FAHREN Deutsche holen auf – und wie!

Viele Zuschauer vefolgten den Marathon der Fahrer auf der Rennbahn La Prairie in der Stadtmitte von Caen.

(© www.st-georg.de)

Die Spannung vor der Marathonfahrt löste sich bei der deutschen
Mannschaft in Jubel auf: Erster Christoph Sandmann, Zweiter Georg von
Stein, Michael Brauchle auf Platz neun, das war ein Traumergebnis.
Vergessen ist das enttäuschende Dressurergebnis, der Blick geht jetzt
nach vorne.

In der Einzelwertung verbesserte sich Sandmann damit vom siebten auf den fünften Rang, durchaus in Tuchfühlung mit den Medaillenrängen vor dem abschließenden Kegelfahren (136,43). Von Stein machte drei Plätze gut, liegt jetzt an achter Stelle (141,18). Michael Brauchle konnte seine Position ebenfalls verbessern und fuhr vom zehnten auf den neunten Rang (145,52). An der Spitze haben Boyd Exell (AUS) und Chester Weber (USA) die Plätze getauscht. Der Titelverteidiger wurde trotz eines Rumplers in Hindernis sechs noch Dritter im Marathon, Chester Weber fuhr nach einer überragenden Dressur gestern heute im Gelände eher zurückhaltend und erreichte nur Platz zwölf. Mit 125,83 Punkten führt Exell vor dem US- Amerikaner, 128,60. Drei Punkte gibt es im Kegelparcours für einen herabgefallenen Ball, somit hat der Australier einen beruhigenden Vorsprung. Zwischen Weber und Sandmann rangieren zwei Niederländer, Theo Timmermann auf Platz drei (133,88), Ijsbrand Chardon auf dem vierten Platz (134,98). Es wird also noch richtig spannend beim Kegelfahren um den Bronzeplatz.

Medaille in Reichweite
In der Teamwertung führen die Niederländer (263,19) zwar nach wie vor mit komfortablem Vorsprung, das deutsche Team liegt nach den sehr guten Marathonfahrten jetzt an zweiter Stelle (277,56). Das ungarische Team ist ebenfalls noch auf Medaillenkurs, derzeit Platz drei (283,63). Als erster deutscher Fahrer war Georg von Stein in die Marathonfahrt gestartet, nach einer fehlerfreien Runde kam er ins Ziel. „Wie abgesprochen habe ich alles riskiert, in den Hindernissen vier und sechs sogar einen Weg gewählt, den ich erst mal testen musste. Christoph Sandmann und ich hatten zwar abgesprochen, dass wir das probieren wollten, waren aber nicht sicher ob es klappt. Hat ja geklappt, wie man sieht, bei beiden. Alle unsere Pläne sind aufgegangen, wir sind sehr zufrieden.“ Michael Brauchle als zweiter deutscher Starter lobte seine Pferde überschwänglich. „Die zwei Fehler, die mir unterlaufen sind, muss ich mir selbst ankreiden. Ich habe die Leinenhilfe nicht deutlich genug gegeben. Ich habe einen Sechsjährigen eingespannt, der noch nicht viel Erfahrung hat, ich hätte da mehr Unterstützung geben müssen.“ Als Letzter ging Christoph Sandmann auf die Strecke, bei ihm lief es im ersten Hindernis noch nicht ganz rund, danach wurden meine Pferde immer besser,“ kommentiert er seine Fahrt.

Toll präparierte Strecke, Werbung fürs Fahren
Alle Fahrer lobten die zunächst so kritisch betrachtete Geländestrecke. Der Boden, vom Veranstalter bestens gepflegt, war nicht wie befürchtet glatt, weder Pferde noch Kutsche kamen ins Rutschen. Nach jeder Durchfahrt wurde innerhalb der Hindernisse der Boden wieder geglättet, so blieben die Bedingungen vom ersten bis zum letzten Fahrer gleich. Die Strecke war schnell, auch die Hindernisdurchfahrten waren schneller und kürzer als bei anderen Geländefahrten, die gebrauchten Zeiten deutlich unter den bei Championaten üblichen. Die Hindernisse selbst teilweise sehr technisch gebaut. Optimal waren die Bedingungen auch für die Zuschauer. Die acht Hindernisse wurden in zwei Komplexen aufgebaut, wer einen Platz auf einer der aufgestellten Tribünen oder am Hang fand, konnte drei bis vier Hindernisse einsehen, die anderen auf einer großen Videowand. Ergebnisse wurden dort eingeblendet, so war jeder stets auf dem neuesten Stand. Beifall begleitete die Fahrer fast auf der gesamten Strecke.
Vielleicht war das eine oder andere Pferd irritiert durch die vielen Trillerpfeifen, die durch die Nähe der Hindernisse zueinander von überall zu hören waren, die Leistungen waren davon nicht beeinflusst. „Und unter dem Strich müssen wir unseren Sport in der Öffentlichkeit darstellen, haben ohnehin so wenig Aufmerksamkeit“, sagt Georg von Stein. „Solange die Pferde nicht darunter leiden, müssen wir den Fahrsport unbedingt zuschauerfreundlich gestalten.“ Die Geländefahrt in der Normandie hat dazu beigetragen, kein Unfall trübte die Stimmung.

Nicht wirklich dramatisch, aber unglücklich der Moment als Werner Ulrich aus der Schweiz mit seiner Kutsche in Hindernis acht umkippte, jedoch ohne ernsthaften Schaden alles wieder aufrichtete. Fahrer und Grooms stiegen wieder auf die Kutsche, das Publikum applaudierte, Ulrich reckte sogar scherzhaft die Siegerfaust: Nichts passiert, wir fahren wieder. Außer Ulrich konnten von den 46 Startern ein Pole, ein Slowake und ein Tscheche den Marathon nicht beenden, verunglückt ist niemand.

Christine Meyer zu Hartum

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