frenzen mit 72,268 Prozent knapp an ihre Siegesleistung: Platz zwei. Der Rheinländer v. Imperio konnte sich zum Vortag noch einmal deutlich steigern, begeisterte vor allem mit seinem überragenden Schritt, für den er von den Richtern durchgehend die Note acht erhielt. Jetzt möchte Annabel Frenzen ihn auch bei weiteren Qualifikations-Stationen vorstellen, um mit ihm vielleicht ebenfalls die Eintrittskarte für das Finale in Frankfurt zu bekommen.

Auf Platz drei ritt Uwe Schwanz mit dem siebenjährigen Rockson, den er seit etwa zwei Jahren unterm Sattel hat (71,634 Prozent). Während der Rockefeller-Sohn bei der Einlaufprüfung noch deutliche Unsicherheiten zeigte und mit nur 67,244 Prozent auf Platz acht kam, wuchs er heute über sich hinaus. Sowohl der starke Trab als auch die harmonischen Übergänge waren den Richtern die Note neun wert. Lediglich im Schritt könnte der Wallach noch etwas mehr loslassen. „Am Samstag hatte ich noch ein paar dicke Klöpse drin, da war es schwierig“, resümmierte sein Reiter. Umso zufriedener sei er mit der Leistung am Sonntag. „Ich werde jetzt noch ein bisschen Halten und Rückwärtsrichten üben und dann noch ein paar Stationen für die Qualifikation reiten. Jetzt bin ich ehrgeizig!“

Kritische Worte gab es vom Chefrichter Dr. Dieter Schüle für manche Ritte in der Einlaufprüfung. „Da waren Reiter dabei, die sollten ihre Teilnahme nochmal etwas überdenken und vielleicht lieber die Don’t Worry, Be Happy-Tour reiten. Teilweise gab es da doch sehr unschöne Momente.“

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Piaff-Förderpreis

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Gestern noch Zweite, heute führte sie die Ehrenrunde an: Anna-Christin Abbelen. (© Schreiner)

Die Wertungsprüfung zum Piaff-Förderpreis entschied Anna-Christina Abbelen für sich (70,349 Prozent). Mit ihrem 15-jährigen Hannoveraner-Wallach Henny Hennessy war sie bereits am Samstag gut unterwegs und hatte in der Vorbereitungsprüfung Platz zwei erreicht. Das Paar zeigte eine sehr ansprechende Trab-Tour mit Höhepunkten in Passage und Piaffe. Hinter ihnen reihte sich die gerade erst 18 Jahre junge Sophie Reef ein, die als einzige Teilnehmerin noch im Bundeskader der Junioren ist. Sie erreichte mit ihrem Silencium v. Shakespeare in Love 70,326 Prozent. Der Hannoveraner-Wallach glänzte vor allem in den Galoppwechseln zu zwei Sprüngen und in harmonischen Übergängen in der Passage-Piaffe-Tour. Ab und zu wurde er noch etwas eng im Hals und geriet leicht hinter die Senkrechte.

Anna Magdalena Scheßl und der 14-jährige Biedermeier kamen auf Platz drei (70,209 Prozent). Die amtierende Bayerische Meisterin der Jungen Reiter hatte am Samstag noch etwas Probleme gehabt, wodurch es da nur für Platz elf gereicht hatte. Heute stellte sie ihren Belissimo-Nachkommen souverän vor, dieser brillierte besonders in Passage und Piaffe mit viel Gleichmaß und guter Lastaufnahme.

Auf Platz vier kam Michelle Budde im Sattel des 14-jährigen Westfalen Ribery (69,860 Prozent). Während der Schimmel in den Verstärkungen nicht ganz so glänzen kann, macht er dies durch eine sehr gute Versammlungsbereitschaft wett, für die er in Passage und Piaffe mit 8er Noten belohnt wurde.

Deutsche Bank Reitsport-Akademistin Lisa-Maria Klössinger hatte mit ihrem Quam Libet v. Quaterback am Samstag noch Pech gehabt, die Kinnkette war aufgegangen. Heute reichten 69,000 Prozent für Platz fünf. Die amtierende Doppel-Europameisterin U25 zeigte eine souveräne Vorstellung, in der ihr elfjähriger Oldenburger deutlich machte, wie es aussieht, wenn „der Motor läuft“. Aktiv im Hinterbein, stets mit leichter Anlehnung und durchgehend sehr harmonisch.

Die Siegerin der Vorbereitungsprüfung am Vortag, Deutsche Bank Reitsport-Akademistin Ninja Rathjens, konnte ihre Favoritenrolle leider nicht verteidigen. Ihr elfjähriger Emilio Hannoveraner v. Earl ging nicht klar. „Sie lässt ihn jetzt zuhause erst einmal durchchecken“, so Bundestrainiern Monica Theodorescu.

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Schreiner

Großer Preis

Sie kam, sah und siegte. Auf dem Springplatz hatte heute eine Französin die Nase vorn. Penelope Leprevost war zum ersten Mal in München und zeigten direkt allen, was eine Harke ist. Mit knapp zwei Sekunden Vorsprung (0/52,87) gewann sie im Sattel des Selle Francais-Wallachs Vancouver de Lanlore vor Patrick Afflerbach mit der Holsteiner-Stute Ciara. Torben Köhlbrandt war sogar knapp sechs Sekunden langsamer als die Siegerin (1/58,77). Mit dem elfjährigen Baloubet du Rout-Sohn Macao ritt er im Stechen auf Sicherheit und wurde mit dem dritten Platz belohnt.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

 

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