Kampf um den Schenkelbrand: Schleswig-Holstein startet Initiative

Das Bundesland Schleswig-Holstein wird beim Bundesrat beantragen, das Brandzeichen bei Pferden zu erhalten. Neue Forschungen haben ergeben, dass das Brennen nicht schmerzhafter für das Tier ist als das Setzen des Transponders und in Verbindung mit einer DNA-Typisierung sogar aussagekräftiger und sicherer.

Es geht um die Rettung des Heißbrandes in quasi allerletzter Minute. Er soll nach einem entsprechenden Votum im Bundesrat bekanntlich abgeschafft und durch den zwingend vorgeschriebenen Transponder ersetzt werden. So ist es in der Viehverkehrsordnung vorgesehen.

Die EU lässt allerdings ihren Mitgliedsstaaten die Möglichkeit offen, alternative Kennzeichnungsmethoden zuzulassen und gesetzlich zu verankern. Davon habe unter anderem Großbritannien Gebrauch gemacht, Deutschland bisher nicht. Wie Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf am heutigen Dienstag ankündigte, wird die Landesregierung Schleswig-Holstein eine Änderung der Viehverkehrsordnung beantragen, mit dem Ziel, den Schenkelbrand in Verbindung mit einer DNA-Typisierung für registrierte Pferde neben der Kennzeichnung durch Transponder zu erhalten. Der Änderungsantrag soll Mitte Februar in den Agrarausschuss des Bundesrates gehen.

Die Ministerin weist darauf hin, dass die Erfassung und Dokumentation der Kennzeichnungen in einer Datenbank gewährleisten, dass zum Beispiel im Seuchenfall die Tiere einwandfrei identifiziert werden können. Damit ist die Kombination Brand/DNA-Typisierung sogar noch sicherer als der Transponder, der, wie viele Fälle belegen, nicht mehr lesbar sein oder sogar gefälscht werden kann.

Unterstützung bekommen das Landwirtschaftsministerium und die Zuchtverbände durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf der Grundlage von Herzfrequenz, Körpertemperatur und Videoaufzeichnungen, die nachweisen, das der beim Brennen für Sekundenbruchteile zugefügte Schmerz weder lang anhaltende heftige Reaktionen noch Verhaltensänderung bei Fohlen hervorriefen. Mit diesem nunmehr entkräfteten Argument des unzumutbaren Schmerzes kämpfen Tierschutzverbände gegen den Brand.

Dabei wird allerdings übersehen, dass es beim Setzen des Transponders ebenfalls zu Schmerzen kommen kann. Auch treten beim Chippen immer wieder Fälle von eitrigen Entzündungen auf, mit denen sich der Körper gegen den Fremdkörper wehrt. Sie brauchen Wochen, um abzuheilen und können sogar die Reittauglichkeit des Pferdes gefährden.

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