München: Überlegener Special-Sieg für Showtime, Ingrid Klimke und Franziskus rocken die Olympiahalle in Kür

München – Munich Indoors 2017

Dorothee Schneider und Showtime feierten ein traumhaftes Comeback in München. (© sportfotos-lafrentz.de)

Für Dorothee Schneider gab es dieses Wochenende bei den Munich Indoors gleich vierfachen Grund zur Freude: Mannschaftsolympiasieger Showtim ist wieder da (und wie!), sie gewannen den Grand Prix und den Special, und dann wurde sie auch noch zum zweiten Mal mit dem MEGGLE Champion of Honour geehrt.

Die Ohren gespitzt, kraftvoll und ausdrucksstark wie eh und je marschierte Dorothee Schneiders elfjähriger Hannoveraner Sandro Hit-Sohn Showtime mit einer Selbstverständlichkeit durch den Grand Prix Special, als sei er in den vergangenen Monaten jedes Wochenende irgendwo auf dem Turnier gewesen. Tatsächlich hatte er seit fast einem Jahr pausiert. Geschadet hat es ihm nicht, im Gegenteil. Die Passagen waren Weltklasse, die Piaffen ausdrucksvoll und schon sehr gut im Gleichmaß, die Übergänge fließend und mühelos. Sicherlich wünschte man dem eleganten Dunkelbraunen von Zeit zu Zeit ein offeneres Genick und in den Verstärkungen mehr Rahmenerweiterung. Aber das störte nie den Bewegungsablauf. Nie war der Rücken blockiert, stets floss die Energie des energisch abfußenden Hinterbeines durchs ganze Pferd und Dorothee Schneider gelang es stets, den Wallach vor den treibenden Hilfen zu halten. 81,137 Prozent gaben die Richter – voll verdient! Das war eine super Runde. Pünktlich zum WM-Jahr ist Showtime wieder richtig gut im Geschäft.

Dorothee Schneider meinte hinterher: „Dass ich jetzt hier gleich mit dem ersten Turnier nach der Verletzungspause über 80 Prozent komme, habe ich nicht erwartet, aber ich weiß, dass das Pferd das kann. Er war heute nochmal mehr bei mir als im Grand Prix, hatte noch zwei, drei kleine Fehler, also es gibt sogar noch Luft nach oben. Das Gefühl ist einfach gigantisch auf diesem Pferd.“

Fast zehn Prozent hinter Schneider folgte mit 71,745 Prozent die US-Amerikanerin Catherin Haddad-Staller auf der elfjährigen Oldenburger Sir Donnerhall-Tochter Semper Fidelis. Die Reiterin hatte die Stute im Stall Helgstrand erworben, ein sehr talentiertes Pferd mit ausdrucksvoller Trabtour, großer Begabung für Piaffe und Passage und der Nase stets vor der Senkrechten. Allerdings schien die Stute den Rücken nicht jederzeit voll loszulassen, wodurch möglicherweise auch die Fehler in den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung erklärt werden können. In der Trabtour schlichen sich zwischendurch leichte Schwebetritte ein, die den Ablauf etwas zum Stocken brachten. Aber die Stute ist auch noch sehr unerfahren. Dies ist erst ihr drittes internationales Grand Prix-Turnier.

Platz drei ging an Lokalmatador Uwe Schwanz im Sattel des ebenfalls aus Bayern stammenden Hotline-Sohnes Hermes. Der neunjährige Götterbote hat sein Ticket für das Louisdor Preis-Finale schon in der Tasche konnte mit 70,941 Prozent heute zumindest schon mal eine der Konkurrentinnen, auf die er in Frankfurt treffen wird, hinter sich lassen: Ingrid Klimkes Geraldine. Mit 69,824 Prozent lagen die beiden an fünfter Stelle.

Grand Prix Kür

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Ingrid Klimke und Franziskus (© sportfotos-lafrentz.de)

Zu einem Adele-Amy Whinehouse-Medley tanzten die beiden durch die Olympiahalle und wurden von den Richtern mit 75,80 Prozent im Durchschnitt bedacht. Chefrichterin Katrina Wüst bei C zückte für die B-Note sogar 83 Prozent. Ingrid Klimke war zufrieden mit ihrem Hengst: „Franziskus war richtig Klasse, er hat sich super konzentriert. Die Kür ist sehr schwer und er hat total gekämpft und mir ein tolles Gefühl gegeben.“ Grund zum Strahlen hatte sie aber auch noch aus einem ganz anderen Grund: „Unglaublich, die Halle war voll und nach dem letzten Grüßen kam ein riesiger Applaus, ich habe mich total gefreut!“

Platz zwei war ein Heimspiel für die Deutsche Bank Reitsport-Akademistin Franziska Stieglmaier und ihren zwölfjährigen ebenfalls in Bayern geborenen und selbst ausgebildeten Lukas. Die beiden Piaff-Förderpreis-Sieger des Vorjahres kamen auf 73,30 Prozent im Mittel.

Dritter wurde wie schon im Grand Prix der Luxemburger Sascha Schulz im Sattel des ausdrucksvollen Lustano Hengstes Dragao (72,310).

MEGGLE Champion of Honour zum zweiten Mal an Dorothee Schneider

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Der MEEGLE Champion of Honour 2017 geht erneut an Dorothee Schneider. (© sportfotos-lafrentz.de)

Der MEGGLE Champion of Honour ist eine Serie, die den fairen Umgang mit dem Sportpartner Pferd belohnt – und zwar nicht nur im Viereck, sondern vor allem auch auf dem Vorbereitungsplatz und überhaupt im Umgang.

Am Ende ging der Preis zum zweiten Mal nach 2016 an Dorothee Schneider, obwohl sie sich bei der Wertung in München – der MEGGLE Champion of Honour ist eine Serie über fünf Stationen – Ingrif Klimke knapp geschlagen geben musste. Für den Gesamtsieg erhielt Schneider neben einer Pferdekopf Plastik einen Scheck über 7000 Euro. Der Preis ist etwas besonderes für die 48-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin, Mannschaftsolympiasiegerin und -europameisterin: „Das beweist die Nachhaltigkeit meiner Arbeit. Es ist mein Ziel, Pferde fair auszubilden und auch alles um das Pferd drumherum so zu organisieren, dass sie sich mit mir im Viereck wohlfühlen. Dieser Preis unterstreicht das einfach, und ich freue mich riesig, dass ich nochmal bewiesen habe, dass ich gut mit den Pferden umgehe und das ist auch jeden Tag zu Hause mein Ziel.“

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