Fahren: Deutsche Viererzüge Zweite nach der Dressur in Aachen

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Boyd Exell (AUS), bester in der Dressur der Vierspännerfahrer, CHIOA Aachen 2022 (© CHIO Aachen/Michael Strauch)

Platz zwei nach der Dressur für die deutschen Fahrer beim CHIO Aachen 2022.

„Wir sind ganz zufrieden mit unserem Dressurergebnis doch recht dicht an die Niederländer (83,97 Punkte) herangekommen zu sein“, kommentiert Bundestrainer Karl-Hein Geiger den zweiten Platz ( 85,50 Punkte) des deutschen Teams der Vierspännerfahrer beim CHIO in Aachen. „Der Abstand ist im Vergleich zu den vorigen Jahren deutlich geringer geworden, die Leistungen auf dem Dressurviereck haben sich wesentlich verbessert. Es ist noch alles drin“.

Damit spricht er vor allem das Ergebnis der einzigen Fahrerin in Aachen, der Holsteinerin Mareike Harm an. Sie lieferte mit 38,85 Punkten das beste Resultat der deutschen Mannschaft ab, erreichte damit Platz zwei in dem 22-köpfigen Starterfeld. Ihre Vorstellung bestach vor allem durch die gleichmäßige, feine Anlehnung ihrer vier Braunen G (kein Schreibfehler, der Wallach heißt so), Luxus Boy, Rocciano und Zazou, die Präzision bei der Ausführung der Lektionen und die herausgefahrenen Höhepunkte. „Meine Pferde waren hochkonzentriert, überhaupt nicht guckig“, lobte sie die vier Braunen. Damit musste sie wie 2021 nur dem amtierenden Weltmeister den Vortritt geben.

Der Australier Boyd Exell setzte sich mit 33,33 Punkten deutlich an die Spitze. Exell ist auf dem Dressurviereck kaum zu schlagen, die KWPN Rappen des Multi-Champions funktionieren wie ein Uhrwerk. Schwung, Elastizität und Durchlässigkeit bei erwünschter Losgelassenheit waren auch an diesem Tag vorbildlich, der Sieg nicht infrage gestellt. „Allerdings hätte ich mir bei der Benotung von Mareike auch ein paar Punkte mehr vorstellen können“, wundert sich der Bundestrainer besonders über das Urteil eines Richters, der die Schleswig-Holsteinerin nur auf dem fünften Rang eingeordnet hatte und spielt dabei auf den geringen Abstand zum Drittplatzierten, dem Niederländer Ijsbrand Chardon an (38,99 P.).

Ganz knapp hinter Chardon stand der US Amerikaner Chester Weber, auch er bekannt für herausragende Leistungen auf dem Viereck (39,19 P.). Mit guten Ergebnissen schlossen auch die beiden anderen deutschen Fahrer die erste Teilprüfung der Kombinierten Prüfung ab: Christoph Sandmann (Lähden) mit 46,65 Punkten auf dem sechsten, Georg von Stein (Modautal) landete mit 47,38 Punkten auf dem siebten Platz. Von Stein verlor wertvolle Punkte zu Beginn, als seine Pferde bei der ersten Grußaufstellung nicht die erwünschte Ruhe fanden und demzufolge das erste Anfahren nicht ganz glückte.

Sieben Teams konkurrieren um den Preis der Nationen in Aachen, für die Vierspännerfahrer neben den im September in Italien stattfindenden Weltmeisterschaften das wichtigste Turnier des Jahres. Bei der WM werden auch die Belgier ein Wort mitreden, haben sie doch beim CAIO im Mai in Windsor (GB) ihre Stärke mit einem Sieg unter Beweis gestellt. In der Soers rangieren sie aktuell allerdings mit 102,21 Punkten auf dem vierten Platz noch hinter den Australiern (95,63), die dank Boyd Exells guter Leistung nach der Dressur an dritter Stelle rangieren. Die Australier gehen mit nur zwei Fahrern an den Start, außer Exell fährt dessen ehemaliger Schüler Tor van den Berge, der heute keinen glücklichen Tag hatte (62,30).

Samstag steht als zweite Teilprüfung der Marathon an, dafür fühlen sich die deutschen Teilnehmer gut gerüstet. „Die Geländefahrt ist schwer“, berichtet Georg von Stein nach der Besichtigung. „Die acht Hindernisse sind verzwickt gebaut, hier ist hohe Konzentration gefordert. Man muss sehr aufpassen, die richtige Gasse zu finden, sonst erwischt man ruckzuck ein falsches Tor“. Ohnehin ist bei der Geländefahrt die Linienführung innerhalb der Hindernisse für Laien schwer nachzuvollziehen, laut von Stein ist sie dieses Jahr in der Soers besonders anspruchsvoll. Umso größer ist der Respekt, wenn die Gespanne die schmalen Tore und engen Wendungen in hohem Tempo durchfahren. Dabei muss das deutsche Team ohne eine sichere Bank auskommen. „Mit Michael Brauchle fehlt uns unser momentan stärkster Fahrer“, bedauert Bundestrainer Karl-Heinz Geiger. Das Fernbleiben des mehrfachen Marathonsiegers hat allerdings einen guten Grund: Brauchle und seine Frau Petra erwarten an diesem Wochenende die Geburt ihrer Zwillinge. „Und wir freuen uns ja immer über Zuwachs im Fahrerlager“, schmunzelt Geiger.

Christoph Sandmann war zunächst nicht begeistert von seiner Nominierung, hätte lieber Tochter Anna in Aachen gesehen. Am Ende der Diskussionen setzten sich der Fahrausschuss und der Bundestrainer durch. Immerhin hatte Sandmann zwei Pferde aus dem Gespann von Tochter Anna eingespannt, Fredi U und Fantast sorgten mit für das gute Abschneiden des Routiniers aus dem Emsland.

 


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