Genmanipulierter Impfstoff: Schockemöhle erwägt Verzicht

Nach
bundesweiten Protesten wird Paul Schockemöhle voraussichtlich den Antrag auf Versuche mit gentechnisch verändertem Impfstoff verzichten. „Ich bedaure das
sehr, denn damit hätte man vielen kranken Fohlen helfen können“. 

Der niederländische Pharma-Konzern MSD Animal Health hat einen auf drei Jahre geplanten Test beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beantragt. In den Jahren 2012 bis 2014 sollte ab dem Frühjahr an Fohlen des Gestüts Lewitz (Mecklenburg-Vorpommern) in einer zehn Kilometer entfernten Quarantänestation in einem breit angelegten Versuch ein neuartiger gen-manipulierter Lebendimpfstoff getestet werden. Ein Teil der Fohlen sollte einen Impfstoff gegen Infektionen mit dem Bakterium Rhodococcus Equi erhalten, ein anderer Teil ein Placebo. Auf dem Gestüt von Paul Schockemöhle stehen rund 3500 Pferde, jährlich werden rund 650 Fohlen geboren. Infektionen mit dem Bakterium Rhodococcus Equi sind weit verbreitet bei Fohlen, sie verlaufen häufig tödlich, beziehungsweise verursachen schwere Schäden an den Luftwegen, die als Folge häufig die Unbrauchbarkeit als Sportpferd bedeuten. Bisher gab es keinen wirksamen Impfschutz gegen diese Form der eitrigen Lungenentzündung.

Noch bis zum 16. Februar kann gegen den Versuch beim BVL Einspruch erhoben werden, davon machte jetzt unter anderem das Umweltinstitut München Gebrauch. Gen-Lebenimpfstoffe stellen ein nicht abschätzbares Risiko für die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier dar, erklärte Anja Sobczak, die Gentechnik-Referentin des Umweltinstituts. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass genmanipulierte Bakterien auch Krankheiten bei immun-geschwächten Menschen verursachen. Deswegen müsse die Freisetzung von Gen-Lebendimpfstoffen grundsätzlich verboten werden.

Auf seiner Website ruft das Umweltinstitut, ein gemeinnütziger, nicht staatlicher Verein, zu einer Protestaktion auf. Der Ton ist dabei merklich schärfer. Das Institut wirft Schockemöhle Massentierhaltung vor. Der fertige Impfstoff solle später in Zuchtfabriken, in denen mehrere tausend Pferde auf engstem Raum gehalten werden eingesetzt werden. Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Schockemöhle vehement. In Lewitz werden die Pferde in entsprechend großen Laufställen in Gruppen zu maximal 30 bis 40 Pferden gehalten, in einigen Gruppen sind nur acht bis zehn Pferde, andere stehen in Einzelboxen. Die Verbandssprecherin gibt allerdings zu, dass sie noch nie in Lewitz war, um sich selbst ein Bild von der Massentierhaltung zu machen. Den 3500 Pferden in Lewitz stehen 2000 Hektar Grünland zur Verfügung, damit kommen auf 1 Ha Grünland 1,75 Pferde, deutlich weniger also als das von landwirtschafltichen Experten geforderte Höchstmaß von zwei Pferden pro Hektar. Vielleicht würde sie dann  den Vergleich mit der Käfighaltung bei Hühnern oderder  Schweinehaltung auf engstem Raum etwas vorsichtiger verwenden.

Paul Schockemöhle betont, dass der Versuch zu Forschungszwecken und zur Entwicklung eines Impfstoffs geplant gewesen sei, der allen Pferdehaltern zugute gekommen wäre.  Wir selber haben das Problem mit unseren Fohlen jetzt sehr gut im Griff. Wir nehmen Blut beim Neugeborenen ab, zählen die Leukozyten und überprüfen gegebenenfalls die Größe der Geschwüre in der Lunge, um dann Antibiotika einzusetzen. Damit sind wir zehn Tage eher am Geschehen. Auf diese Weise haben wir in der vergangenen Saison nur ein Fohlen verloren, bei dem die Symptome übersehen worden waren.

Eine Infektion zu vermeiden ist zwar sinnvoller, als eine ausgebrochene Infektion zu bekämpfen. Dennoch will Schockemöhle auf den Versuchen, einen Impfstoff zu entwickeln, aufgrund der Proteste  zu „95 Prozent“ verzichten. 

Gabriele Pochhammer

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