Happy Birthday auf Gut Ising

Der Chiemsee Polo Club feiert 20. Geburtstag


 

Ein richtiges Jubiläum ist der 20. Geburtstag zwar nicht, aber doch ein schöner Grund zum Feiern. Und das taten die Mitglieder und Freunde des Chiemsee Polo Clubs Gut Ising denn auch ausgiebig. Bei einem leckeren Dinner im Ristorante Il Cavallo in der großen Reithalle ließ man in launigen Reden und schönen, alten Fotos die Clubgeschichte aufleben und gab aber nicht fürs Protokoll die eine oder andere Anekdote zum Besten.

Alles begann damit, dass Wolf Jage 1989 von Berlin an den Waginger See zog. Ich hab zwei Pfosten als Tor aufgestellt und allein mit meinen Pferden Polo gespielt. Das war ziemlich langweilig, schilderte Jage die Anfangszeit. Der Preiß suchte Mitspieler. Bald stieg im kleinen Petting das erste Polo-Turnier. Der Dorf-Metzger schmierte Semmeln. Auf Dauer wünschten sich die Polo-Spieler dann allerdings ein geeignetes Ambiente für ihren Sport. Das malerisch über dem Chiemsee gelegene Vier-Sterne-Hotel Gut Ising mit seinen weitläufigen Reitanlagen schien Jage wie geschaffen. Als er den Besitzer Konstantin Magalow ansprach, war dieser zwar zunächst etwas skeptisch, ließ sich aber dann doch überzeugen. Gemeinsam gründeten sie mit Gleichgesinnten den Chiemsee Polo Club.

Magalow, der früher im Springsattel international erfolgreich war, erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit Polo. Als Schüler im englischen Brighton sah er, wie Prinz Philip einen Salto mit dem Torpfosten drehte. Viele Jahre später zog es ihn als Zuschauer zu den Polo-Turnieren in Thann bei Holzkirchen. Und schließlich gab er dem Sport der Könige auf Gut Ising ein Zuhause. Wohl nirgendwo sonst fühlen sich Dressur-, Spring-, Vielseitigkeits-, Freizeitreiter und Polospieler gleichermaßen wohl. Auch Golf und Tennis sowie Fahrten mit der Kutsche und mit dem Heißluftballon werden angeboten. Die Leute machen heute nicht nur einen Sport, sie surfen durch die Sportarten, sagt Magalow. Und nicht nur das. Seit neuestem hat das Hotel eine Vital Oase. Hier können sich die Gäste von Susanne Kauderer und Petko Donchev bei Schönheits-, Wellness- und Physiotherapiebehandlungen verwöhnen lassen. Auch gastronomisch geht es ab Juni weiter aufwärts. Direktor Robert Marat gelang es, Rüdiger Linke als Küchenchef zu verpflichten.

Die Zukunft des Polo ist ebenfalls gesichert. 1995 holte Magalow den renommierten argentinischen Trainer Carlos Velazquez von Thann nach Ising. Wir haben anfangs mit Carlito verhandelt wie mit dem Fußballstar Maradonna. Er hatte hohe Ansprüche, aber nachher gings dann schon, schmunzelt Magalow. Mittlerweile ist der beliebte Trainer seit 14 Jahren auf Gut Ising. Im benachbarten Fehling hat er einen eigenen Stall für die Poloponies gepachtet. Vor neun Jahren gründete er die Chiemsee Poloschule El Condor, ist aber auch weiterhin als aktiver Spieler erfolgreich. Vor allem die Nachwuchsförderung liegt ihm am Herzen. Mittlerweile haben die Isinger schon vier Jugendteams.

Magalow war zwar die ersten zehn Jahre Präsident des Chiemsee Polo-Clubs, hegte aber nie eigene sportliche Ambitionen. Dafür genoss er das Après-Polo umso mehr. Auch sein Amtsnachfolger Walter Niederberger, zugleich 1. Vizepräsident des Deutschen Poloverbands, erinnert sich nicht nur gern an die errungenen Siege, sondern auch an die Lagerfeuerromantik mit Gitarre. Wir haben bis morgens auf dem Polofeld gefeiert bis der Nachbar Einspruch erhoben hat. Inzwischen wurden die feucht-fröhlichen Abende mit Gesang in die Hotelbar verlegt. Ein mindestens ebenso angenehmer Aspekt des Clublebens sind die Reisen zu befreundeten Clubs in aller Welt, an die Niederberger erinnerte. Die Isinger fuhren zu Turnieren bis nach Nairobi und in den Nahen Osten. Gute Kontakte bestehen nach Wien und nach Mailand. Österreicher gehörten übrigens von Anfang an zum Chiemsee Polo Club. Seit einigen Jahren verstärken drei Österreicherinnen den Club und bringen jede Menge gute Laune mit. Der Ladies Cup, ein reines Damenturnier, wurde in Ising mit sechs Teams ausgetragen. Mittlerweile sind etwa ein Drittel der 30 Mitglieder Frauen.

Ein Höhepunkt der Feier war die Ehrung verdienter Mitglieder, doch am meisten gelacht wurde bei der Fotoshow. Fotograf Rainer Vinzent kommentierte mit viel Witz die Aufnahmen, die er und seine Frau Daniela Walther in den letzten 20 Jahren gemacht hatten. Auf spektakulären Sportbildern, stimmungsvollen Fotos von Turnieren, vom Training und vom Feiern bekam jeder sein Fett ab, wie Vinzent augenzwinkernd formulierte. Dass der Ausklang der Feier in der Hotelbar bis zum Morgen dauern würde, war klar. Auch in den kommenden 20 Jahren werden die Polo-Freunde sicher nicht nur beim Spielen ihren Spaß haben.                        Sabine Neumann