Japanische Experten äußern Bedenken in Sachen Olympia 2021

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Die Objekte der Begierde eines jeden Sportlers, der es zu den Olympischen Spielen 2020 bzw. 2021 schafft: die Olympiamedaillen aus Elektroschrott. (© BEHROUZ MEHRI/AFP via Getty Images)

Wie englisch- und deutschsprachige Tageszeitungen übereinstimmend berichten, hat die Japan Medical Association (JMA) heute Bedenken bezüglich der Austragung der Olympischen Spiele 2021 in Tokio geäußert.

Yoshitake Yokokura ist der Präsident der Japan Medical Association. Er wandte sich heute mit folgender Aussage an die Medien: „Wenn kein wirksamer Impfstoff entwickelt wird, halte ich es für schwierig, die Olympischen Spiele im kommenden Jahr auszurichten.“ Das solle aber noch keine Absage sein: „Ich sage zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Spiele nicht stattfinden sollten. Der Ausbruch beschränkt sich nicht nur auf Japan. Es ist eine weltweite Angelegenheit.“

Und nicht nur seitens der Behörden wurden Zweifel angemeldet. Die britische Zeitung „The Guardian“ zitiert auch Kentaro Iwata, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Universität Kobe. Er sagte, er halte es für „unwahrscheinlich“, dass die Spiele in einem Jahr werden stattfinden können.

„Um ehrlich zu sein, ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass die Olympischen Spiele nächstes Jahr abgehalten werden können. Olympia stattfinden zu lassen, braucht zwei Voraussetzungen: die Kontrolle über Covid-19 in Japan und die Kontrolle über Covid-19 überall.“

Daraus schließt er das Fazit: „Ich bin sehr pessimistisch, was die Austragung der Olympischen Spiele nächsten Sommer angeht, es sei denn man hielte sie in einem völlig anderen Rahmen ab, beispielsweise ohne Zuschauer oder einer sehr begrenzten Teilnahme.“

Nochmal verschieben nicht möglich

Die BILD-Zeitung zitiert indes den Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in Tokio, Yoshiro Mori. Der 82-Jährige habe gegenüber der Zeitung „Nikkan Sports“ deutlich gemacht, dass eine erneute Verlegung der Spiele nicht infrage komme. „In dem Fall werden sie abgesagt.“

Mori bleibt aber optimistisch, dass die Spiele werden stattfinden können. Die Menschheit setze darauf, dass die „Olympischen Spiele in Frieden“ durchgeführt werden können, wenn der „unsichtbare Feind“ bekämpft sei.

Reaktion des IOC

Die Olympischen Spiele, die eigentlich dieses Jahr hätten stattfinden sollen, waren wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben worden und sollen wie auch für dieses Jahr geplant, in den letzten Wochen des Juli und den ersten des August stattfinden.

Von Seiten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) heißt es, es sei zu früh zu sagen, ob der Ausbruch die Olympischen Spiele weiter beeinflussen könnte. John Coates, der für die Überwachung der Vorbereitungen die Spiele in Tokio verantwortlich ist, gab allerdings auch zu, dass die Situation weiterhin nicht vorhersehbar ist. Aber das IOC habe sich so viel Zeit genommen, wie möglich. Es könne sein, dass es „immer die Anzahl der Menschen, die sich versammeln dürfen usw. dann immer noch Thema ist“. Aber es sei zu früh, um dazu etwas zu sagen.

Dabei geht die Anzahl der Neuinfektionen in Japan aktuell zurück. Allerdings heißt es auch, die Zahlen seien Montags tendenziell immer etwas niedriger, weil einige Labore am Wochenende nicht geöffnet haben.

Premierminister Shinzo Abe hatte im April den Notstand in Tokio ausgerufen, der inzwischen für das ganze Land gilt. JMA-Präsident Yokokura bestätigte, dass die Zahl der Neuinfektionen rückläufig sei, gab aber auch an: „Ich wünschte, ich könnte davon ausgehen, dass dies ein wirklicher Rückgang ist, aber wir haben immer noch nicht genug Tests hier in Japan.“ Er geht davon aus, dass man rund eine Woche abwarten müsste, um beurteilen zu können, wie die Lage sich entwickelt.

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