CHIO Aachen: Fahren – Marathon „lief nicht so richtig rund“

Fahren Chio Aachen

Archivbild Fahren, CHIO Aachen (© CHIO Aachen)

Als bester deutscher Fahrer beendete der Schwabe Michael Brauchle den traditionsreichen Marathon, die Geländeprüfung der Vierspänner beim diesjährigen CHIO in Aachen auf dem vierten Platz (119,88 Punkte). Das deutsche Team konnte seine Position aus der Dressur halten und rangiert weiterhin an zweiter Stelle im Nationenpreis (312,98) hinter den Niederlanden (339,40).

In der Einzelwertung der Kombinierten Prüfung liegt Mareike Harm aus Negernbötel in Schleswig-Holstein mit 167,57 Punkten auf dem dritten Platz, ihr bisher bestes Ergebnis in Aachen.

Voll überzeugend beendete die Geländeprüfung keiner der deutschen Fahrer. Michael Brauchles Kommentar im Ziel drückte es wohl am Besten aus: „Durchwachsen. Lief nicht so richtig rund“.

Erst in der vorigen Woche stellte sich heraus, dass Brauchle in Aachen nicht auf sein Erfolgsgespann aus Budapest zurückgreifen konnte, sondern mit Smiley ein junges, auf diesem Niveau eher wenig erfahrenes Pferd einsetzen musste. Der Wallach bewältigte seine Aufgabe „nett“, wie der Silbermedaillengewinner mit der Mannschaft bei der Europameisterschaft vor zwei Wochen beschrieb, aber  es war wohl auch Smiley geschuldet, dass Brauchle auf einem für ihn enttäuschenden vierten Platz den Marathon abschloss. In der Kombinierten Wertung liegt er nach Dressur und Gelände mit 172,05 Punkten auf dem siebten Rang.

Mareike Harm: „Irgendwie der Wurm drin“

Unmittelbar nach Brauchle kam Mareike Harm ins Ziel, auch sie nicht ganz zufrieden. „Ich hatte nach dem schnellen Marathon in Budapest wohl noch nicht richtig umgeschaltet, dieser Marathon war doch etwas anders. Hindernis eins und zwei bin ich zu schnell angegangen, daraus resultierten mehrere kurze Stopps, um das richtige Tor zu treffen, das ist mir zum Verhängnis geworden. Bei uns sitzt heute irgendwie der Wurm drin“. 125,52 Punkte, Platz zehn für die Holsteinerin. In der Einzelwertung befindet sie sich dank ihrer guten Dressurleistung auf dem hervorragenden dritten Platz (167,57).

Auch Georg von Stein war mit seiner Geländefahrt nicht zufrieden. „In Budapest ist Playboy, mein rechtes Vorderpferd, bei der Geländefahrt an einen Pfosten gestoßen. Ich habe nicht geahnt, dass er davon so viel Respekt vor den Pfosten haben würde. Jedenfalls ist er heute immer ein bisschen zurück geblieben, war teilweise eine halbe Pferdelänge hinter dem linken Vorderpferd. Dann ist so ein Gespann natürlich schlecht zu lenken, das hat mich in jedem Hindernis viel Zeit gekostet“. Sein Ergebnis mit 125,34 Punkten und Rang neun im Marathon lassen ihn in der Einzelwertung mit 179,65 Punkten in den morgigen Kegelparcours starten.

Dort wird der Niederländer Ijsbrand Chardon als Führender (161,00) und darum letzter Starter in den Parcours fahren. Er führt mit Weile das Starterfeld vor seinem Mannschaftskollegen Koos de Ronde (167,17) an. Überraschend die Position des neunmaligen Aachen-Gewinners Boyd Exell. Der Australier muss sich auf einem für ihn ungewohnten vierten Rang einordnen (167,96 P.).

Im Rennsport würde man sagen, die auf den Plätzen zwei bis vier liegenden Gespanne sind nur um eine Nasenlänge voneinander entfernt, ein ganz spannendes Kegelfahren ist für den morgigen Tag jedenfalls angesagt. „Das wird richtig schwer“, erwartet der in Aachen agierende Equipechef René Poensgen.

Deutlich weniger Spannung wird es beim Mannschaftsergebnis geben, auch wenn alle drei deutschen Gespanne sehr gute Kegelfahrer sind, zu weit sind sie im Ergebnis hinter den Niederländern. Die werden mit Ijsbrand Chardon, seinem Sohn Bram und dem heutigen Marathonsieger Koos de Ronde einen entspannten Wettkampf fahren und zum 18.Mal seit dem ersten Nationenpreis im Fahren in Aachen 1983 auf dem Siegertreppchen ganz oben stehen.

„Mit der Platzierung auf dem zweiten Platz in der Mannschaftswertung sind wir ganz zufrieden, mit den Ergebnissen aus dem Marathon nicht“, fasst René Poensgen die Gemütslage im deutschen Fahrerlager zusammen. „Im Gelände haben wir uns deutlich mehr erhofft. Morgen können wir den Abstand zu den Niederländern vielleicht noch etwas verringern, schlagen werden wir sie sicher nicht“. Dicht hinter dem deutschen Team liegen die Belgier (342,09 P.), die gilt es auf Distanz zu halten. Die Belgier haben das jüngste Team der in Aachen startenden Nationen, sind mit Glenn Geerts, Dries Degrieck und Tom Stokmans hoch motiviert.