WM 2018: Jessica von Bredow-Werndl und Dalera bringen Deutschland in Führung

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Jessica von Bredow-Werndl und Dalera kamen mit 76,677 Prozent aus dem Grand Prix. (© Pauline von Hardenberg)

Mit einem guten Ritt von Jessica von Bredow-Werndl und Dalera ist die deutsche Dressurequipe in den Wettkampf um die Weltmeisterschaften 2018 gestartet.

Schon als die elfjährige Trakehner Stute Dalera in das Hauptstadion kam, hatten sich die Reihen gefüllt. Zumindest auf der Teilnehmertribüne überwog auf einmal die Fabe rot. Die Teamshirts der deutschen Mannschaft, vor allem die Buschmannschaft, bevölkerten das Stadion zusätzlich. Damit waren vielleicht 250 Zuschauer in dem Rund, das mehr als 10.000 Zuschauern Platz bietet.

„Dalera war von Anfang an cool“

Jessica von Bredow-Werndl wirkte fokussiert. Sie ließ Dalera noch einmal in einer Piaffe-Pirouette antreten. Da war die Glocke zum Start bereits erklungen. Nervös sei sie heute morgen beim Aufwachen noch nicht gewesen, erster WM-Start des Lebens hin oder her. „Ich habe mir die ersten zwei angeschaut, zusammen mit meinem Bruder Benni, da habe ich dann schon so ein Kribbeln am ganzen Körper gespürt. Aber ich habe mir dann gesagt, wie viele jetzt gerne in meiner Haut stecken würden.“ Daraus, so sagt die Reiterin aus Aubenhausen, habe sie Kraft geschöpft.

Die Grußaufstellung zählt zu den Lektionen, bei denen noch „Luft nach oben ist“. Nicht hundertprozentig ausbalanciert stand die Easy Game-Tochter. Aber dann. Schon der erste kraftvolle starke Trab machte deutlich, was die weit kreuzenden Trabtraversalen nach rechts  und links unterstrichen. Hier ist kein Paar am Start, das nur „Dabeisein ist alles“ als Motto hat. Es folgte ein sehr gutes, ausbalanciertes Rückwärtsrichten, flüssig, willig und sicher in der Anlehnung (7,4).

Eigentlich gab es nur einen Zittermoment in der Prüfung. In der ersten Piaffe. Die ersten acht Tritte, sahen noch gut aus. Doch dann verzögerten sich die Bewegungen. „Mein Fehler, ich hatte sie am Schenkel gut vorbereitet, aber dann war ich einen Tucken zu lange mit der Hand dran“. Damit gab es „nur“ eine 7,0 in der Lektion, in der die Trakehner Stute doch eigentlich punkten kann. Trotzdem zeigte die Anzeigentafel mit dem Resultat des laufenden Ritts noch über 75 Prozent zu diesem Zeitpunkt an. Das Punkten ging weiter: Starker Schritt (7,6), gute Passage. Dann die zweite Piaffe. Die gelang um Klassen besser als die erste.

Das war mir wichtig, dass ich in der Prüfung zeigen konnte, wie gut Dalera piaffieren kann.

Die Richter haben das verstanden, 7,6 für die zweite Piaffe. Auch die Serienwechsel gelangen sicher. Die zweite Galopppirouette war sicherlich eine der besten, die die im Grand Prix Sport noch recht unerfahrene Dalera bislang im Turnierviereck gezeigt hat. Mit einer fleißigen, gut gesetzten Piaffe – der besten der bisherigen Prüfung – beendete das Paar sein Grand Prix-Debüt. 76,677 Prozent bedeuteten die Führung nach den ersten 16 Startern!

Brite auf Platz zwei, Suppenkasper für die USA mit Spannung

Auf Platz zwei liegen der Brite Spencer Wilton und der De Niro-Sohn Super Nova II. Das Pferd ging in schöner Silhouette, zeigte gute Trabtraversalen. Beim Rückwärtsrichten war der riesengroße Braune etwas gegen die Hand. Die erste Piaffe begann gut, dann gab es  Rhythmusprobleme. „Er hatte etwas Spannung, das äußert sich in der Piaffe manchmal“, sagt der Brite nachher. Er war zufrieden. Zumal es auch ihm gelungen war, die Piaffen im Laufe der Prüfung zu verbessern. Zwischenzeitlich lag er über 75 Prozent. Am Ende lautete das Resultat 74,581 Prozent.

Der erste US-Starter, Steffen Peters und Suppenkasper, der nach dem Ausfall von Rosamunde nachgerückt war, begann mit einer misslungenen Grußaufstellung, 47 Prozent. Insgesamt war es kein spannungsfreier Ritt. Die zweite Piaffe war deutlich schwankend mit zu wenigen Tritten. Das Pferd immer wieder unausbalanciert. Auch in der Galopptour kam das Pferd, das von Hause aus mit einer großen Mechanik ausgestattet ist, nicht zur letzten Losgelassenheit.

Technisch geschickt geritten konnte Peters aber Punkte sammeln. Etwa in den Pirouetten. Symptomatisch für den Ritt: die letzte Piaffe. Nach acht schwankenden Tritten – gefordert sind zwölf bis 15 und die nicht schwankend – rettete sich das Pferd, das die Hinterhand viel zu weit unterm Körper hatte, um noch im Gleichgewicht zu bleiben, mit einer Art kleinem Hopser in die Passage. Auch der Jubel der amerikanischen Zuschauer konnte nicht mehr als 73,509 Prozent bei den Juroren herausholen. Aber Peters galt schon im Vorfeld als potenzielles Streichergebnis, nachdem sich die drei Reiterinnen des US-Teams in Aachen so stark gezeigt hatten.

Es folgen: Schweden und Dänemark

Platz fünf nehmen nach den ersten 20 von insgesamt 77 Startern die Niederlande ein. Madeleine Witte-Vrees ritt den Hengst Cennin durch die Prüfung. Man vermisste die Selbsthaltung. Der Fuchshengst ging häufig mit offenem Maul. In den Piaffen kippte er im Hals nach vorne ab, 72,966 Prozent. Dem schwedischen Routinier-Paar Tinne Vilhelmson-Silfvén und dem 16-jährigen Don Auriello gaben die Richter 73,106 Prozent.

Einen Totalausfall gab es im von dem Niederländer Sjef Jansen als Nationaltrainer betreuten belgischen Team. Isabell Cools Dunkelbrauner Arranco blockierte und war danach kaum mehr dazu zu bewegen, das Viereck zu verlassen. Das Pferd stieg, lief rückwärts, die Reiterin war chancenlos.

Dorothee Schneider geht als zweite deutsche Starterin um 15.33/21.33 Uhr an den Start.

Ergebnisse finden Sie hier.

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