Dortmund: Weltcup-Finale 2018, Teil eins mit zwei deutschen Führungen

Reitturnier

Jannis Drewell holte im Frühjahr in Dortmund seinen zweiten Weltcup-Titel der Voltigierer in Folge. (© von Korff)

Erneut bietet die Dortmunder Westfalenhalle den Voltigierern eine große Bühne für ihr Weltcup-Finale. Deutschland ist in allen drei Konkurrenzen vertreten, bei den Damen, Herren und Paaren. Und nach dem ersten Teil sieht es sehr gut aus für sie. Besonders spannend wird es wohl bei den Damen.

Denn da liefern sich Nadja Büttiker (SUI) und die Hamburgerin Kristina Boe ein Kopf an Kopf-Rennen um die Punkte. Runde eins ging in die Schweiz. Nadja Büttiker ist mit ihrem Pferd Keep Cool und Monika Winkler Bischofberger an der Longe nach einer hoch erfolgreichen Saison klare Titelanwärterin. Sie entschied auch die erste Wertungsprüfung in Dortmund mit 8,821 für sich. Büttiker beeindruckt vor allem durch große Präzision in ihrer turnerischen Leistung, Keep Cool bekam die höchste Pferdenote.

Die ohne Zweifel schwierigste und anspruchsvollste Kür zeigte jedoch Kristina Boe. Die Unfallchirurgin reiht Höchstschwierigkeit an Höchstschwierigkeit, darin liegt ein entsprechend hohes Risiko. Schon zweimal war die Vize-Weltmeisterin mit ihrem bewährten Don de la Mar und Winnie Schlüter an der Longe Zweite im Weltcup-Finale. In diesem Jahr wird sie es richtig spannend machen. Mit 8,745 hinter der Schweizerin ist der Abstand gering und in der zweiten Wertungsprüfung noch alles drin, zumal sie in der Note für die Artistik eindeutig überlegen ist.

Corinna Knauf aus Köln voltigiert auf Fabiola, an der Longe von ihrer Schwester Alexandra. 8,440 lautete die Endnote für die anspruchsvolle, aber nicht ganz so souveräne Kür der Vize-Europameisterin von 2015, Platz drei in der ersten Wertungsprüfung.

Bei den Damen sind wie bei den Herren sechs Bewerberinnen am Start. Neben Nadja Büttiker bewirbt sich mit Ilona Hannich eine weitere Schweizerin (8,084, Platz vier), Manon Noel aus Frankreich (7,768, Platz fünf) und Carola Sneekes aus den Niederlanden (7,766, Platz sechs), die eleganteste Athletin des Wettbewerbs.

Herren

Bei den Herren steht mit Jannis Drewell ein deutscher Athlet an der Spitze – obwohl der Gütersloher kurzfristig auf ein anderes Pferd umsteigen musste. Sein bewährter Diabolo fiel verletzungsbedingt aus, deshalb präsentierte der Titelverteidiger seine Kür auf Claus, dem Pferd von Viktor Brüsewitz. Auch dank der einfühlsamen Longenführung von Gesa Bührig gelang der Tausch perfekt, Drewell konnte all seine Schwierigkeiten ausführen und setzte sich mit 8,788 an die Spitze des sechsköpfigen Starterfeldes.

Ihm ist der Franzose Clement Taillez mit 8,706 dicht auf den Fersen. Nach dem Motto „Der König tanzt“ turnte er eine sehr künstlerische Kür. Dyronn an der Longe von Cédric Cottin ermöglichte es ihm, so zu glänzen.

Lukas Heppler aus der Schweiz war im vorigen Jahr Zweiter im Finale, in diesem Jahr möchte er den Titel erringen. Mit 8,525 und dem dritten Platz muss er in der zweiten Wertungsprüfung noch mächtig Gas geben, wenn der Traum vom Titel wahr werden soll. Acardi van de Kapel an der Longe von Monika Winkler werden ihn dabei unterstützen.

An vierter Stelle rangiert mit Jannik Heiland ebenfalls ein deutscher Voltigierer, 8,468 bekam Jannik Heiland auf Highlander (Heiland auf Highlander!) mit Winnie Schlüter, einer der erfahrensten Longenführerinnen der Szene. Seiner Favoritenstellung konnte Heiland nicht ganz gerecht werden, die Harmonie zwischen Athlet und Pferd war nicht immer gegeben.

Der Schimmel Claus brachte auch unter Viktor Brüsewitz eine Spitzenleistung, dem dritten deutschen Bewerber. Auch er ist zum ersten Mal bei einem Finale dabei, seine Kür ist gespickt mit Höchstschwierigkeiten. Mitverantwortlich für seine Note 8,428 und den fünften Platz ist Gesa Bührig an der Longe.

Pech hatte der Ungar Balázs Bence, dessen Pferd Land gold an der Longe von Krisztina Villanyi offensichtlich irritiert war durch die schmissige ungarische Musik und die Fassung verlor. Er legte einen für ein Voltigierpferd völlig unangemessen flottes Tempo an den Tag legte. Der Athlet behielt die Nerven, aber bis Land gold wieder gesittet galoppierte, war das Kind schon in den Brunnen gefallen bzw. der Athlet in den Sand.

Pas de Deux

Den meisten Applaus bekamen die größten Pechvögel des Abends. Die Lokalmatadoren Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes stürzten während ihrer gefühlvollen Interpretation des Themas „Titanic“ gleich zwei Mal von ihrem Pferd Caram, der dann entsprechend aufgeregt war und an der Longe von Claudia Döller-Ossenberg-Engels nur mühsam wieder zu Ruhe und geregeltem Galopp fand. Dann aber setzten Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes ihre Kür in bewundernswerter Disziplin und Präzision zu Ende. Dennoch blieb am Ende nur der vierte Platz der vier Bewerber in der ersten Wertungsprüfung für das Weltcup-Finale im Voltigieren in der Dortmunder Westfalenhalle.

Platz drei und zwei gingen an die Schweizer Bewerber, die jeweils mit zwei Damen an den Start gingen. Auf dem dritten Platz Marina Mohar und Céline Hofstetter auf Saturnus und Agnes Först an der Longe (7,236), die zum ersten Mal bei einem Finale dabei waren. Zweite wurden Zoe Maruccio und Syra Schmid auf Latino (7,938), an der Longe Michael Heuer. Bemerkenswert die Kraft der körperlich fast gleich starken Damen bei den Hebefiguren.

Mit großem Vorsprung sicherten sich das deutsche Paar Theresa-Sophie Bresch / Torben Jacobs die Führung, 8,419 bedeuten ein gutes Polster für die zweite Wertungsprüfung am Samstag. Ihre sportlich sehr anspruchsvolle Interpretation des Themas „Bonnie & Clyde“ ermöglichte ihnen ihr Pferd Holiday on Ice an der Longe von Alexandra Knauf. 2017 landeten Bresch / Jacobs auf dem zweiten Platz, in diesem Jahr stehen die Zeichen auf Sieg.

Christine Meyer zu Hartum

 

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