Zeiskam: Die DJM-Schärpen sind verteilt

Sonntag ist Finaltag bei den Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM) in Zeiskam. Die neuen Meister wurden ermittelt, die Medaillen verteilt. Zum Schluss konnte da noch mancher Spieß umgedreht werden.

SPRINGEN

Wobei Enno Klaphake und Nikolina bei den Ponyspringreitern zu keiner Zeit Zweifel an ihrer Überlegenheit bei diesem Turnier aufkommen ließen. Sie beendeten alle Wertungsprüfungen inklusive Stechen mit einer makellos weißen Weste und sicherten sich Gold. Silber und Bronze holten Ennos Mannschaftskameraden von der Europameisterschaft in Millstreet, Philipp Schulze-Topphoff mit Mentos Junior und Lars Volmer auf Carrick. Zusammen mit Justine Tebbel hatten die drei Bronze gewonnen bei der EM. Jetzt kamen also noch weitere Medaillen hinzu, Silber für Schulze-Topphoff und Bronze für Volmer. Die beiden verteilten die Medaillen im Stechen, wo sie jeweils vier Strafpunkte hatten und der Westfale mit 33,25 Sekunden einen Hauch schneller war als sein Kollege aus Weser-Ems (33,82).

Auch bei den Children kam es zum Stechen. Hier hatte am Ende Max Haunhorst aus Weser-Ems im Sattel von Florida Lady Ixes mit fehlerfreien 39,30 Sekunden die Nase vorn und kletterte aufs oberste Treppchen. Der Vize-Titel ging an Joan Wecke aus Sachsen-Anhalt mit Nena (0/42,61). Bronze sicherte sich die Schleswig-Holsteinerin Beeke Carstensen mit Venetzia nachdem sie vier Fehler im Stechen kassiert hatten.

Eines reines Holsteiner Podium gab es bei den Junioren. Hier siegte mit insgesamt 4,05 Strafpunkten aus allen drei Wertungen Theresa Ripke auf Calmado vor Teike Carstensen auf Cara Mia (5,12) und Jesse Luther mit Tibro (5,45). Bemerkenswert: Ripke war nach der zweiten Wertung noch Zehnte gewesen. Zwei fehlerfreie Runden im Finale verhalfen ihr zum Titel.

Was bei den Junioren Schleswig-Holstein, war bei den Jungen Reitern Weser-Ems – Heimat aller drei Medaillenträger. Nach Silber 2013 gab es diesmal Gold für Guido Klatte Jr. mit Cornet’s Prinz, und das trotz eines Abwurfs im finalen Springen, der sein Punktekonto auf 6,39 Zähler ansteigen ließ. Da aber sowohl die bis dato führende Kaya Lüthi mit Pret a Tout als auch der zwischenzeitlich zweitplatzierte Henry Vaske auf Quinaro sich in beiden Umläufen des Finales je einen Fehler erlaubten, fielen diese beiden auf die Plätze sechs bzw sieben zurück und der Weg war frei für die vor dem Finale Dritt-, Viert- und Fünftplatzierten. Neben Klatte Jr. waren dies Maurice Tebbel auf Cooper, der am Ende Silber gewann (7,37) und Laura Klaphake im Sattel von Nifrane de Kreisker (8,0) mit Bronze.

DRESSUR

Sönke Rothenberger war das Maß der Dinge bei den Jungen Reitern auf dem Dressurviereck. Mit seinem KWPN-Wallach Cosmo gewann er alle Wertungsprüfungen und kam auf einen Endstand von 235,025 Punkten – ein Sieg mit Weile, denn Silber gab es mit 221,439 Zählern. Die errritt sich die zweifache EM-Silbermedaillengewinnerin aus Bayern, Lisa-Maria Klössinger im Sattel des Württembergers Daktari. Allerdings wurde der Schülerin Ulla Salzgebers nichts geschenkt. Denn Bianca Nowag und Fair Play RB waren nach der ersten Prüfung noch vor ihnen rangiert gewesen, konnten das aber nicht bis zum Ende durchhalten und sicherten sich so Bronze mit 219,698 Punkten.

Sönke Rothenberger war übrigens im doppelten Einsatz bei den Meisterschaften, im Dressur- und im Springsattel. Auch im Parcours schlug er sich wacker auf Rang zwölf. Für die „Silbrfrau 2014“ Lisa-Maria Klössinger ist dies das letzte Junge Reiter-Jahr gewesen. Schon im vergangenen Jahr war sie mit New Lord parallel im Piaff Förderpreis am Start gewesen und konnte dort Platz drei im Finale erreichen.

Die Konkurrenz der U18-jährigen Dressurreiter dominierte unangefochten die dreifache Europameisterin Anna-Christina Abbelen mit Fürst on Tour. Das Paar sicherte sich alle drei Wertungsprüfungen und glänzte besonders in der Kür mit 84,450 Prozent. Silber holte sich dank einer 79,250 Prozent-Kür Semmieke Rothenberger in ihrem ersten Junioren-Jahr auf der gerade erst erworbenen Stute Geisha, einer zwölfjährigen Gribaldi-Tochter, die bei den Future Champions in Hagen noch mit Victoria Vallentin unter dänischer Flagge lief. Die Familie Rothenberger hat die dänische Warmblutstute dann aus dem Stall von Andreas Helgstrand gekauft. Nach der zweiten Wertungsprüfung hatten die beiden noch auf dem dritten Rang gelegen – auch das schon bemerkenswert. Im Finale spielte die noch nicht ganz 15-Jährige dann ihre Prüfungs-Routine aus und zog noch an Jessica Krieg vorbei (die freilich auch kein Neuling in der Szene ist). Krieg hatte nicht ihr Top Pferd Special Edition gesattelt, sondern die Stute Revers Side, die sie Anfang des Jahres übernommen hat. Am Ende musste sie sich nur knapp geschlagen geben (224,381 zu 222,945 Punkten) und holte Bronze ins Rheinland.

Bei den Ponyreitern ist es Maike Mende und Desert Rose gelungen, der dreifachen Europameisterin Semmieke Rothenberger mit Golden Girl den Rang abzulaufen. Die Langehanenberg-Schülerin Mende aus Westfalen gewann alle drei Wertungsprüfungen, die Kür sogar mit 82,575 Prozent. Das dürfte ein schönes Trostpflaster für die EM in Millstreet sein, wo Desert Rose nicht in gewohnter Form ging. „Bei der Euro war sie unheimlich rossig und einfach nicht bei der Sache“, berichtete sie jetzt. Desert Rose ist bei weitem nicht Mendes einzige Aufgabe derzeit. Die Stute wird ihr wie auch drei weitere Ponys zur Verfügung gestellt, damit Maike sie unter Aufsicht von Helen Langehanenberg zum Bundeschampionat und für andere Prüfungen vorbereitet. Parallel startete die Westfälin auch bei den Junioren, wo sie mit Rothschild Platz sechs belegte.
Semmieke Rothenberger konnte Platz zwei bis zuletzt halten. Auf Bronzekurs war nach der zweiten Wertung noch die ebenfalls zum siegreichen EM-Team gehörende Lea-Luise Nehls mit De Long gewesen. Aber in der Kür lief es nicht so recht (Platz acht in der Endabrechnung), so dass die beiden Berlin-Brandenburger den Weg frei machten für Raphael Netz aus Rheinland-Pfalz mit Schierensee’s Don’t do it, den einzigen Jungen unter all den Mädchen.

Im Liselott-Rheinberger-Nachwuchsförderpreis auf L-Niveau mit Pferdewechsel im Finale konnte am Ende die Baden-Württembergerin Ann-Cathrin Rieg (nicht Ried, wie in einer vorherigen Ergebnisliste versehentlich angegeben) sich mit überzeugenden Leistungen auf dem eigenen und den Fremdpferden doch noch den Titel sichern. Vor dem Finale hatte sie noch knapp hinter der Rheinländerin Annika Rühl auf Fidelia gelegen. Im Finale glänzte sie dann mit einer 8,9 auf ihrem eigenen Pferd, dem in Holland gezogenen Contango-Sohn Bendix, und jeweils einer 8,4 auf den Fremdpferden. Machte in Summe 25,7 Punkte.
Rühl wurde Zweite mit 25,4 Punkten. Sie dürfte sich besonders ärgern, weil sie wertvolle Punkte durch Verreiten auf ihrem eigenen Pferd verschenkte. Dafür kann sie sich über die höchste Bewertung mit einem Fremdpferd freuen. Denn auf der bayerischen Stute Emilie von der Dritten im Bunde, Fabienne Schlösser, vergaben die Richter eine 8,7 für Rühl. Fabienne Schlösser holte Bronze mit 24,3 Punkten.

„Das Bundesnachwuchschampionat hat sich zu einem echten Karriere-Sprungbrett entwickelt“, zog der zuständige Bundestrainer Oliver Oelrich sein Fazit über die Veranstaltung. So wurden in den vergangenen Jahren die Anforderungen von A auf L-Niveau erhöht und die Ritte aufs 20 mal 60 große Viereck verlegt. „Dadurch wird der Übergang zu den Junioren erleichtert“, sagt Oelrich, „aber auch durch die bessere Qualität der Pferde.“ Das Ergebnis ist bereits erkennbar, denn mehr als ein Fünftel des aktuellen Juniorenstarterfeldes Jahrgangs in Zeiskam bestand aus ehemaligen Bundesnachwuchschampionatsteilnehmern, „Und auch aus diesem Jahrgang haben etliche die Perspektive den nächsten Schritt zu machen“, so Oelrich.
Alle Ergebnisse gibt es hier.

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