Susan Pape und V-Plus gewinnen Qualifikation der Nürnberger Burg-Pokal Etappe in Hagen

HAGEN – Horses and Dreams meets Canada 2022

Susan Pape und V-Plus in der Einlaufprüfung zur Nürnberger Burg-Pokal Etappe in Hagen 2022. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Eine spannende Angelegenheit war heute die Qualifikationsprüfung für die eigentliche Etappe des Nürnberger Burg-Pokals in Hagen. Und das im doppelten Wortsinn.

Da waren heute einige hoch talentierte Pferde im Hagener Dressurviereck zur Qualifikation für die Nürnberger Burg-Pokal Etappe angetreten, die mit der Atmosphäre zu kämpfen hatten und sich so etwas unter Wert verkauften.

Anders der Sieger der Prüfung, der achtjährige Oldenburger Hengst V-Plus v. Vivaldi. Vollständig heißt er Harmony’s V-Plus, denn er gehört wie noch andere Pferde, die von Susan Pape ausgebildet werden, dem Team Harmony in den USA. Die hatten den in der Lewitz geborenen Rappen 2018 für den damaligen Spitzenpreis von 1,2 Millionen Euro bei der PSI-Auktion in Ankum erworben. Susan Pape bildete V-Plus aus und holte mit ihm unter anderem fünfjährig Bronze beim Bundeschampionat. Insgesamt hat er allerdings noch nicht viele Turnierplätze gesehen. Das heute war seine dritte S-Dressur und das zweite Turnier des Jahres. Begonnen hatte er die Saison im Februar in Wellington, wo er einen Prix St. Georges mit 71,912 Prozent konnte. Heute wurden es deutlich mehr Punkte.

Schon der Beginn der Prüfung war sehr sicher. Der Hengst zeigte sich in der Trabtour stabil im Genick bei leichter Anlehnung. Dabei entwickelte er guten Schub in den Verstärkungen, könnte hier vielleicht noch etwas elastischer durch den Körper schwingen. Die Traversalen gelangen mit guter Stellung und Biegung. Gute Dehnung, guter Übertritt und unerschütterlicher Takt im losgelassenen starken Schritt. Auch im versammelten Schritt sicherer Takt, eine Idee mehr Fleiß wäre wünschenswert gewesen. Die beiden Pirouetten gelangen schon recht zentriert und Pape ließ dem Hengst mit der Hand genügend Möglichkeiten, sich selbst auszubalancieren. Auch die Wechseltouren gelangen mit sicherem Durchsprung. Insgesamt könnte V-Plus aber im Galopp noch etwas mehr Last aufnehmen und ins Bergauf springen. Aber ein ganz ansprechender und sehr korrekter Ritt, der unter dem Strich mit 75,878 Prozent belohnt wurde. Das reichte heute locker für den Sieg.

Platz zwei an De Massimo

Ebenfalls mit Harmonie und Korrektheit punktete das Paar auf Rang zwei, Marcus Hermes und der neunjährige westfälische Schimmel De Massimo v. Dankeschön. Die Schimmelfarbe hat De Massimo von seinem Urgroßvater Carolus I mitbekommen, wohl ebenso den Charme, den er versprühte. Ein ganz sympathisches Pferd, das in der Saison 2020/21 noch von Nachwuchsreiterin Marlene Sieverding vorgestellt wurde.

Heute begann De Massimo mit einer schwungvollen Trabtour, wenn auch mit der Tendenz, hinten breit zu werden. Sehr schöne Traversalen im Fluss und geschmeidig beim Umstellen. Im Schritt verfügt er von Hause aus über große Möglichkeiten und marschierte entsprechend los. In der Versammlung verschwamm allerdings der Takt etwas. Die Galopppirouetten konnte Marcus Hermes bestmöglich darstellen, aber hier neigte De Massimo trotz Bereitschaft zur Lastaufnahme zum breit- und beinahe beidbeinigen Stemmen statt im Takt des Galoppsprungs zentriert um den inneren Hinterhuf herumzuspringen. Die Tendenz zeigte sich auch in der weiteren Galopparbeit, wobei der Schimmel sich dennoch ganz geschmeidig stellen und biegen ließ in den Traversalen. Sehr gelungene Dreierwechsel mit besserem Untersprung als in den Vierern rundeten das Bild ab: Platz zwei mit 73,341 Prozent.

Spannender Joshua

Rang drei ging mit genau 73 Prozent an das vielleicht talentierteste Pferd des ganzen Feldes, dessen heutige Prüfung mit der gewünschten Harmonie und Leichtigkeit einer Dressuraufgabe allerdings nicht viel zu tun hatte. Als der achtjährige KWPN-Wallach Joshua v. Sezuan unter Isabell Werth durchs Hagener Viereck tanzte, war Action angesagt.

Vor zwei Jahren, als Isabell Werth mit Lisa Müller in Dänemark war, um D’Avie bei Helgstrand Dressage zu erwerben, entdeckte sie Joshua. Der Dunkelbraune ist ein hoch imposantes Pferd mit scheinbar grenzenlosem Bewegungspotenzial. Das in die richtigen Bahnen zu lenken, stellte die erfolgreichste Reiterin aller Zeiten heute allerdings vor gewisse Herausforderungen.

Schon beim Einritt kam deutlich Spannung auf und Joshua galoppierte erstmal an, statt zu traben. Das konnte Werth aber schnell klären. Die Trabtour selbst war dann wahrlich beeindruckend, insbesondere auch die Traversalen. Jedoch war in den Verstärkungen immer wieder das Maul deutlich geöffnet. Doch keine Frage: Traben kann Joshua!

Die Schritttour gelang recht gut, wobei der Wallach sicherlich noch größer zum Schreiten gekommen wäre, wenn er sich entspannter an die Hand herangedehnt hätte. Dafür gab es aber heute noch etwas zu viel zum Gucken. Dennoch: Das ist auch ein sehr guter Schritt. Daraus ließ Joshua sich auch zurückführen, die Schrittpirouetten gehörten zu den besten des Tages.

Im Galopp kam wieder Spannung auf. Dadurch war der Durch- und Untersprung nicht immer sicher gegeben. Es kam Unruhe in der Anlehnung auf und immer wieder zeigte sich das offene Maul. Deutliche Spannungen in den Serienwechseln, die zunehmend auch etwas hektisch wurden.  Werth musste hier ihr ganzes Können in die Waagschale werfen. Das Halten vor dem Rückwärtsrichten war deutlich hinten raus, das Rückwärtsrichten selbst schief. Der Mitteltrab daraus dann wieder beeindruckend. Stehen zu bleiben bei der letzten Grußaufstellung nach nur ca. 30 Metern Trab war dann aber wohl doch etwas zu viel verlangt. Fazit: Tolles Pferd, das aber noch mehr zur inneren und äußeren Losgelassenheit kommen muss.

Was die Richter daraus machten, war so spannend wie die Vorstellung selbst: Die Bewertungen reichten von 68,292 Prozent vom dänischen Chefrichter bei C, Hans-Christian Matthiesen, und 77,439 Prozent von Ute von Platen bei H. Kurz, da lag eine kleine Welt dazwischen.

Weitere Platzierte

Insgesamt qualifizieren sich die besten zwölf Paare der Qualifikation für die eigentliche Etappe des Nürnberger Burg-Pokals, aus der dann wiederum nur der Sieger die Fahrkarte zum Finale in Frankfurt erhält. Angesichts dessen, bei wie vielen Pferden heute noch deutliche Spannungen die Vorstellungen beeinträchtigt haben, könnten die Karten morgen noch einmal ganz neu gemischt werden.

Hinter den Top drei werden dann folgende Pferde und ihre Reiter noch einmal antreten: die Schwedin Malin Wahlkamp-Nilsson auf dem Zack-Sohn Zouzou Majishan und Frederic Wandres mit seinem Wellington-Sieger Dolciario v. Danciano, die gleichauf mit 72,951 Prozent auf Rang vier landeten.

Dann Stefan Wolff und Qui’well, die die Prüfung heute Mittag mit 71,268 Prozent eröffnet hatten.

Ferner Benjamin Werndl und der Don Frederic-Sohn Discover, der alle Qualität der Welt hat, aber zu denjenigen gehörte, die heute nicht so ganz zeigen konnten, was in ihnen steckt (71,195 Prozent).

Juliane Brunkhorst und der Escolar-Sohn Elitist sind mit 70,951 Prozent dabei. Ebenso Holga Finken und der schwungvolle Fuchs Flash Gordon v. Fiderbach.

Ingrid Klimke präsentiert den Franziskus-Sohn Freudentänzer, ein Pferd, an dem sie schon deshalb besonders hängt, weil sie ja nicht nur den Vater zu ihrem bislang erfolgreichsten Dressurpferd gemacht hat. Freudentänzer ist außerdem das letzte Fohlen jener Rubinstein-Tochter, die zuvor auch dem großartigen Damon Hill das Leben geschenkt hatte, der ja ebenfalls bei Klimke zur Grand Prix-Reife gefördert wurde. Das ist auch das Ziel für Freudentänzer. Heute wurden es 69,902 Prozent nach Spannungen im versammelten Schritt und Fehlern in beiden Pirouetten.

Ein ganz sympathisches Paar, dessen Vorstellung heute den harmonischen Abschluss lieferte, waren Andreas Elsbecker und Late Twenty Eight. Der Lemony’s Nicket-Sohn tat aber wirklich alles, um es seinem Reiter recht zu mache, der ihn wiederum mit ganz viel Gefühl durch die Prüfung ritt. Da erschienen 69,756 Prozent fast ein bisschen wenig.

Als letztes Paar sind schließlich auch die Siegerin und Zweitplatzierte des Finales im Vorjahr, Helen Langehanenberg, und die Zonik-Tochter Zaeta de Malleret morgen mit dabei. Bei ihnen wurden es nach teuren Fehlern in den Serienwechseln 69,731 Prozent.

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