Herpes in Norddeutschland

Betroffen ist ein Reitstall im Landkreis Harburg vor den Toren Hamburgs, der durch das Kreisveterinäramt tierseuchenrechtlich gesperrt wurde. Derzeit darf dort kein Pferd den Hof verlassen oder von außen betreten.

Rund 30 Pferde sind erkrankt, aber nur bei zweien konnte bisher eindeutig Herpes nachgewiesen werden. Bei den anderen wurden Blutproben genommen, die derzeit noch untersucht werden. Zwei Pferde sind gestorben. Beide hatten Lähmungserscheinungen. Der Verdacht liege nah, dass eine Herpeserkrankung die Ursache war, sicher bestätigt sei dies aber noch nicht, erklärt Thorsten Völker vom Harburger Kreisveterinäramt.

Völker beruhigt die Pferdebesitzer im Landkreis Harburg. Von einem grassierenden Virus könne in keiner Weise die Rede sein: „Derzeit haben wir keinen Anlass zu glauben, dass weitere Pferdebestände betroffen sind. Unser Rat an Pferdehalter in der Umgebung: Machen Sie mit ihren Pferden ganz normal weiter, wie immer!“ Völker ist überzeugt, die Verunsicherung, die derzeit herrscht, sei nicht angemessen. Die Pferdebesitzer außerhalb des betroffenen Betriebes bräuchten sich keine Sorgen zu machen.

Tückisches Virus

Beinahe jedes Pferd wird früher oder später mit dem Herpesvirus konfrontiert. Der Erreger des Virus verbleibt dann oft passiv im Organismus. Es zieht sich zurück in die Nervenzellen und bleibt dort unbehelligt vom Immunsystem des Körpers. Ca. 90 Prozent der Pferdepopulation sind Träger des Virus.
Problematisch wird es, wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa durch Stress oder weil das Pferd mit einer anderen Krankheit zu kämpfen hat. Dann kann das Virus freigesetzt werden. Das heißt aber noch nicht, dass das Pferd dann auch klinische Symptome zeigt. Trotzdem kann es andere Pferde anstecken. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, kann aber auch indirekt über das Putzzeug oder die Kontaktpersonen von einem aufs andere Pferd überspringen. Gefürchtet bei Züchtern ist Herpes vor allen Dingen deshalb, weil der Virus zum Abort tragender Stuten führen kann.

Erkrankte Pferde können nur symptomatisch behandelt werden. Das Virus lässt sich nicht ausmerzen. In der Regel wird das Immunsystem medikamentös gestärkt und versucht, einhergehende Entzündungen mit Kortison etc. zu behandeln. Tritt zu der Virus- eine bakterielle Infektion auf, setzt man Antibiotika ein. Es gibt auch Versuche mit Medikamenten aus der Humanmedizin, die die Virusvermehrung hemmen sollen. Diese sind jedoch recht teuer und ihre Wirksamkeit ist unsicher.

Vor einem Herpesausbruch schützen kann man die Pferde nur durch ein funktionierendes Immunsytem mit einem hohen Antikörperspiegel im Blut. Werden die Viren freigesetzt und geraten in den Blutkreislauf, können die Antikörper sie dann abwehren. Dafür sind regelmäßige Impfungen des gesamten Bestandes erforderlich. Geimpfte Pferde scheiden nämlich wesentlich weniger Viren aus, so dass der Infektionsdruck in einem durchgeimpften Bestand relativ niedrig ist. Herpes zählt nicht zu den Pflichtimpfungen, wie z.B. gegen Influenza. Diese ist zumindest für Turnierpferde verpflichtend.

Auch gibt es keine offiziellen Quarantänevorschriften bei einem Herpesausbruch, wie bei anderen Tierseuchen, die anzeigepflichtig sind. Aufgrund der starken Ansteckungsgefahr wird jedoch dringend empfohlen, betroffene Pferde bzw. ganze Stalltrakte zu isolieren. Die Pfleger sollten peinlichste Hygiene walten lassen, wenn sie die Pferde versorgen (Kleiderwechsel, Hände waschen und desinfizieren usw.).

Aufgrund von Nachfragen: Es handelt sich bei dem betroffenen Stall NICHT um den Reit – und Fahrverein Meckelfeld und Umgebung v. 1921 e.V., der in zwei Wochen sein Maiturnier durchführt und NICHT um den Reit- und Voltigierverein Buchholz-Vaensen e.V., der am letzten Aprilwochenende ein Turnier abhält!