Wellington: Grand Prix-Siege für Frederic Wandres auf Bluetooth und Charlotte Jorst mit Nintendo

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19 Jahre jung, topfit: Nintendo unter Charlotte Jorst. (© AGDF/Susan J. Stickle)

Dieses Wochenende ist wieder Weltcup-Wochenende beim Global Dressage Festival. Frederic Wandres hat sich allerdings für die „normale“ Grand Prix-Tour entschieden, so war der Weg frei für die Gastgeber.

Die erste Weltcup-Qualifikation beim Global Dressage Festival in Wellington hatten Frederic Wandres und der zwölfjährige Oldenburger Bordeaux-Sohn Bluetooth überlegen für sich entschieden. Die Etappe dieses Wochenende findet hingegen ohne deutsche Beteiligung statt. So war der Weg frei für die US-Reiterin Charlotte Jorst und ihren inzwischen 19-jährigen, nach wie vor topfitten KWPN-Hengst Nintendo.

Es war das erste Mal, dass das Paar den Kurz-Grand Prix geritten ist, der ja nun als Qualifikation für die Kür bei den Weltcup-Stationen obligatorisch ist. 72,579 Prozent gab es für den Negro-Sohn und seine überglückliche Reiterin. „Nintendo fühlt sich immer wieder immer noch besser an“, so die 55-Jährige, die den Hengst zuletzt beim CHIO Aachen im September gezeigt hatte. „Ich habe ihn immer besser vorm Bein, seine Aufrichtung wird immer besser und er liebt seinen Job. Es macht ihm so einen Spaß hier zu sein!“

Jorst hat auch verraten, wie sie den KWPN-Hengst fit hält, den sie 2013 aus dem Stall Helgstrand übernommen hatte: „Er liebt es, rauszukommen und ins Gelände zu gehen. Also geht er jeden Tag eine halbe Stunde raus, ehe ich ihn reite, und dann mach wir auch nur viermal die Woche 15 bis 20 Minuten.“ Außerdem gilt es, gewisse Regeln einzuhalten: „Ich muss ihn immer als ersten reiten, weil er sonst so enttäuscht ist. Er ist meine erste Aufgabe jeden Morgen. Wir gehen viel ins Gelände. So haben wir es schon immer gemacht.“

Die gebürtige Dänin hat große Pläne dieses Jahr. „Ich hoffe, dass ich für den Weltcup eine Wild Card bekomme. Und es wäre natürlich unfassbar, wenn ich in Herning (bei den Weltreiterspielen) an den Start gehen könnte, weil ich aus Dänemark komme.“ Druck macht sie sich oder ihrem Pferd aber keinen, sagt sie. „Ich nehme es, wie es kommt und genieße einfach jede Minute mit ihm und unsere Partnerschaft. Die ist so besonders, man weiß nie, ob man so etwas nochmal erleben wird.“

Gestern ließen die beiden das kanadische Olympiapaar Brittany Fraser-Beaulieu und All In hinter sich. Für den 17-jährigen in den Niederlanden gezogenen Tango-Sohn vergaben die Richter Claudia Thaler (AUT), Kjell Myhre (NOR), Jane Weatherwax (USA), Elke Ebert und Christof Umbach (LUX) 71,895 Prozent.

An dritter Stelle reihte sich der Spanier Juan Matute Guimón mit seinem 16 Jahre alten Hannoveraner Fighting Fit-Sohn Quantico ein. 70,447 Prozent zeigte die Anzeigentafel an. Das war ein Hauch mehr, als bei Anna Buffini (USA) und Davinia La Douce, die sowohl Elke Ebert als auch Christof Umbach vor dem Spanier gesehen hatten.

Einmal mehr Frederic Wandres

Wann immer er in Wellington einreitet, hat Frederic Wandres die Nase vorn. Das war gestern nicht anders. Im Grand Prix der CDI4*-Tour gaben die Richter dem Paar trotz Patzers in den Einerwechseln, den jedoch nicht alle Richter gesehen hatten, 73,565 Prozent.

Damit ließen sie das US-Talent Benjamin Ebeling, 22, auf dem 14-jährigen belgischen Spielberg-Sohn Illuster van de Kampert hinter sich. Die beiden verloren Punkte in der letzten Piaffe, kamen so auf 73,130 Prozent.

Dritter wurde der belgische WM- und EM-Teilnehmer von 2014 und 2015, Laurence Vanommeslaghe, auf dem KWPN-Wallach Edison, einem Sohn von Hans Peter Minderhouds Johnson, der mit 70,609 Prozent aus dem Viereck gekommen war.

Wandres nach seinem Ritt: „In der ersten Woche war er ein wenig müde. Heute war es ein bisschen das Gegenteil. Ich hatte das Gefühl, er ist echt frisch. Das gefiel mir wirklich gut.“ Warum er sich dieses Wochenende für den langen Grand Prix entschieden hat? „Ich dachte, ich solle nochmal den normalen Grand Prix reiten, weil ich bei den ganzen letzten Turnieren den Kurz-Grand Prix geritten bin.“ Der von Ingrid Klimke auf Grand Prix-Niveau geförderte Blue Tooth sei noch ein recht junges Grand Prix-Pferd. Von daher sei es nicht immer einfach, zwischen den Aufgaben zu wechseln. Aber Wandres ist überzeugt von dem Wallach: „Ich denke, insgesamt ist er ein sehr elegantes Pferd mit viel Ausstrahlung, das keine wirklichen Schwächen hat. Ganz sicher sind die Verstärkungen und die Piaffe-Passage-Tour etwas, was er wirklich gut entwickelt hat.“

Das Weltcup-Finale in Leipzig ist übrigens kein Thema für die beiden. Sie wollen pünktlich zu ihrem Heimturnier, den Horses & Dreams auf Hof Kasselmann, Wandres‘ Arbeitgeber, wieder zuhause sein und dann an den Sichtungen für die WM teilnehmen.

Kleine Tour

Für Wanders war das mit Bluetooth gestern nicht das einzige blaue Band des Siegers in den USA. In der kleinen Tour stellte er den heute achtjährigen ehemaligen Hannoveraner Dressurpferdechampion Dolciario v. Dancier vor, der sich mit 74,235 Prozent den Prix St. Georges sicherte.

Der andere Prix St. Georges ging ebenfalls nach Deutschland. Zumindest fast, denn es war Susan Pape, die hier im Sattel des Siegers saß, die ja für ihre britische Heimat reitet, aber schon lange in Deutschland lebt. Sie stellte den achtjährigen Oldenburger Hengst V-Plus vor, einen Vivaldi-Sohn, der auf der Station Pape auch im Deckeinsatz ist. Für ihn war gestern internationale Premiere in der schweren Klasse. 2019 war er als damals Fünfjähriger bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start. Auch auf deutschem Boden waren die Turniereinsätze überschaubar. 2019 war er auch Finalist beim Bundeschampionat. 2020 ging er gar kein Turnier, 2021 gewann er eine M-Dressur und war in S einmal an dritter und einmal an vierter Stelle platziert. Gestern in Wellington war er jüngstes Pferd der Prüfung und gewann sie mit 71,912 Prozent.

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