Stuttgart: Master-Königin Isabell Werth und das saubere Dutzend

Der neunjährige Emilio verhalf Isabell Werth zum zwölften German Master Titel in der Stuttgarter Schleyer Halle.

(© Der neunjährige Emilio verhalf Isabell Werth zum zwölften German Master Titel in der Stuttgarter Schleyer Halle.)

Isabell Werth wurde ihrem Ruf als Dressurkönigin einmal mehr gerecht. Zum zwölften (!) Mal sicherte sie sich den Titel des German Dressage Master. Das ist vor ihr noch keinem Reiter gelungen und es ist fraglich, ob es einem anderen Reiter je wieder gelingen wird. Zumal sie dabei stets immer wieder neue, selbst ausgebildete Pferde an die Spitze ritt.

So wie dieses Mal den neunjährigen Westfalen Emilio v. Ehrenpreis-Cacir AA, einen Cousin ihrer Mannschaftsweltmeisterin Bella Rose. Im vergangenen Jahr ging der Braune noch im Finale des Nürnberger Burg-Pokals. In dieser Saison folgten die ersten Grand Prix-Einsätze. Die stattliche Bilanz: Jeweils zwei zweite Plätze in Intermédiaire II und Kurz-Grand Prix in Hagen sowie in Grand Prix und Special in Münster beim Turnier der Sieger, anschließend zwei Siege in der Grand Prix und Special in Perl-Borg. Und nun der German Master-Titel in Stuttgart. Der dosierte Einsatz des Talents, das äußerlich ein wenig an Werths El Santo erinnert (mit dem er über die väterliche Linie ja auch verwandt ist) und in Sachen Bewegungsenergie und Leichtfüßigkeit seiner Cousine Bella Rose ähnelt, zahlt sich aus.

Die Kulisse, die manchen älteren Kollegen schon sehr beeindruckt hat, konnte den Neunjährigen nicht schrecken. In der zweiten Traversale nach rechts schaute er einmal ein wenig auf die Tribünen, fand dann aber sofort wieder zu seiner Reiterin zurück. Schon sehr gleichmäßig und lebhaft gelangen die Piaffen. Für eine noch höhere Bewertung als die Acht, die er meistens bekam, müssen sie in Zukunft noch mehr am Platz sein. Das Potenzial ist da! Dafür kam Emilio immer wieder sehr taktsicher und rhythmisch aus der Passage in die Piaffe rein und wieder hinaus. Die Wechseltouren gelangen sicher, wenngleich auch noch etwas verhalten. Man wirkte, als ob es der Reiterin darum ging, dem Wallach Vertrauen und Sicherheit zu geben. Immer wieder lobte sie ihn zwischendurch, überforderte ihn nicht mit zu viel Druck, aber sorgte dafür, dass er stets vor ihren treibenden Hilfen blieb. Dementsprechend präsentierte Emilio sich in ansprechendem Rahmen und wirkte willig und energisch. Die Richter belohnten den Ritt mit 77,824 Prozent, Sieg und zwölfter German Master Titel für Werth.

Die Rheinbergerin gab im anschließenden Interview zu, ihre Nummer eins sei nach wie vor Bella Rose, die wieder einhundertprozentig gesund sei. Sie würden sie jetzt in Ruhe wieder aufbauen und dann im nächsten Jahr wieder Turniere anpeilen. „Aber“, so schränkte sie mit Blick auf Emilio ein, „es hat sich immer ausgezahlt neben der Nummer eins auch eine Nummer eins B zu haben.“

Platz zwei ging an das Paar, das im vergangenen Jahr noch den Sieg im Piaff Förderpreis davon getragen hatte: Charlott-Maria Schürmann und ihren zwölfjährigen Hannoveraner Hengst Burlington v. Breitling W-Rohdiamant. Die beiden sind im wahrsten Sinne des Wortes zusammen groß geworden. Als Schürmann noch die Junioren- und Junge Reiter-Prüfungen unsicher machte, konnte Burlington in Ruhe reifen. Charlott hatte ältere Lehrpferde, mit denen sie der Konkurrenz das Siegen schwer machte. 2012 gewann das Paar dann zusammen das Finale des Nürnberger Burg-Pokals, danach gelang der Sprung in den Grand Prix. Der zweite Platz im Stuttgart German Master mit 74,392 Prozent dürfte bislang einer der größten Erfolge für das Paar sein.

Dritter wurde der Niederländer Diederik van Silfhout auf dem ebenfalls erst neun Jahre alten KWPN-Wallach Bonzanjo v. Jazz-Contango, einem Vollbruder zu Hans Peter Minderhouds gekörtem Grand Prix-Hengst Tango. Hier gab es 72,706 Prozent.

Es schlossen sich in der Reihenfolge an: Jessica von Bredow-Werndl auf Zaire als Vierte (72,627), die frisch gebackene Piaff Förderpreis-Siegerin Sanneke Rothenberger mit Deveraux (72,549), Dorothee Schneider auf Showtime (72,431), Beatriz Ferrer-Salat (ESP) mit Sir Radjah und Beata Stremler (POL) auf Rubicon D gleichauf mit 69,314 Prozent, Morgan Barbancon Mestre mit Vitana (69,275), Jenny Lang und Loverboy (69,020), Victoria Michalke auf Dance On (68,706), Pierre Volla (FRA) im Sattel von Badinda Altena (68,176), Karen Tebar (FRA) und Don Luis (68,059), Micol Rustignoli (ITA) mit Corallo Nero (66,804) und Alexandra Stadelmayer auf Lord Lichtenstein (65,765).

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