Punktekrimi im Pony-Dressur-Derby

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Die Siegerin im Deutschen Pony-Dressur-Derby 2019: Johanna-Sophie Wilhelmi mit Chaplin. (© von Korff)

So knapp war es noch nie! Mit ihrem letzten Ritt im Finale machte es Johanna-Sophie Wilhelmi heute noch einmal richtig spannend. Am Ende konnte sich die 14-Jährige tatsächlich das Blaue Band im Deutschen Pony-Dressur-Derby sichern.

Das Ergebnis musste mehrmals nachgerechnet werden. Erst in der Siegerehrung stand dann fest: Das Blaue Band im Pony-Dressur-Derby 2019 ging an Johanna-Sophie Wilhelmi. Dabei hatte die 14-jährige Schülerin heute Morgen eine regelrechte Aufholjagd hingelegt, denn zwischenzeitlich sah schon alles nach einem Sieg für Enya Palm aus, die Freitag die zweite Qualifikation für sich entschieden hatte. Deren Pony Frühlingstraum war es auch, mit dem Johanna-Sophie am Ende noch einmal richtig punkten konnte. Der Fuchs wurde im Anschluss zum besten Pony im Finale gekürt. Auf Platz drei landete Mary Sophie Haid Bondergaard.

Runde eins: Gewohntes Terrain

Zunächst absolvierte jede der drei jungen Reiterinnen die verkürzte Sonderaufgabe mit ihrem eigenen Pony. Als erstes Paar hatten die Schwedin Mary Sophie Haid Bondergaard und ihr Schimmel Dicaprio um 9.15 Uhr die Prüfung eröffnet. Der zwölfjährige Don’t Worry-Nachkomme zeigte heute seine beste von drei Vorstellungen. In guter Anlehnung bei zufriedenem Maul lief er eine korrekte Runde. Im Schritt zeigte sich der deutlich im Endmaß stehende Wallach eher begrenzt. 70,325 Prozent lautete das Ergebnis für das Paar.

Johanna-Sophie Wilhelmi und ihr Chaplin waren zum allerersten Mal in Hamburg am Start. „Mein Pony ist ziemlich guckig, deswegen waren wir bisher noch nie hier“, erzählte sie in der anschließenden Pressekonferenz. Heute konzentrierte sich der schicke Falbe allerdings toll auf seine 14-jährige Reiterin. Höhepunkte waren vor allem die schwungvollen Trabverstärkungen, bei denen der Champion de Luxe-Sohn förmlich über die Diagonale flog. Lediglich in der Anlehnung hätte man sich Chaplin noch etwas leichter gewünscht. Genau 72 Prozent vergaben die Richter.

Die beste Prüfung des Tages zeigten Enya Palm und Frühlingstraum mit 72,85 Prozent. Dabei saß die mit zwölf Jahren jüngste Teilnehmerin im Sattel des ältesten Ponys. 20 Jahre alt ist der Big Boy I-Sohn Frühlingstraum bereits. Enya, die im Landeskader Weser-Ems gelistet ist, bekam ihn kurz vor ihrem elften Geburtstag geschenkt. Mit ganz viel Gefühl und Übersicht präsentierte sie den charmanten Fuchs heute. So gelang den beiden das durchlässigste Rückwärtsrichten der Prüfung, auch die Verstärkungen und Übergänge waren toll herausgeritten.

Runde zwei: Jetzt wird gewechselt

Die Reihenfolge der Ponys blieb gleich, so dass im Pferdewechsel zunächst Johanna-Sophie auf Dicaprio Platz nahm. Man sah ihr ein wenig an, dass der aus Isernhagen stammenden Schülerin, die in sechs Tagen ihren 15. Geburtstag feiert, der Schimmel ihrer Konkurrentin nicht ganz so gut lag. „Er war ganz anders zu reiten als mein eigenes Pony“, sagte sie. Dank der Unterstützung von Trainerin Janina Siemers stellte sie sich in den fünf Minuten Vorbereitungszeit dennoch so gut wie möglich auf ihn ein. In den Prüfungen ging der Wallach ab und an gegen die Hand und wurde auf den Diagonalen etwas schief. Die zweite Schrittpirouette gelang besser als die erste, überhaupt fand das Paar im Verlauf der Prüfung etwas mehr zusammen. Das Ergebnis: 66,1 Prozent.

Danach ging es für Enya und Chaplin ins Viereck. Bevor die Startglocke ertönte redete sie dem hochbeinigen Falben noch einmal beruhigend zu. Auf ein sicheres Halten folgte eine sehr gute Trabverstärkung mit deutlicher Rahmenerweiterung. Auch die Schritttour gelang. Im Galopp klappte die Abstimmung noch nicht ganz so gut. Dennoch bemühte sich die Zwölfjährige immer wieder Chaplin aus dem Sitz heraus und mit feiner Hand vor sich zu bekommen. 69,225 Prozent vergaben die Richter.

Den Abschluss der zweiten Runde bildeten Mary Sophie und Frühlingstraum. Im Trab starteten die beiden etwas übereilt, woraus auch ein Taktfehler im Mitteltrab resultierte. Der gelang dann im zweiten Versuch besser und mit viel Ausdruck. Der Fuchs galoppierte schön im Begauf, kam im Mittelgalopp allerdings einmal ins Stolpern und sprang dann um. Im Schritt hatte das Paar hingegen keine Probleme. Die 15-jährige Schwedin wählte ein sehr kurzes Zügelmaß, wodurch Frühlingstraum zeitweilig zu eng im Hals wurde, insgesamt hätte man sich mehr Gelassenheit gewünscht – 67,35 Prozent.

Runde drei: Die Entscheidung

Den dritten Durchgang eröffneten Enya und Dicaprio. In den Verstärkungen merkte man dem Schimmel an, dass ihm bei den hohen Temperaturen langsam die Puste ausging. Bei der Rückführung nach dem Mittelgalopp fiel er einmal in den Trab. Positiv ist anzumerken, dass Enya den Wallach insgesamt gerader hatte und auch hier bemüht war, die Hand immer wieder vorzugeben und das Genick oben zu behalten. Das gelang im Galopp noch besser als im Trab, 67,45 Prozent.

Auch unter Mary Sophie bewies Chaplin, dass ihm alles was ins Vorwärts geht, besonders gut liegt. Insgesamt schien sich die Schwedin auf dem Falben recht wohl zu fühlen und zeigte eine gleichmäßig gute Runde. Der einzige größere Patzer passierte direkt nach dem ersten Halten, als der Wallach gleich im Galopp loslegen wollte. Die beiden kamen auf 68,95 Prozent.

Erst mit dem letzten Ritt von Johanna-Sophie und Frühlingstraum fiel dann die Entscheidung. Schon beim Einreiten merkte man: Das passt! Diesen Eindruck bestätigte die 14-Jährige auch anschließend: „Frühlingstraum fühlte sich immer noch richtig frisch an und ganz ähnlich wie mein eigenes Pony.“ Und so gaben auch diese beiden ein harmonisches Bild ab, kamen weitestgehend fehlerfrei durch die Prüfung. Schön herausgerittene Verstärkungen und Übergänge brachten noch einmal ordentlich Punkte: 71,475 Prozent, das drittbeste Ergebnis der Prüfung.

Ein Punkt bzw. 0,05 Prozent machten am Ende den Unterschied zwischen Platz eins und zwei aus, Enya hatte das Nachsehen. In der Siegerehrung konnte Johanna-Sophie ihre (Freuden-)Tränen dann auch nicht mehr zurückhalten, der mitgereiste Fanclub jubelte. „Damit hätte ich nie gerechnet, das ist mein schönster Sieg bisher“, strahlte sie hinterher. Kleines Trostpflaster für Enya: Ihr Frühlingstraum wurde als bestes Pony im Finale ausgezeichnet.

Die Ergebnisse aus Hamburg finden Sie hier.jordans for sale china

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