Verkauf Eremo: Truppa antwortet auf Täuschungsvorwurf

Valentina Truppa und Eremo del Castegno

Valentina Truppa und Eremo del Castegno (ITA) (© Maximilian Schreiner)

Gestern hatte der Brasilianer Dr. Jorge Ferreira da Rocha per offenem Brief dem italienischen 5*-Richter Vincenzo Truppa Täuschung beim Verkauf des Pferdes Eremo del Castegno vorgeworfen. Die Antwort hat keine 24 Stunden auf sich warten lassen und zieht weitere Quellen hinzu, auch aus Deutschland.

In seiner Antwort spricht der Anwalt aus Mailand, dem Ferreira da Rocha unter anderem die Manipulation von Blutproben vorgeworfen hatte, von „Kummer und Überraschung“, die das Schreiben in ihm ausgelöst habe. Vermutlich, so der einleitende Absatz des Antwortbriefs, sei es eine Angelegenheit, die eines Missverständnisses und dem Fakt geschuldet sei, dass man sich nie persönlich getroffen habe.

Anschließend listet Vincenzo Truppa, dessen Tochter Valentina den Rohdiamant-Sohn in den großen Sport gebracht hatte, elf Punkte auf, die die Vorwürfe des Brasilianers, der Ende 2015 den Wallach erworben hatte, entkräften sollen.

Mittelsmann Hubertus Schmidt

Zunächst beleuchtet Truppa die Rolle von Hubertus Schmidt, „meinen langjährigen Freund“, wie er schreibt. Schmidt habe ihn beim Turnier in Stuttgart auf einen möglichen Verkauf Eremos an Dr. Jorge Ferreira da Rocha angesprochen. Der Wallach sei nicht auf dem Markt gewesen und Truppa habe gleich darauf verwiesen, dass aufgrund von Knochenzubildungen (Exotosen) in den Vorderbeinen das Pferd regelmäßig mit dem Präparat Bonefos behandelt wird und einen Spezialbeschlag benötige (Anm. d. Red. Bonefos enthält den Wirkstoff Clodronsäure und soll den Knochenabbau hemmen, weswegen es in der Humanmedizin u.a. bei Osteoporose verschrieben wird.) Schmidt habe trotzdem weiterhin Interesse bekundet und die Tierärztin Dr. Monaco Brossi genannt. Diese habe Eremo umfänglich untersucht, mehr als 80 Röntgenaufnahmen angefertigt und auch die Extosen diagnostiziert, die auf Truppas Betreiben explizit im Kaufvertrag erwähnt worden seien. Außerdem habe die Tierärztin sich mit Truppas Veterinär Dr. Andrea Brignolo besprochen, auch wegen der Eisen für den Spezialbeschlag. In diesem Zusammenhang habe Dr. Brignolo auch darauf hingewiesen, dass eine Blutprobe nicht durchgeführt würde, da die Laborergebnisse erst nach dem vereinbarten Kauftermin vorliegen würden. Außerdem habe er auf das Turnier in Salzburg verwiesen, wo Eremo ja unter der Auflage eines möglichen Dopingtests am Start gewesen war. Allerdings zählt Eremo nicht zu den Pferden, die in Salzburg getestet wurden. Das kann man dem veröffentlichten Protokoll des Weltreiterverbandes (FEI) entnehmen.

Truppa schreibt unter Punkt acht weiter, dass Hubertus Schmidt nach der Ankaufsuntersuchung ihm geschrieben habe, die Tierärztin sei „sehr positiv“ nach der Begutachtung des Pferdes, dass „sehr gute getrabt“ sei, auch „perfekt auf dem Volte“.

Außerdem habe ihm Schmidt am 16. April 2016, also dreieinhalb Monate nach dem Kauf, geschrieben, Jorge sei sehr glücklich mit Eremo. Man habe vor vier Wochen auf einem Turnier trainiert und alles habe sehr gut geklappt. Der Plan sei, im Mai ein Turnier zu reiten. Eine ähnliche Einschätzung habe auch die Dressurreiterin Marietta Almasy ihm mitgeteilt: „Hi Enzo, ich hatte Jorge gestern am Telefon. Sein erstes CDI ist im Mai. Er sagt, er brauche noch mehr Zeit, um Eremo noch besser kennenzulernen, aber er liebt ihn. Er ist sich nicht ganz sicher, was seine Motivation in Bezug auf die Olympischen Spiele anbelangt.“ Daraufhin habe er geantwortet: „Es ist wichtiger, dass er ihn liebt und Spaß habt. Olympische Spiele sind weniger wichtig.“

Truppa kommt zum Ende seines Schreibens zu dem Schluss, dass Eremos Problem zweifellos die Exotosen waren, diese aber ihn aber nicht von einer Fortsetzung seiner sportlichen Karriere abgehalten hätten.

Zum Abschluss geht Truppa auf seine juristische Auseinandersetzung mit dem italienischen Reiterverband FISE ein. Gegen einen laufenden Vertrag, der Eremo bis zu den Olympischen Spielen 2016 als italienisches Teampferd gefesselt hatte, hatte Truppa den Wallach verkauft. In den Jahren 2012 bis 2015 waren immerhin 280.000 Euro dafür an den Besitzer von Eremo geflossen. Erst kürzlich, nach Neuwahlen des FISE, hatten sich der Verband, der Truppa zuvor suspendiert hatte, und der 5*-Richter geeinigt.

Mit seinem abschließenden Punkt 11 ändert Truppa den bislang versöhnlichen Ton. „Es scheint beinahe, dass Ihr Brief von jemandem angeregt worden sei, der mit der gütlichen Art und Weise, wie wir die Kontroverse gelöst haben, nicht einverstanden ist.“

Der Anwalt endet mit dem Hinweis darauf, dass er sich seit 40 Jahren für den Dressursport engagiere „leidenschaftlich und korrekt“. Er wünsche dem Brasilianer, dass dieser das außergewöhnliche Pferd, dass Eremo sei, genießen könne.

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