EM Rotterdam: Para-Reiter der Niederlande unschlagbar, deutsches Team auf Rang 10

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Feierstimmung bei den Niederländern nach dem überlegenen Mannschaftssieg der Para-Reiter. (© FEI/Liz Gregg)

Die Mannschaftsentscheidung bei den Europameisterschaften der Para-Dressurreiter 2019 ist gefallen, die Niederländer waren unschlagbar. Eher enttäuschend verlief diese EM für die deutschen Para-Equestrians, die nur Zehnte wurden.

Die deutschen Para-Dressurreiter beenden auch die Teamwertung ohne Medaille. „Wir hatten die richtigen Paare hier in Rotterdam am Start, die Reiterinnen und Reiter können durchaus auf diesem Niveau mithalten. Dass es bisher noch nicht zu einer Medaille gereicht hat, hat ganz unterschiedliche Gründe, lag an der aktuellen Tagesform“, versucht Equipechefin Britta Bando eine Erklärung. „Äußere Einflüsse spielen sicher auch ein Rolle, aber ich hasse Entschuldigungen. Die Umstände sind für alle gleich. Es ist mir zu billig, fremde Einflüsse als Ausrede zu benutzen.“

Fünfzehn Mannschaften traten bei der Europameisterschaft an, für die deutschen Reiter reichte es nur zu Platz zehn. Elke Philipp hat die deutschen Farben schon häufig bei Championaten vertreten, ist sonst eine zuverlässige Punktelieferantin. Ihr hochveranlagter Hengst Fürst Sinclair beeindruckte denn auch wie immer mit seinem überragenden Schritt, allein seine Reiterin verritt sich in der Teamaufgabe gleich zweimal. „Das war wie ein Blackout“, beschreibt die zweifache Medaillengewinnerin der EM in Göteborg 2017 ihre Aussetzer, „das ist mir noch nie passiert.“ Mit 69,179 Prozentpunkten erfüllte das Paar die Hoffnungen nicht.

Stefan Zeibig ließ schon auf dem Abreiteplatz erkennen, dass er es dieses Mal ganz besonders gut machen wollte, seine Stute Feel Good war mindestens so motiviert wie er. In der Prüfung dann war beider Motivation wohl etwas zu viel des Guten, wie auch in der Einzelwertung fand die hübsche Rappstute im Schritt nicht zur erwünschten Losgelassenheit. Das Manko konnte auch die ausdrucksstarke Trabarbeit nicht ausgleichen (68,559 P.).

Die Newcomer im deutschen Team, Heidemarie Dresing und La Boum, zeigten eine harmonische Vorstellung mit deutlichen Höhepunkten, hatten das Lampenfieber des ersten Tages abgelegt. Das Missgeschick passierte nach dem Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen. Beim Aufnehmen der Zügel erwischte Dresing fälschlich nicht die Zügelschlaufe, sondern die, die ihr hilft, den Oberkörper aufrecht zu halten. Die Folge war eine kurze Balancestörung, La Boum war irritiert und zackelte an. „Die Schlaufen, die ich üblicherweise verwende, wurden mir hier nicht erlaubt, das war natürlich bitter. Wir werden diese jetzt eintragen lassen“, sagte die an Multiple Sklerose erkrankte Architektin. „Solche Sachen passieren halt, man kann daraus nur lernen.“ 68,727 Prozentpunkte waren längst nicht genug, um das Team nach vorn zu bringen.

Die letzte Mannschaftsreiterin war Regine Mispelkamp, die schon im Team war, welches bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon Bronze gewonnen hatte. Sie präsentierte in Grade V den 14-jährigen Look at me Now schwungvoll und durchlässig. „Es war mega toll“, strahlte sie nachdem sie wieder zu Atem gekommen war. „Ich habe vor lauter Konzentration und Anstrengung die Luft angehalten. Vor allem vor dem Rückwärtsrichten war ich ganz kribbelig.“ In der Einzelaufgabe war Look at me Now fälschlich angaloppiert statt anzutraben. „Mein Pferd war heute total fokussiert“, lobte sie den Wallach v. Lord Nobel S. Auf Platz drei rangierte das Paar, lieferte mit 71,628 P. das beste Teamergebnis. In der Einzelwertung der Prüfung musste sie nur Europameister Frank Hosmar (NED) und Weltmeisterin Sophie Wells (GBR) den Vortritt lassen. Das Punktekonto war noch dürftig, die Rangierung passt. „Look at me Now geht hier so gut wie nie“, lobte Britta Bando. „Das gibt uns Hoffnung für die Kür am Sonntag.“

Platz zehn für das deutsche Team (209,534 P.) war natürlich erstmal eine große Enttäuschung. „Wir haken das hier jetzt ab. Klar ziehen wir eine sorgfältige Analyse nach diesem Turnier. Das Leben geht weiter, aber dies lasse ich aber nicht auf mir sitzen“, sagte Equipechefin Britta Bando kämpferisch. „Manchmal tut ein Dämpfer ganz gut. Zum Glück sind wir seit den Weltreiterspielen für Tokio schon qualifiziert.“ Dort gewann das deutsche Team die Bronzemedaille.

Überragende Niederländer

Die Niederländer gewannen wie in Tryon die Goldmedaille (226,039P.). Rixt van der Horst, Nicole den Dulk, Sanne Voets und Frank Hosmar zeigten in den Aufgaben ihrer jeweiligen Grades wie schon in der Einzelwertung Spitzenleistungen. Die Briten waren über Jahre Abonnenten auf die Goldmedaille, in Rotterdam mussten sie sich wie in Tryon hinter den Niederländern mit der Silbermedaille zufrieden geben (209,54 P.). Vier Zehntel entschieden über den Gewinn der Bronzemedaille, am Ende hatten die Dänen die Nase vorn (216,43 P.). Interessant die Abstammung der dänischen Pferde: Drei Reiter des belgischen Teams hatten Nachkommen des Blue Horse Don Schufro unter dem Sattel.

Die belgische Mannschaft musste mit dem vierten Platz Vorlieb nehmen. Unter ihren Reiterinnen gab es einen besonderen Hingucker: Barbara Minneci aus Brüssel reitet im Damensattel. Sie bildet mit dem zehnjährigen Wallach Stuart v. Sir Donnerhall-Diamond Hit ein hochelegantes Paar. Nach einer Krebserkrankung kann die Fünfzigjährige Minneci nicht mehr im Reitsitz sitzen, zudem hat sie im linken Bein keine Kraft. 2017 fand sie in Deutschland den zwar wenig turniererfahrenen, aber sehr gut ausgebildeten Stuart. Schon in Göteborg und Tryon ist sie mit dem Fuchs an den Start gegangen, „da war die Feinabstimmung noch nicht so gut, jetzt haben wir richtig zusammengefunden“, sagt seine Reiterin. Inzwischen kann sie ihn auch allein trainieren, nur einmal wöchentlich reitet ihn jemand ins Gelände. „Mein Trainer sagt, dass die häufige Umstellung vom Reiten im Damensattel in den normalen Reitsattel für Stuart zu anstrengend ist.“ Für die Zukunft erwartet sie noch eine Leistungssteigerung, „das Zeug dazu hat Stuart“, ist sie überzeugt.

Wer im Para-Dressursport ein solches Pferd gefunden hat, kann sich glücklich schätzen. Die Qualität der Pferde ist in den letzten Jahren erheblich besser geworden. Das hat zur Folge, dass auch mehr Geld ausgegeben wird. Gerade in Grade IV und V, wo schon anspruchsvolle Dressuraufgaben geritten werden, vergleichbar mit L** und M** Dressuren im Regelsport, spielt die Qualität der Pferde eine große Rolle. Britta Bando dazu. „Mit unseren Pferden können wir mithalten, aber uns nicht verbessern.“ Da schwingt schon mit, dass auch bei den deutschen Paras noch investiert werden muss. „Ist aber gar nicht so einfach, diese Pferde zu finden. Für uns ist es ganz gut, dass das Spektrum unserer Reiter in den Grades breit gestreut ist. Unseren Erfolg in der Zukunft sehe ich eher in Grade IV und V, da kommt der Reiter mehr in den Fokus. Zudem kommen diese Reiter oft aus dem Regelsport, bringen wichtige Erfahrungen mit. Aber wie auch immer: Ein Quäntchen Glück braucht man auch, und das hatten wir bei diesem Championat gar nicht.“

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