Distanz: Hält sich der Nahe Osten nicht an die neuen FEI-Regeln?

Distanzrennen

(© www.toffi-images.de)

Der Distanzsport im Nahen Osten steht aufgrund vieler unschöner Bilder schon länger in der Kritik. Bei der FEI-Generalversammlung 2019 hatte man sich daher auf ein strengeres Regelwerk geeinigt, um die Pferde besser zu schützen. Bei einem internationalen Distanzritt in Saudi-Arabien ist dieses nun jedoch offenbar missachtet worden, wie Clean Endurance berichtet.

Das neue FEI-Regelwerk für den Distanzsport sieht strengere Kontrollen bei Verletzungen und Todesfällen, längere Ruhezeiten für die Pferde zwischen den Ritten und ein verändertes Qualifikationssystem vor. Bei der FEI-Generalversammlung im November 2019 hatte sich die überwiegende Mehrheit der nationalen Verbände für diese Änderungen ausgesprochen.

Clean Endurance arbeitet eng mit der FEI zusammen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation der Pferde im Distanzsport zu verbessern. Nun berichtet die Organisation von unveränderten Zuständen bei einem internationalen Distanzritt über 120 Kilometer, der letztes Wochenende in Al-Ula (Saudi-Arabien) ausgetragen wurde.

Es war das erste Mal seit der FEI-Vollversammlung, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ein internationales Turnier ausgerichtet haben. In der Wintersaison waren nur nationale Turniere ausgeschrieben gewesen, für die das neue Regelwerk nicht greift. Schon im Dezember sorgten die Nachricht von vier weiteren toten Pferden bei Distanzrennen für Aufruhr.

Viel Preisgeld, wenig Erfahrung

In einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung von Clean Endurance zu dem Ritt in Al-Ula heißt es nun: „Das Turnier birgt ein hohes Risiko, weil es mit mit 3,6 Millionen Preisgeld  auch unerfahrene und wenig qaulifizierte Reiter anlockt. Daraus entsteht eine Verletzungsgefahr für die Pferde und andere Reiter. Dieser Wettbewerb braucht sehr sorgfältige und kompetente Offizielle, die frei von Interessenskonflikten sind sowie eine strenge Regeleinhaltung und Aufsicht durch die FEI auf höchstem Level.“

Schon bei der ersten Auflage des Turnieres in 2019 habe es laut der Organisation zu hohe Geschwindigkeiten, 17 positive Dopingproben und mindestens ein totes Pferd gegeben, dass in den Ergebnislisten später nicht mehr auftauchte. Dennoch seien in diesem Jahr nahezu die gleichen Offiziellen im Einsatz gewesen.

Clean Endurance bedauere es daher, dass die FEI keinen offizielen Beobachter geschickt habe, um den Ablauf der Veranstaltung zu überprüfen. Die Bedingungen vor Ort hätten sich nicht verbessert, eher im Gegenteil. Auf der mit Bulldozern geglätteten Strecke seien während des Ritts viele Autos sowie unatorisierte Helfer unterwegs gewesen. Auch in den Ergebnislisten seien Unregelmäßigkeiten aufgetreten, wie etwa fehlende Messangaben der Herzfrequenz für ausgeschiedene Pferde. Zu enge Nasenriemen, scharfe Zäumungen und Pferde, die während des Abkühlens an den Ohren hochgezogen wurden, seien nur einige der Regelbrüche, die im Livestream der Veranstaltung zu beobachten gewesen sind.

Viele Pferde schieden in Al-Ula aufgrund von Lahmheiten und stoffwechselbedingten Problemen aus . „Zweifelsohne aufgrund des fehlenden Horsemanship und zu wenig Kontrolle bei vielen der 189 Starter“, schreibt Clean Endurance dazu. Laut der vorläufigen Ergebnisliste konnten nur 85 Paare den Ritt beenden, zudem gab es vier verletzte Pferde.

Eine staubige Angelegenheit

Am besorgniserregendsten seien laut Clean Endurance jedoch die erschreckenden Mengen an Staub – verursacht durch die vielen Autos auf der Strecke – gewesen. Mit Geschwindigkeiten teilweise über 30 km/h hätten die Pferde durch die Staubwolken laufen müssen. Die Reiter selbst trugen Atemschutzmasken, hätten sich aber nicht um das Unbehagen der Pferde und eventuelle Langzeitfolgen für deren Lungen und Augen Gedanken gemacht. „Die Offiziellen bei dem Turnier hatten die Pflicht und die Befugnis, diese Zustände zu beheben, aber sie haben es nicht einmal versucht“, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Clean Endurance appeliert nun an die FEI, weitere Untersuchungen zum Wohl der Pferde anzustellen. Außerdem fordert die Organisation harte Sanktionen gegen Offizielle, die sich nicht um das Wohlbefinden der Pferde und die Einhaltung des FEI-Regelwerks bemühen.

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