Stuttgart: Über 82 Prozent für Weihegold und Isabell Werth

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Isabell Werth und Weihegold im Grand Prix beim CHIO Aachen 2017 (© www.paulinevonhardenberg.com)

Das war deutlich! Mit 82,080 Prozent meldete Europameisterin Weihegold sich im Grand Prix für die Weltcup-Kür bei den Stuttgart German Masters zurück im Turnierzirkus.

Lehrbuchreife Traversalen, durchlässiges Rückwärtsrichten, eine Piaffe-Passage-Tour, die den Eindruck erweckte, das sei ein Kinderspiel (mit einem kurzen Stocken) – so begannen Weihegold und Isabell Werth. Im Galopp hätten beide Wechseltouren energischer nach vorne gesprungen sein können und bei den Zweiern schlich sich ein Einer ein. Aber der Rest der Aufgabe klappte wieder wie am Schnürchen. Für die Wackler hatte die Reiterin eine Erklärung parat: „Das war heute nach der EM in Göteborg der erste Start für Weihegold, sie war noch ein bisschen heiß, aber insgesamt war ich mit ihr sehr zufrieden!“

Mit Weihegold war Werth in diesem Jahr nicht nur Europameisterin, sondern auch Weltcup-Siegerin geworden. Aber ob es auch die Stute sein wird, mit der die Weltranglisten-Erste das Unternehmen Titelverteidigung in Paris anstrebt, steht noch nicht fest. Schließlich haben sich auch Don Johnson als Zweiter in Herning und Emilio als Sieger in Lyon für einen Start empfohlen.

Platz zwei an Damsey

Bei den Europameisterschaften in Göteborg hatte Helen Langehanenbergs Damsey im Grand Prix Special kurzzeitig den Dienst quittiert. In Stuttgart meldete er sich nun in allerbester Form zurück, hatte die Ohren vorne und zog energisch nach vorne. Gut gelang die Piaffe-Passage-Tour. Eine ganz kleinen Moment des Zögerns gab es beim Übergang von der ersten Piaffe in die Passage. In der Passage nach der Schritttour verhaspelte Damsey sich einmal und verlor den Takt, war aber sofort wieder bei der Reiterin. Die anschließende Piaffe war super in Rhythmus und Fleiß, allerdings sehr nach vorne angelegt. Geschmeidige Zick-Zack-Traversalen, energisch nach vorne gesprungene Serienwechsel und insbesondere eine auf dem Teller gesprungene Linkspirouette waren die Highlights der Galopptour. Die Schlusslinie versprach noch einmal, richtig Punkte zu bringen, doch dann fand Damsey, er könnte die Aufgabe auch schon vor G beenden und musste einmal energisch aufgefordert werden, was den Ablauf störte. Aber alles in allem eine richtig tolle Runde, die mit 76,060 Prozent belohnt wurde.

Zaire, die Elegante

Jessica von Bredow-Werndl hatte ihre 13-jährige KWPN-Stute Zaire v. Son de Niro mit nach Stuttgart gebracht. Die leichtfüßige Braune begeistert mit ihrem Go, ihrer Frische und ihrer Elastizität. Man sieht ihr ihren Arbeitseifer an. Sie kann ja schon mal etwas umweltorientiert sein, aber in der Schleyerhalle scheint sie sich wohl zu fühlen. Lediglich beim Halten vor dem Rückwärtsrichten und im versammelten Schritt nahm sie sich die Freiheit, zu schauen, wer denn da alles auf der Tribüne sitzt. So sah es jedenfalls aus. Alles in allem geben sie und ihre Reiterin ein sehr elegantes und harmonisches Paar ab, dessen Vorstellung heute mit 74,740 Prozent bewertet wurde. Zu Recht strahlte Jessica von Bredow-Werndl nach dem Schlussgruß in die Runde.

Vilhelmson, Schneider & Co.

Mit 74,020 Prozent ritt sich die Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfvén mit dem 14-jährigen Paridon Magi v. Don Primero auf Platz vier. Das Programm gelang ihr nahezu fehlerfrei. In der ersten Piaffe ging der mächtige Dunkelbraune etwas nach vorne, im starken Trab kam er ins Laufen, aber die Wechsel gerieten makellos und der starke Schritt, raumgreifend und fleißig, war einer der Höhepunkte.

Nicht ganz ohne Unstimmigkeiten verlief der Ritt des EM-Paares Dorothee Schneider und Sammy Davies jr., trotz durchweg eleganter Silhouette mit feiner Anlehnung, schwungvollem starken Trab, die Nase fast immer leicht vor der Senkrechten. In den Einerwechseln gab es Fehler im letzten Drittel, in beiden Pirouetten kam es zu Stockungen, dem starken Schritt fehlte der Raumgriff und insgesamt wünschte man sich eine deutlichere Gewichtsaufnahme in den versammelten Trablektionen. Am Ende stand Platz fünf mit 72,940 Prozent.

Hinter der Österreicherin Belinda Weinbauer auf dem kalibrigen Söhnlein Brilliant v. Shakespeare in Love (71,680) platzierte sich Fabienne Lütkemeier mit Fabregaz auf Rang sieben. Der statiöse Schwarzbraune mit der enormen Übersetzung flog übers Viereck, aber die ersten beiden Piaffen misslangen, erst die dritte gelang besser. Wenn es gelingt, diesen Schwachpunkt zu beseitigen, hat das Paar eine Zukunft, die auch in Championatsteam führen kann.

Dominique Wehrmann/Gabriele Pochhammer

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