Totilas‘ Comeback Nummer zwei: 80,36 Prozent, trotz Fehler

Matthias Alexander Rath und Totilas, 80,36 Prozent

(© Matthias Alexander Rath und Totilas, 80,36 Prozent)

„Natürlich ist ein 15-jähriges Pferd anders als ein zehnjähriges.“ Mit diesem Fazit und dem Verweis darauf, dass Totilas fitter als im vergangenen Jahr sei, hat sich Matthias Alexander Rath mit Totilas im Vier-Sterne-Grand Prix in Hagen zurückgemeldet. Als einer der ersten von 28 Startern kam das Paar auf 80,36 Prozent.

Das zweite Comeback von Totilas endete mit einer Runde, die von den Richtern mit 80,6 Prozent bewertet wurde. „Ein guter Einstieg, in Kapellen haben wir mit 78 Prozent angefangen“, sagte Matthias Alexander Rath mit Blick auf das Turnier in Belgien, auf dem das von dem Niederländer Sjef Jansen trainierte Paar 2014 nach mehr als einem Jahr Wettkampfpause erstmals wieder gestartet war.  Anschließend hatten beiden dann in Aachen Grand Prix und Grand Prix Special gewonnen und nach dem Trainingslager kurz vor der WM in Caen war der Gribaldi-Sohn dann wegen Lahmheit ausgefallen.

Der niederländische Rappe ging heute in Hagen eine gehorsame Prüfung mit einem Fehler in den 15 fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung. In den Passagen brilliert der Hengst nach wie vor. Auch die Piaffen gelangen gut. Für die Galopppirouetten gab es Noten bis 9,0. Totilas sieht sportlich aus. Was aber nicht zu übersehen war: Die Anlehnung war häufig unstet, das Genick hätte ruhiger sein dürfen, die Kandare fiel durch und stand immer mal wieder rechtwinklig zur Maulspalte. Das war schon beim Abreiten so, wo das Paar zwar mehr Menschen als andere Pferd-Reiter-Kombinationen zum Vorbereitungsplatz gelockt hatte, aber die Zeiten der Totilas-Mania scheinen vorbei. Zu seinem ersten Start in Hagen 2011 nachdem Totilas 2010 von Paul Schockemöhle erworben worden war, waren die Tribünenkapazitäten des großen Turniers „Horses & Dreams“ aufgestockt worden. Gestern und heute hatten die Zuschauer ausreichend Optionen, sich den schönsten Sitzplatz auszusuchen, um sich die Vorstellung des Hengstes anzuschauen.

In den starken Tempi in Trab und Galopp hätte man dem Rappen mehr Rahmenerweiterung gewünscht, in der letzten der drei geforderten Diagonalen starker Trab schlichen sich leichte Unregelmäßigkeiten ein. In allen Trabverstärkungen trat das Hinterbein kaum über die Spuren der Vorderhufe. Phasenweise wurde das Pferd eng im Hals, in der ersten Traversalverschiebung im Trab, war das Tempo – Passage? versammelter oder Mitteltrab? – nicht klar. Auf den Fehler in den Tempiwechsel angesprochen, sagte Rath, die Galoppwechsel seien „kein Trauma“, die fliegenden Galoppwechsel zu zwei Sprüngen seien gut gewesen und er könne sich nicht dran erinnern, dass die Galoppwechsel im vergangenen Jahr ein Thema gewesen sein. Vor zwei Wochen, als das Paar in den Niederlanden außer Konkurrenz erstmals wieder in einem Grand Prix am Start gewesen war, hatten die Zweierwechsel nicht geklappt, nicht das erste Mal bei dem Gribaldi-Sohn. So sagte Klaus Roeser, Vorsitzender des Dressurausschuss des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR), nach dem Ritt dann auch, der Fehler in den Einerwechsel sei „nicht überraschend“ gewesen. Die „Art und Weise, wie Matthias geritten ist“ habe ihm aber gefallen, so Roeser.

Nicht nur Totilas, auch Matthias Alexander Rath ist seit vergangenen Sommer nicht mehr in einer Grand Prix-Prüfung am Start gewesen. Mit zunehmender Prüfungsroutine werde er auch an Kleinigkeiten noch feilen können, sagte Rath. „Nach den Zickzack-Traversalen hat man nur die eine Ecke Zeit zur Vorbereitung der Einerwechsel“, so Rath. Damit wolle er nichts beschönigen, sondern nur von Prüfung zu Prüfung denken, wie man es auch im vergangenen Jahr gehalten habe.

Um sich optimal vorbereiten zu können, war Rath, der vormittags mit Danönchen  die Intermediaire I gewonnen hatte, nicht zur Siegerehrung dieser Prüfung eingeritten. Das war einigen am Rand sauer aufgestoßen, sei aber so abgesprochen gewesen mit dem Veranstalter,sagte Rath. „Schon gestern als ich meine frühe Startzeit gesehen habe, habe ich das geklärt“.

Am Sonntagvormittag soll Totilas im Grand Prix Special gehen, an einen Kürritt habe er nie gedacht, sagte sein Reiter. „Ich habe die Musik gar nicht mit“, so Rath, der auf Fragen nach einer EM-Teilnahme mit einem kleinen Lächeln im Mundwinkel auf Bundestrainerin Monica Theodorescu verwies. Die lobte den Ritt, wollte sich aber zu eventuellen Nominierungen nicht äußern. Schon bei den Deutschen Meisterschaften in Balve hatte sie klar gemacht, dass sie die vier besten Pferde, die zu dem Zeitpunkt fit seien, für die Europameisterschafts-Equipe für Aachen berücksichtigen wolle. Nennungsschluss für das Team ist der 4. August, im Anschluss an das Turnier in Hagen will der Dressurausschuss lediglich eine Longlist potenzieller EM-Teilnehmer veröffentlichen.