EM Rotterdam: Die letzte Medaillenentscheidung der Para-Dressurreiter

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Sanne Voets und Demantur holten Gold in der Kür des Grade IV für die Niederlande bei der EM 2019. (© FEI/Liz Gregg)

Krönender Abschluss der Europameisterschaften der Para-Dressurreiter in Rotterdam war heute die Kür. Einmal mehr glänzten unter anderem die Gastgeber. Für Deutschland gab es wieder keine Medaille, dafür aber wichtige Erkenntnisse für die Zukunft.

Grade III

Als die Para-Dressurreiter im Kralingse Bos am Sonntagmorgen um acht Uhr mit ihrer Kür begannen, waren außer den üblichen Verdächtigen, die zum Helferteam gehören, kaum Zuschauer im Stadion. Das kam Stefan Zeibig (Grade III) und seiner sensiblen Stute Feel Good zugute. Sowohl in der Einzel- wie auch in der Teamaufgabe hatte die Fürst Heinrich Tochter sich von der Umwelt ablenken lassen, fand im Schritt nicht zur Losgelassenheit. Das war in der Kür erheblich besser, wenn auch keine Medaille dabei heraussprang. 72,500 Prozentpunkten waren ein gutes Ergebnis, trotzdem wieder nur der vierte Platz wie in der Einzelwertung bei diesem Championat, wieder nicht die erhoffte Medaille.

Auf dem Podest stand wie in der Einzelwertung der Däne Tobias Thorning Joergensen (79,093 P.) mit der elfjährigen Blue Horse Don Schufro Hit-Tochter Jolene Hill als Gewinner der Goldmedaille. Silber ging an Rixt van der Horst, Niederlande, mit Findsley N.O.P. v. Belissimo bekam sie 77,327 P.

Für Belgien startet das auffälligste Paar der Para-Europameisterschaft: Barbara Minneci, die ihren zehnjährigen Stuart im Damensattel reitet. Nach einer Krebserkrankung kann sie nicht mehr im Reitsitz reiten, Stuart „funktioniert“ unter dem Damensattel genauso gut wie unter dem normalen Reitsattel. 73,127 P. wurden es für die 50-jährige Dressurreiterin aus Brüssel, ein deutlicher Abstand zu den beiden vor ihr Platzierten, aber die zweite Bronzemedaille dieser EM für Minneci.

Grade II

Für Heidemarie Dresing (Grade II), die mit 64 Jahren ihr erstes Championat bestritt, und ihre sechsjährige Stute La Boum bleiben die Tage in Rotterdam nicht nur als Premiere in Erinnerung, sondern auch als Lernprozess für künftige internationale Auftritte, ihre Hilfsmittel betreffend. „Aber wir haben es ja hingekriegt, wenn es auch die Aufgabe für mich noch einmal schwerer gemacht hat“, erklärt sie die Ungenauigkeiten, die eine bessere Note in der Kür gedrückt haben. Als seien sind die deutschen Para-Dressurreiter in Rotterdam auf den vierten Platz abonniert, beendete auch die Architektin aus Rheda-Wiedenbrück ihre erste Europameisterschaft 72,613 P.) auf diesem Rang. „Es ist halt schwer für La Boum, mich zu verstehen, weil ich Gleichgewichtsprobleme habe, wenn ich nicht die gewohnten Hilfsmittel zur Stabilisierung des Oberkörpers habe“, sagt Dresing. „Wir werden das in Zukunft besser vorbereiten. Und die Stute ist noch so jung!“ Zweifellos ist die Londontime-Tochter ein Pferd mit großer Zukunft.

Georgina Wilson schlug in der Kür überraschend den Seriensieger Pepo Puch. Gold für die Britin (78,187 P.) mit der zehnjährigen Stute Midnight, „nur“ Silber für den Österreicher Pepo Puch und Sailor’s Blue (77,220 P.). In der Einzelwertung hatte Puch noch vor Georgina Wilson rangiert, in der Kür musste er sich geschlagen geben. Nicole den Dulk, Niederlande, errang mit dem 16-jährigen Wallace Bronze (74,313 P.).

Grade I

In Grade I besserte Elke Philipp mit Fürst Sinclair ihre persönliche Bilanz dieser Europameisterschaft auf. Rang sechs mit73,627 P. bedeuteten ein zufriedenstellendes Ergebnis, jedoch weit entfernt von einem Podestplatz, auf dem die 55-Jährige aus Treutlingen schon oft stand. „Spider“, wie sie den neunjährigen Hengst Fürst Sinclair wegen seiner langen Beine liebevoll nennt „und ich müssen noch besser zusammenwachsen. Nicht immer passt die Feinabstimmung. Ich muss lernen mit seinem enorm starken Schritt zurechtzukommen, er muss noch besser meine Handicaps zu tolerieren. Und er sollte mir besser zuhören, seltener abgelenkt sein“. Sie blickt positiv in die Zukunft. „Ich habe ein so tolles Pferd. Er ist ja erst neun Jahre und seit drei Jahren bei mir. Zusammen können wir uns noch viel weiterentwickeln.“

Auf dem Podest standen in der Kür dieselben Reiter wie in der Einzelwertung: Gold für den Norweger Jens-Lasse Dokkan mit Aladdin (80,193 P.), Silber gewann die Italienerin Sara Morgnti mit Royal Delight (79,273 P.). Rihards Snikus aus Lettland holte zum zweiten Mal Bronze mit King of the Dance (77,387 P.). Der elfjährige Wallach ist kein moderner Typ Pferd, Rihards Snikus mit deutlichen Spasmen gehandikapt, die Vorstellung dennoch oder gerade deshalb beeindruckend.

Grade V

In Grade V hatte sich Regine Mispelkamp mit Look at me Now ebenfalls für die Kür qualifiziert, leider konnte sie wegen einer Lahmheit ihres Pferdes nicht antreten. Das war bitter, hatte die Pferdewirtschaftsmeisterin aus Geldern doch gute Chancen auf eine Medaille. Nach allen möglichen Missgeschicken, die die Para-Dressurreiter bei dieser EM erlitten, passte der Ausfall irgendwie ins Bild.

Gold ging hier an den Niederländer Frank Hosmar im Sattel von Alphaville mit 79,9 Prozent vor der Britin Sophie Wells auf Fatal Attraction (78,375) und Michele George (BEL) mit Best of 8 (74,720).

Grade IV

Die letzte Entscheidung des Tages bei den Para-Reitern war die im Grade IV, wo Sanne Voets auf Demantur dafür sorgte, dass das Gold bei den Gastgebern blieb. Mit 79,720 Prozent setzte sie sich übermächtig gegen Schwedens Louise Etzner Jakobsson auf Zernard (73,775) und Manon Claeys aus Belgien auf San Dior durch (73,355).

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