Sofortiger Rücktritt: Niederländischer Dressur-Nationaltrainer van der Schaft schmeißt hin

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Das siegreiche Nationenpreisteam der Niederlande in Rotterdam 2018: Hans Peter Minderhoud, Emmelie Scholtens, Madeleine Witte-Vrees, Edward Gal und mit dem Teller Rien van der Schaft, der Equipechef. (© CHIO Rotterdam)

Die niederländischen Dressurreiter werden ohne Nationaltrainer zu den Weltmeisterschaften ins US-amerikanischen Tryon reisen. Trainer Rien van der Schaft hat gestern sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. In einem Radiointerview führt er auch sein Verständnis von guter Reiterei als Grund für seinen Rückzug an.

Wenige Wochen noch bis zu den Dressurwettbewerben bei den Weltmeisterschaften in Tryon, North Carolina. Das Geschehen im Dressurviereck steht diesmal unter keinem guten Stern. Zumindest häufen sich im Vorfeld Meldungen von Absagen und Überraschungen. Nachdem die Franzosen entschieden hatten, keine Equipe in die USA fliegen zu lassen und Einzelreiter Pierre Volla seinen Start aus Kostengründen abgesagt hatte, platzte gestern eine weitere Nachrichten-Bombe: Die niederländischen Dressurreiter werden ohne Nationaltrainer in Tryon am Start sein. Rien van der Schaft, der dieses Amt seit 2016 bekleidet hat, hat am gestrigen Donnerstag, 23. August, der niederländischen Föderation (KNHS) mitgeteilt, dass er ab sofort nicht mehr zur Verfügung steht.  Das hat das KNHS in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.

Die Aufgabe des Trainers der Top-Senioren passt leider nicht so zu mir, wie ich ursprünglich gehofft hatte. Deshalb habe ich beschlossen aufzuhören. Die größte Herausforderung und das größte Vergnügen für mich ist es, mit talentierten Reitern zu arbeiten und Reiter und Pferde zu trainieren.

Rien van der Schaft, ehemaliger Nationaltrainer der niederländischen Dressurreiter

Das KNHS hat beschlossen, nicht kurzfristig einen neuen Trainer zu benennen. Die KNHS-Mitarbeiter Maarten van der Heijden and Ad Wagemakers sollen das niederländische Team in Tryon unterstützen. Außerdem ist noch ein Trainingslager geplant. Für die Niederlande sind Edward Gal mit Zonik, Hans Peter Minderhoud mit Dream Boy, Madeleine Witte-Vrees mit Cennin und Emmelie Scholtens mit Apache nominiert. Als Reserve wurde Adeline Cornelissen mit Aqiedo benannt. Allerdings soll das Pferd nicht nach Tryon fliegen. Nur wenn im Trainingslager noch ein Pferd ausfallen sollte, würde Cornelissen reisen.

Rien van der Schaft: Einfluss auf Reiterei war beschränkt

In einem Radiointerview gegenüber dem niederländischen Sender „Radio 1“ hat der 64-jährige van der Schaft noch einmal verdeutlicht, warum er so kurz vor den Weltmeisterschaften aufgibt. „Es ist eine komplexe Geschichte. Ich habe mich wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt, wenn ich es nur beschreiben könnte. Es war mehr und mehr gegen mich. Infolgedessen war die gesamte Atmosphäre nicht optimal“. Ohne eine direkte Schuldzuweisung auszusprechen, wird deutlich, dass sich van der Schaft Probleme hatte mit seiner Rolle und der der Heimtrainer hatte. „Ich war mehr Chef d’Equipe als Nationaltrainer, da hatte ich immer weniger Spaß an der Tätigkeit.“ Er sagt von sich, er sei lieber aktiv. Was wohl heißen soll, dass er mehr sein wollte als derjenige, der vom Rand aus zusieht, wie unter Aufsicht der Heimtrainer geritten wird. „Ich das vorher gewusst, aber ich ich konnte nicht abschätzen, wie unzufrieden es mich machen würde.“

Edward Gal und sein Lebensgefährte Hans Peter Minderhoud wie auch Emmelie Scholtens trainieren mit Gals Exfrau Nicole Werner. Madeleine Witte-Vrees ist gerade in Aachen nach einer Trainingseinheit mit Anky van Grunsven beim CHIO Aachen mit einer gelben Karte verwarnt worden. In diese eingeschworene Gemeinde scheint van der Schaft nicht gepasst zu haben. Der 64-Jährige, der neun Grand Prix Pferde ausgebildet hat und in den 1980er Jahren im niederländischen Team ritt, vermittelt sein Wissen auch übers Internet. Er hat unter anderem ein Online-Programm, bei dem er auf Dinge wie Anlehnung („Contact“) besonderen Wert legt und sich gegen falsche Kopf-Hals-Einstellungen ausspricht.

Andere Vorstellungen von Reiterei

Ideen, mit denen er beim aktuellen Team wohl nicht hat punkten können. „Du weißt, dass dies Leute sind, die seit Jahren ihren Weg gehen. Wenn du fühlst, dass dein Einfluss begrenzt ist, (…) dann gibt es dir keinen Kick, diese Arbeit zu machen.“ so van der Schaft in dem Radio-Interview. Vom Moderator gefragt, ob für die Methode von van der Schaft, einem Anhänger der klassischen Reitkunst, in den Niederlanden überhaupt Platz sei, weil die Fronten so verhärtet sind, antwortete der Trainer: „Ich denke, wenn ein anderer Reiter oder Kombinationen kommen, die es anders machen, wird es darüber (i.e. die derzeit in den Niederlanden vorherrschende Idee, wie Dressurreiten sein muss) hinausgehen. Ich denke nicht, dass das so schnell passieren wird.“

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