Bundesnachwuchschampionat Dressur an Lara Lattermann, neue Deutsche Meister der Junioren, Jungen Reiter und Children in Dressur und Springen

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Die Siegerin im Bundesnachwuchschampionat Dressur 2021: Lara Lattermann. (© Mirka Nilkens.)

Luca Sophia Collin, Jana Lang, Emma Bachl, Henrike Ostermann und Lara-Marie Juraske heißen die neuen Deutschen Jugendmeisterinnen in Dressur und Springen in den Altersklassen Junge Reiter, Junioren und Children. Und auch die Zukunft des Dressursports scheint laut den Richterinnen des Bundesnachwuchschampionats Dressur gesichert: Dort hatte Lara Lattermann im Finale mit Pferdewechsel die Nase vorn.

Wohl jeder Reiter weiß, wie knifflig es sein kann, sich auf ein neues Pferd einzustellen. Im Bundesnachwuchschampionat Dressur müssen die Reiter das im Finale gleich zweimal innerhalb weniger Minuten tun – und zusätzlich natürlich auch noch mit dem eigenen Pferd eine möglichst gute Runde abliefern. Die Richterinnen waren voll des Lobes über die am heutigen Final-Sonntag gezeigten Leistungen.

Qualifiziert hatten sich über zwei Dressurprüfungen der Klasse L für das Bundesnachwuchschampionat insgesamt 24 Reiter mit ihren Pferden. Für das Finale setzten sich in zwei Wertungen Lara Lattermann (Bayern) mit Soleil de la couer, Matilda Tietje (Weser-Ems) mit Feingefühl und Lotta Plaas (Westfalen) im Sattel von Balsamico durch. Die ersten zwei Wertungsprüfungen waren hier internationale Children-Aufgaben auf Trense. Im Finale musste dann eine Sonderaufgabe auf dem Niveau der Klasse L geritten werden. Die Richter achten bei der Beurteilung der Paare im Bundesnachwuchschampionat (Liselott-Rheinberger-Nachwuchsförderpreis) insbesondere auf Sitz und Einwirkung des Reiters.

Der Kommentar der Richterinnen Ulrike Nivelle und Elke Elbert muss Lara Lattermann aus Bayern wohl runtergegangen sein wie Öl. Für ihre Vorstellung mit ihrem eigenen Pferd im Finale heimste sie die Traumnote 9,5 ein. Der Kommentar der Richterinnen: „Wir haben hier eben ein echtes Highlight gesehen. Das war souveränes Reiten mit viel Übersicht, ausbalancierter Sitzgrundlage und sehr weichen halben Paraden. Im Grunde war der Ritt nahezu perfekt.“ Allerdings sollte es damit noch nicht genug sein. Denn Lara Lattermann setzte im Sattel der Pferde ihrer Konkurrentinnen sogar noch einen drauf. 9,7 und 9,8 lauteten hier die Ergebnisse. Am Ende bedeutete das 29 von 30 möglichen Punkten. Viel mehr geht wahrlich nicht! „Du bist eine tolle Reiterin, und wir müssen uns um die Zukunft des Dressursports mit solchen Leistungen keine Sorgen machen“, resümierten Nivelle und Elbert die Auftritte von Lara Lattermann.

Auch Matilda Tietje und Lotta Plaas zeigten heute sehr gute Leistungen mit Noten im hohen 9er-Bereich. Matilda Tietje brachte ihre sechsjährige Stute Feingefühl mit nach Darmstadt und hatte vor dem Finale auf Rang drei gelegen. Die Aufgabe von Matilda Tietje und ihrer Stute Feingefühl bedachten die Richterinnen mit einem glatten „sehr gut“, 9,0: „Du hast dein unglaublich elegantes und leichtfüßiges Pferd mit viel Gefühl und Übersicht im Viereck vorgestellt.“ Auch Matilda Tietje gelang es, sich im Verlauf des Finales im Sattel der Pferde ihrer Konkurrentinnen noch zu steigern (9,2 und 9,5). Insgesamt 27,7 Punkte bedeuteten somit den Titel der Vize-Championesse!

Nur knapp dahinter landete Lotta Plaas auf dem Bronzerang mit insgesamt 27,5 Punkten. Die setzten sich zusammen aus der Wertnote 9,3 im Sattel ihres eigenen Pferdes, dem Routinier Balsamico sowie 9,4 und 8,8 auf den Pferden von Tietje und Lattermann. „Ihr Mädchen macht es uns heute wirklich nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen. Du bist sehr konzentriert geritten und hast exakte Hufschlagfiguren gezeigt mit schönem Gefühl für das richtige Tempo“, so das Fazit der Richterinnen zu dem Ritt von Lotta Plaas.

Lara Lattermann und Lotta Plaas schlossen mit dem Bundesnachwuchschampionat ihre erfolgreiche Saison mit ebenso tollen Leistungen ab. Beide hatten dem deutschen Team bei den U14-Europameisterschaften in Spanien angehört.

Junge Reiter

Im Viereck der Jungen Reiter lieferten sich Luca Sophia Collin und Jana Schrödter an diesem Wochenende ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit ihrem Desperados-Sohn Descolari baumelte Luca Collin vor zwei Monaten erst die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften im spanischen Oliva um den Hals. Heute waren es Siegerschärpe und Goldmedaille. Nach den ersten zwei Wertungsprüfungen (74,78 und 74,29 Prozent) hatte Collin bereits in Führung gelegen. Jana Schrödter auf ihrem Der Erbe, die 2019 gemeinsam noch Einzel-Europameister bei den Junioren geworden waren, machte es am heutigen Sonntag in einer Kür der Klasse S nochmal spannend. Die gewannen sie nämlich mit 76,875 Prozent vor Luca Collin und Descolari (76,425 Prozent).

Dennoch war Collin der Sieg dank der guten Leistungen der Vortage nicht mehr zu nehmen. Mit insgesamt 225,50 Punkten ist sie die alte und neue Deutsche Meisterin in der Altersklasse U21, den Jungen Reitern. „Hier stimmt einfach das ganze Fundament in der Konstellation Pferd, Reiterin und Trainer. Luca Sophia ist schon auf der Euro in Spanien toll geritten und hat dann hier harmonisches und leichtes Reiten gezeigt, perfekt abgestimmt auf die Musik“, lobte Hans-Heinrich Meyer zu Strohen.

Jana Schrödter und ihr Dimaggio-Sohn Der Erbe verteidigten ebenfalls ihren Vize-Titel des Vorjahres (223,92 Punkte). Über die Bronzemedaille konnte sich Anna Derlien im Sattel von Holly Golightly freuen (218,75 Punkte). Das Paar hatte am Wochenende konstant gute Leistungen gezeigt und sich von Prüfung zu Prüfung immer weiter steigern können.

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Springen

Im Parcours gab es bei den diesjährigen Deutschen Jugendmeisterschaften einen, der in den ersten Tagen demonstrierte: Dieser Titel gehört mir! Sönke Fallenberg hatte den 13-jährigen Wallach Vescovino mit nach Darmstadt-Kranichstein gebracht, mit dem er international im vergangenen Jahr bereits Springen auf S**-Niveau gewonnen hatte. Sein Erstpferd Chakira TF ist für den U25-Springpokal in Aachen am nächsten Wochenende vorgesehen. Am Finaltag der DJM verließ Fallenberg und Vescovino allerdings das Glück mit acht und vier Strafpunkten aus beiden Umläufen (12,00).

Stattdessen reichte es für die Silbermedaillengewinnerin vom diesjährigen Preis der Besten, Henrike Ostermann, zum Titel der Deutschen Meisterin bei den Jungen Reitern. Air Force One hieß ihr vierbeiniger Sportpartner an diesem Wochenende und zeigte konstante Runden, hatte aber laut Peter Teeuwen auch ein wenig Glück, dass die Konkurrenten Fehler machten. Mit einem Endergebnis von 6,02 Strafpunkten führte sie die Siegerehrung mit ihrem zehnjährigen Arpeggio-Sohn an.

Dass sich zu Ende reiten lohnt, auch wenn es manchmal schon aussichtslos scheint, hat Vize-Meister Hannes Ahlmann (Schleswig-Holstein) dieses Wochenende gelernt. Mit seinem langjährigen Erfolgspferd Nerrado, mit dem er ja beispielsweise den ersten Großen Preis auf Hof Waterkant gewinnen konnte, lag er nach der zweiten Wertungsprüfung nur auf dem 14. Rang der Meisterschaftswertung. Zwei blitzsaubere Umläufe im S***-Springen am Sonntag spülte das Paar schließlich jedoch bis auf den Silberrang vor (8,54). Bronze sicherte sich Tobias Kuhlage aus Westfalen mit Chacco’s Girlstar (8,92).

Teeuwen: „Durch die Bank weg haben wir hier sehr guten Sport gesehen. Parcourschefin Christa Jung hatte ein feines Händchen für die technischen Elemente. Alle Reiter konnten sich hier von ihrer besten Seite zeigen, ohne schlechte Bilder zu produzieren.“

Junioren

Im Dressurlager der U18-Reiter wurde es am Wochenende richtig spannend. Auf Siegeskurs befand sich Rose Oatley für Schleswig-Holstein, die ja Samstag bereits den Titel bei den Ponyreitern hatte für sich entscheiden können. In der ersten Wertungsprüfung, einer M**-Dressur, wurde ihre Vorstellung mit dem Rock Forever-Nachkommen Rock Revolution von den Richtern mit 73,892 Prozent bedacht. Dahinter reihte sich Jana Lang im Sattel des 15-jährigen Wallachs Baron ein (73,486 Prozent), gefolgt von Pia Casper, die den Birkenhof-Hengst Fair Game für die DJM gesattelt hatte (72,486 Prozent).

In der zweiten Wertungsprüfung am Samstag lief es dann jedoch nicht rund bei Rose Oatley und ihrem achtjährigen Wallach. 67,553 Prozent bedeuteten dort nur den 15. Rang. Es schlug die Stunde für Jana Lang, die sich Samstag mit 75,026 Prozent an die Spitze des Feldes setzen konnte.  Zweite in dieser Wertung wurden Lena Merkt und Sarotti Mocca-Sahne mit 73,342 Prozent vor – erneut – Pia Casper und Fair Game vom Birkenhof (71,342 Prozent).

In der finalen Kür am Sonntag auf M**-Niveau fanden Oatley und ihr Rock Revolution zu ihrer alten Form zurück. Doch 78,825 Prozent reichten als Bewertung nicht mehr aus, um Jana Lang den Gesamtsieg noch streitig zu machen. Lang bewies starke Nerven und ritt den Johnson-Sohn Baron zu 80,775 Prozent – das bedeutete den Titel der Deutschen Meisterin 2021 bei den Junioren mit insgesamt 229,29 Punkten! „Jana ist eine sehr konstante Reiterin auf Meisterschaften und konnte ihre ganze Routine ausspielen. Das war einerseits sehr präzises aber auch sehr mutiges Reiten. Ich hoffe, dass sie nächstes Jahr bei den Jungen Reitern nahtlos an diese Leistungen anknüpfen kann“, so der Bundestrainer der Junioren und Jungen Reitern, Hans-Heinrich Meyer zu Strohen.

Rose Oatley wurde Vize-Meisterin (220,27), Bronze ging an Lena Merkt (Baden-Württemberg) im Sattel des zwölfjährigen Soliman de Hus-Sohnes Sarotti Mocca-Sahne (220,16). Über Oatleys Auftritt sagte zu Strohen: „Rose ist eine sehr spritzige Kür geritten und hat ihre Nerven hervorragend in den Griff bekommen. Nach ihrem spektakulären Auftritt beim Preis der Besten dieses Jahr, konnte man durchaus mit einer Medaille hier rechnen. Hut ab, dass Rose, die ja ein echtes Energiebündel ist, gleich in zwei Altersklassen solche Leistungen abrufen kann. Somit ist sie den anderen Ponyreitern schon einen großen Schritt voraus, weil sie parallel schon so gut im Junioren-Lager unterwegs ist.“

Pia Casper und Fair Game landeten in der Gesamtwertung auf Rang vier.

Springen

Wenn das erste Springen einer Meisterschaft ein Zeitspringen ist, dann können kleinste Einbußen am Ende sehr teuer werden. So geschehen auch dieses Jahr in der Wertung der Junioren bei der DJM in Darmstadt. Die für Bayern startende Lara-Marie Juraske verließ den Platz in besagtem Einlaufspringen als Siegerin mit weißer Weste. Gesattelt hatte sie  die Calido I-Tochter Carracio. Zittern musste Juraske zwar dennoch, aber am Ende reichte es für den Gesamtsieg mit insgesamt vier Strafpunkten nach einem Abwurf im ersten Umlauf der dritten Wertung, einem S**-Springen.

Grund für die Zitterpartie lieferte die Vize-Meisterin 2021 der Junioren, Hanna Schreyer (Hannover) im Sattel der zehnjährigen Contagio-Tochter Carpani. Denn nach ihrem Ergebnis von 5,10 Punkten in der ersten Wertung ließ sich dieses Paar nichts mehr zu Schulden kommen. Sie siegten sowohl in der zweiten, als auch in der dritten Wertung, und sicherten sich damit Silber. „Lara-Marie hat sich hier in Darmstadt ganz bewusst für einen Start mit ihrem Zweitpferd entschieden und drei auffallend beständige und sehr konzentrierte Runden gezeigt“, so der Bundestrainer der Junioren und Jungen Reiter Springen, Peter Teeuwen.

Die Bronzemedaille bekam am Sonntag Max Paschertz (Weser-Ems) für seine Leistung mit dem neunjährigen Wallach Sem Semper verliehen. Für ihn war Goldsogar in greifbarer Nähe nach nur 2,41 Strafpunkten aus der ersten Wertung, wenn nicht eine Stange im ersten Umlauf der dritten Wertung gefallen wäre. „Max hat dieses Jahr sehr gutes Reiten gezeigt und konnte dies auch beim Nationenpreis in Frankreich abrufen. Bei Mario Stevens als Heimtrainer bekommt er außerdem ein sehr gutes Management mit auf den Weg“, lobte der Bundestrainer.

Children

In der Altersklasse U14 machten es neben den drei regulären Wertungsprüfungen gleich vier Teilnehmer in einem Stechen spannend. Das makellose Stechquartett war zustande gekommen, weil alle vier Reiterinnen vier makellose Runden in Springprüfungen der Klasse M* gezeigt hatten. Erneut schnappte sich eine Reiterin aus Bayern den Titel. Emma Bachl gelang mit Classic White die schnellste fehlerfreie Runde im Stechen. Children-Bundestrainer Eberhard Seemann zeigte sich zufrieden: „Emma hat das ganz Jahr über schon sehr gute Ergebnisse gezeigt. Super, was für einen blitzschnellen und trotzdem harmonischen Ritt sie hier am Ende hingelegt hat.“

Die Silbermedaille ging an die international erfahrene Paula Pahl (Rheinland) mit Easy Kolibra Mo, vor der. jüngsten Stechteilnehmerin Amy Helfrich (Hessen) mit dem 14-jährigen Holsteiner Leon. „Mit 50 Teilnehmern hatten wir dieses Jahr ein wirklich großes Starterfeld. Da waren durchaus viele gute Ritte dabei, mit denen ich sehr zufrieden bin. Besonders freut mich, dass 15 Reiter auch nächstes Jahr noch bei den Children reiten dürfen und zwei sogar noch zwei Jahre in dieser Altersklasse vor sich haben. Diese Deutschen Jugendmeisterschaften sind einfach toll und mit sehr viel Liebe veranstaltet – vom Vorbereitungsplatz bis zum Parcoursbau haben wir hier absolut perfekte Bedingungen“, so Eberhard Seemanns Fazit.

DJM in Darmstadt-Kranichstein? Das gefiel!

Auch Bundesjugendwartin Heike van Thiel fand lobende Worte für die Veranstalter der DJM, den RSG Darmstadt-Kranichstein: „Unter Einhaltung aller Hygiene-Maßnahmen und der 3G-Regeln konnten wie endlich wieder Spaß am Sport haben und unsere jungen Reiter mit toller Stimmung unterstützen. Hier würden wir sehr gerne wieder bei einer Deutschen Jugendmeisterschaft zu Gast sein.“

Alle Ergebnisse der DJM finden Sie hier.