Stuttgart: Bella Rose in weltmeisterlicher Form

FEI World Cup™ Dressage Stuttgart

Bella Rose und Isabell Werth zelebrieren ihre Ehrenrunde nach dem Sieg in der Weltcup-Qualifikation von Stuttgart 2018. (© FEI/Leanjo de Koster)

Für Isabell Werth war dies heute ein in jeder Hinsicht emotionaler Tag. Und das nicht nur, weil sie heute Abend ihren dritten Sieg bei den Stuttgart German Masters 2018 holte.

„Das war Kunst“, sagten Johnny Hilberath und Monica Theodorescu fast unisono. Sie hatten zusammen mit den Zuschauern in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle eine Dressurgala erlebt, die sie so schnell nicht vergessen werden. Mit 85,660 Prozentpunkten gewann Isabell Werth auf Bella Rose nach dem Grand Prix auch die Weltcup-Kür. Es war die Vorstellung, die uns in bei der Weltmeisterschaft in Tryon vorenthalten wurde – dort fiel die Kür bekanntlich aus Angst vor Hurricane Florence aus – und sie war wahrlich weltmeisterlich. Wenn auch nicht fehlerlos, die Zweierwechsel misslangen, aber das verblasste gegenüber den vielen Höhepunkten, die die 14-jährige Bella Rose zu der Musik von Beethovens Neunter tanzte. Als Auftakt eine makellosen Piaffe-Pirouette, die einstimmte auf das, was kam. Es schien, als ob Bella Rose selbst der Musik lauschte, um ihre Tritte den Klängen des großen Komponisten anzupassen. Mit brillanten, weichen Übergängen reihte sich ein Höhepunkt an den nächsten.

Seit Tryon hat Bella Rose noch an Kraft und Kondition gewonnen, konnte ihre Ausstrahlung in der dichten Atmosphäre der Halle noch besser zur Geltung bringen. Und da ist noch Luft nach oben, nicht nur wegen der ärgerlichen Wechselfehler. Die Trabverstärkungen könnten noch gelassener ausfallen, auch im Galopp lud sich die Stute auf, weswegen die 15 (fehlerlosen) Einerwechsel ein wenig hektisch gerieten. Es war die erste Kür der Belissimo M-Tochter vor größerem Publikum seit dem CDIO Aachen 2014, der WM-Test in Cappeln fand ja mangels TV-Übertragung quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Isabell Werth sah man nicht an, dass sie einen strammen Tag hinter sich hatte. Morgens um acht steuerte sie Emilio mit 77,739 Prozent zum Sieg im Grand Prix, der Vorprüfung für die German Masters am Sonntag, den Grand Prix Special. Bei der Siegerehrung musste der Braune die Goldene Schleife ohne seine Reiterin entgegen nehmen, die saß nämlich bereits im Flieger Richtung Osnabrück, um als Überraschungsgast bei der Ehrung ihrer Freundin und Mäzenin Madeleine Winter-Schulze zu erscheinen, deren Verdienste um den Sport vom niedersächsischen Reiterverband gewürdigt wurde. Rechtzeitig um Bella Rose für die Kür vorzubereiten, erschienen die beiden Damen dann wieder in der Schleyer-Halle. Weltcup-Punkte gab’s übrigens nicht, Isabell Wert ist durch ihren Sieg in Paris im Frühjahr bereits vorqualifiziert für das Finale in Göteborg.

Deutsches Damen-Tio komplett

Fünf Paare gingen mit mehr als 80 Prozent aus der Arena. Auf Platz zwei setzte sich mit 81,840 Punkten Mannschaftsweltmeisterin Dorothee Schneider mit Sammy Davis Jun.. Der zwölfjährige Rappe v. San Remo bot ein elegantes Bild, leichtfüßig und beweglich, immer in anmutiger Silhouette. Auch dieser Ritt zu modernen Klängen steckte voller Schwierigkeiten, wie etwa gut gelungenen doppelten Galopppirouetten und einer Fächerpirouette als krönenden Abschluss.

Helen Langehanenberg mit Damsey setzte auf Flötentöne und Gesang. Der 16-jährige Hengst v. Dressage Royal gefiel durch sichere Pirouetten, und schwierige Lektionsfolgen wie etwa 15 Einerwechsel und daran anschließend eine doppelte Linkspirouette. Platz drei mit 81,470 Prozent.

Weitere Platzierte

Auf Rang vier mit 81,190 Prozent landete der Däne Daniel Bachmann Andersen auf dem zehnjährigen Zepter v. Zack Das Paar gefiel in guten Piaffe-Passage-Übergängen, bot insgesamt eine solide Vorstellung.

Mehr als das gelang Benjamin Werndl auf Daily Mirror. Mit einem Trommelwirbel und einer doppelten Galopppirouette begann der Ritt. Der 14-jährige Damon Hill-Sohn, der die Weltcup-Qualifikation in Budapest gewonnen hatte,nglänzte mit knackigen Verstärkungen, mit Einer- und Zweierwechseln wie ein Uhrwerk. Der großrahmige Dunkelbraune und sein hochgewachsener, dabei fein einwirkender Reiter boten ein tolles Bild. Auch die Passagen gelangen gut, aber leider wurden die Piaffen nur angedeutet. Ohne diesen Schwachpunkt hätte das Paar sicherlich gute Chancen auf einen Platz in einem Championtsteam, aber so eher nicht.

Pferde, die man im Auge behalten muss

Zwei jüngere Pferde machten in Stuttgart auf sich aufmerksam. Die geschmeidig sitzende Niederländerin Emmelie Scholtens stellte den zehnjährigen Desparado v. Vivaldi mit viel Geschick und Gefühl vor. Der elegante Rappe verfügt über drei hervorragende Grundgangarten, bot immer ein schönes Seitenbild. Kleine Haken hier und da, eine Piaffe zu sehr im Vorwärts, eine Pirouette zu groß angelegt und insgesamt eher konventionelle Linien verhinderten einen besseren als den neunten Platz (75, 365 Prozent). Angesichts dessen, dass der Hengst gestern im Grand Prix bei jeder Piaffe zum Steigen angesetzt hatte, eine riesengroßer Schritt.

Das jüngste Pferd des Feldes, der achtjährige Bohemian v. Bordeaux unter der Dänin Catherine Dufour konnte noch nicht alles halten, was der gute Anfang seiner Kür versprach. Der schicke Fuchs fing mit einer Passage-Acht an, die erste Piaffe vorzüglich und genau am Platz, aber in der Trabtraversale wurde er bereits ein wenig eng und im Laufe der Aufgabe fiel es der Reiterin immer schwerer, das Pferd vor sich zu behalten. Darunter litt die gesamt Galopp-Tour. So blieb es bei 73,660 Prozent, Platz zwölf. Sechs Grand Prix-Siege stehen in diesem Jahr schon für Bohemian zu Buche, aber es war seine erste FEI Kür und damit gewissermaßen der erste Schritt in eine neue Welt. Auch bei ihm ist das Ende der Fahnenstange wohl noch nicht erreicht.

St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.

Schreibe einen neuen Kommentar