Olympia Tokio – es geht so langsam los für die Dressurreiterinnen

Training dressuur – Olympic Games Tokyo 2020

Isabell Werth im Dressurstadion, Olympia Tokio 2021 (© www.hippofoto.be)

Die Dressurreiterinnen und ihre Pferde haben sich schon gut eingelebt, die Vielseitigkeitspferde sind Montagnacht gen Tokio gestartet. Am Freitag, 23. Juli, ist die Eröffnungsfeier, an diesem Tag ist auch schon der Vetcheck, also die Verfassungsprüfung der Dressurpferde. Und dann geht’s los im Viereck.

Die Dressurreiterinnen sind fleißig am Trainieren, die Pferde gut in Tokio angekommen. Das berichten alle aus dem Umfeld von Isabell Werth, Dorothee Schneider und Jessica von Bredow-Werndl übereinstimmend. Die Quarantäne in Aachen, zusammen mit vielen anderen Mannschaften, deren Pferde ebenfalls über das belgische Lüttich nach Tokio reisen sollten, liegt hinter dem Trio. Nun rückt der sportliche Teil näher.

Bundestrainerin Monica Theodorescu schaut optimistisch nach vorn. „Die Pferde sind sehr gut drauf, haben sich super akklimatisiert“, sagte sie gegenüber St.GEORG. Trainiert wird in den Abendstunden. Dann ist es kühler, wobei das relativ ist in Tokio. Vor allem aber finden auch die Prüfungen gegen Abend, unter Flutlicht, statt. Auch die Vielseitigkeitsreiter haben die Stromrechnung des Olympiastützpunkts Warendorf strapaziert, um diese besonderen Lichtverhältnisse trainieren zu können.

„Jammerschade“

Eines aber findet die Bundestrainerin der deutschen Dressurreiterinnen „jammerschade“. Nämlich, „dass in diesem grandiosen, wunderschönen Stadion keine  Zuschauer Platz nehmen dürfen“. Das erste Mal ein Feeling für das Stadion können sich die Teams morgen verschaffen. Dann wird das Stadion so geschmückt sein, wie zu den Prüfungen ab Samstag.

Nicht nur das Trio, sondern auch Ersatzreiterin Helen Langehanenberg trainiert mit Annabell so, als müsse sie am Samstag in den Grand Prix einreiten. Man will es nicht beschreien, aber es kann eben viel passieren bis zum Prüfungstag. Noch gut in Erinnerung ist die schwarze Stunde von Marcus Ehning, als sein Cornado NRW in Rio 2016 bei den Olympischen Spielen kurz vorm Einsatz lahm ging und Meredith Michaels-Beerbaum in Windeseile die weiße Reithose anziehen musste.

Helen Langehanenberg berichtet in den sozialen Netzwerken von ihren Tagen mit „Mausi“ – so der Name der 1,80 Meter-PLUS Conteur-Tochter – und welch ein Gefühl es doch wäre, wenn man in das Stadion einreiten würde. Und wenn dann noch Zuschauer da wären.

Olympia-Feeling?

Wie es sich anfühlt, ohne Zuschauer, ohne Applaus – das kann noch niemand sagen. Sicher ist: Diese Spiele werden anders. Ganz anders. Selbst die Medaillenzeremonie wurde wegen des Corona-Virus abgeändert. Die Medaillengewinnerinnen oder -gewinner werden sich selbst das Edelmetall (übrigens aus nachhaltig recyceltem Material gefertigt) um den Hals hängen. Nur die Nationalhymne, die müssen sie nicht selbst anstimmen.

Bis zu den ersten Olympiamedaillen im Reiten ist es noch etwas Zeit. Die Mannschaftsentscheidung fällt im Grand Prix Special am Dienstag, 27. Juli. Tags drauf wird dann in der Kür die Einzelgoldmedaille vergeben.

Der Zeitplan Olympia Dressur im Überblick

Freitag, 23. Juli Vet.-Check

Samstag, 24. Juli Grand Prix Teil 1 (das Ergebnis entscheidet über die Startplätze im Grand Prix Special, fließt aber nicht in die Gesamtwertung der Teams mit ein), 30 Starter ab 10 Uhr deutscher Zeit

Sonntag, 24. Juli, Grand Prix Teil 2, 30 Starter ab 10 Uhr deutscher Zeit

Dienstag, 26. Juli, Grand Prix Special, 24 Starter, Entscheidung Mannschaftswertung, ab 10 Uhr deutscher Zeit

Mittwoch, 27. Juli, Grand Prix Kür, 18 Starter, Entscheidung Einzelwertung, ab 10.30 Uhr

Viel neues – Reglement, eigene Musik, kein Streichergebnis

Am Nachmittag des Dienstags in einer Woche werden wir dann also wissen, wie viel Gold, Silber, Bronze die deutschen Dressurreiterinnen aus Tokio mit nach Hause bringen. Fest steht: Es werden nur drei Reiter/Pferd-Kombinationen pro Team starten. Der Grand Prix ist keine Wertungsprüfung. Der Grand Prix Special entscheidet über Mannschaftsgold. Dort kann jeder Starter eigene Musik zur Untermalung mitbringen, getestet wurde das unter anderem in Hagen auf dem Hof Kasselmann.

In der Kür fangen alle wieder bei null an. Da geht es dann um den Titel „Olympiasiegerin“ oder „Olympiasieger“.


In eigener Sache: Wir haben einen ausführlichen Hintergrundartikel zu Olympia Tokio 2020 – so nennen sich die um ein Jahr pandemiebedingt verschobenen Spiele stolz. Dort gibt es noch mehr Infos rund um alle Disziplinen. Der aktuellen St.GEORG-Ausgabe (hier portofrei mit einem Klick zu bestellen) haben wir ein Extraheft beigelegt, in dem vom Zeitplan über die deutschen Teams bis zu Medaillentipps von Experten aus der ganzen Welt und den TV-Zeiten, das gesamte Olympia der Reiter zusammengefasst ist. Wer morgens um sieben informiert sein möchte, was der Tag für die Reiterinnen und Reiter bringt, kann unseren Extra-Newsletter auch abonnieren.


Die Tage der Dressurentscheidungen

Hoffentlich ist nur das erhoffte Doppelgold im Reisegepäck, wenn es am Samstag, 31. Juli, wieder zurückgeht für Pferde und Dressurreiterinnen. Denn trotz strenger Einreiseregelungen mit u. a. zwei PCR-Tests, die innerhalb eines engen Zeitrahmens durchgeführt worden sein müssen, häufen sich die Zahlen von positiv getesteten Athleten im Olympischen Dorf. Die deutsche Delegation wohnt dort zwar nicht, sondern in einem Hotel. Doch andere Mannschaften sind „im Dorf“ untergebracht. Kontakte im Training und den Ställen sind da nicht auszuschließen.

Nur zwölf Prozent der Japaner sind bisher gegen das Coronavirus geimpft. Kein Wunder, dass die Bevölkerung skeptisch ist gegenüber Menschen aus mehr als 200 Nationen, die nach Nippon kommen. Großbritannien, ein „Rote Liste-Land“, dessen Delegationen strengere Quarantänemaßnahmen auferlegt sind, hat Dienstagmorgen mehr als 54.000 Neuinfektionen vermeldet. Und einen Premierminister, der sich in Selbstisolation auf seinem Landsitz befindet und gleichzeitig nahezu alle einschränkenden Maßnahmen in England lockert. Was große Sportereignisse in solche einem Land für Auswirkungen haben, Stichwort Fußball, haben auch die Japaner gesehen.

Und die Stallungen füllen sich allmählich im Equestrian Park. Die Vielseitigkeitspferde sind angekommen. Mit ihnen Pfleger, Reiter, Trainer – die Delegationen. Das Reitstadion, in dem einst schon Josef Neckermann ritt, befindet sich im Westen Tokios inmitten eines Wohngebiets. Die meisten Sportstätten liegen eher im Osten der Stadt. Dort ist auch auf einer ehemaligen Industriebrache (was schöner klingt als begrünte Ex-Müllhalde am Hafen) die Geländestrecke entstanden. Auch Rudern und Kanusport werden hier ihre Medaillenrennen austragen. Doch das dauert noch knapp zwei Wochen. Jetzt steht erstmal alles im Zeichen der Damen im Frack.