Fahrer starten schleppend in die WM 2018

Carriage 1900	Boyd Exell1900A Carlos / 1900B Celviro	/ 1900C Checkmate	/ 1900E Zindgraaf

Boyd Exell (AUS) mit Carlos, Celviro, Checkmate und Zindgraaf , ist der Titelverteidiger auf dem Bock. Heute gehen die Fahrer ins Gelände. (© FEI/Christophe Taniere)

Enttäuschend fielen die Dressuren des deutschen Teams im Fahrstadion aus. Georg von Stein, Mareike Harm und Christoph Sandmann hatten sich viel vorgenommen. Das Ergebnis aber war ernüchternd. Das Wetter bringt Unruhe in den Ablauf der Fahrer-WM.

Der Plan der Fahrer, sich schon mit der Dressurprüfung eine gute Ausgangsposition zu schaffen, war ganz und gar nicht aufgegangen, alle drei Gespanne blieben unter ihren Möglichkeiten. 53,86 Punkte, Platz zwölf für Georg von Stein, 51,79 Punkte, Platz neun für Mareike Harm, 51,03 Punkte, Platz acht für Christoph Sandmann, nichts, worauf man stolz sein könnte. Dabei ging eigentlich bei keinem der drei so richtig etwas schief, in Summe häuften sich die kleinen Nickeligkeiten, die eine bessere Note verhinderten. „Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einer Dressur über fünfzig Minuspunkte hatte“, hadert Mareike Harm, sonst eine sichere Bank für ein gutes Dressurergebnis, mit ihrer Leistung. „Zazou war so spannig, er wollte immer los“. Darunter litt die gesamte Vorstellung.

Georg von Steins Pferde waren auf dem Abfahrplatz noch voll bei der Sache. Als er auf das Viereck einfuhr, ließen sie sich irritieren von den applaudierenden Zuschauern. Despardos wurde besonders nervig, zackelte sogar im Schritt an und übertrug seine Spannung auf das gesamte Gespann. „Alles war unruhig. Ich konnte den starken Trab gar nicht mehr ausfahren“.

Als letzter deutscher Starter und erfahrenster Championatsfahrer sollte und wollte es Christoph Sandmann richten, aber auch bei ihm ging die Rechnung nicht auf. Keine großen Patzer, aber viele kleine Ungenauigkeiten drückten die Note, wobei Sandmann selbst nach der letzten Grußaufstellung mit einer besseren Note gerechnet hatte. „Wie 51,03 hat es sich nicht angefühlt, guckig waren meine Pferde nicht.“, schildert der Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaft in Göteborg 2017.

Es war alles andere als eine Überraschung, dass am Ende des Tages der Australier Boyd Exell die Spitzenposition einnahm, die Art und Weise war ein absolutes Highlight. Es ist ein Genuss, seine vier bunten Rappen bei der Arbeit zu sehen, losgelassen und gehorsam bei großer Schwungentfaltung, die Lektionen geradezu zelebrierend. Und immer wenn in den Verstärkungen 15 weiße und ein schwarzes Pferdebein durch die Luft wirbelten, hielten die Zuschauer an sich, um keinen Szenenapplaus zu geben. 31,68 Punkte nach der Dressur sichern eine Ausgangsposition mit der Exell auf dem besten Weg zu seinem fünften Weltmeistertitel ist.

US-Fahrer-Team in Führung nach der Dressur

Am nächsten kam dieser Spitzenleistung der US-Amerikaner Chester Weber. Seit vielen Jahren liefert er sich spannende Duelle auf dem Dressurviereck mit Boyd Exell, ist selbst amtierender Vize-Weltmeister. 35,10 Minuspunkte sind ein tolles Ergebnis, er hebt sich jedoch deutlich von dem des Weltmeisters ab. Für Insider war die tolle Vorstellung der US-Amerikanerin Misdee  Wrigler-Miller keine Überraschung, in Europa ist die zierliche Dame aus Florida wenig bekannt. Ihre Leidenschaft gehört dem Fahrsport, dafür lebt sie. Mit 42,00 Punkten landete sie als Vierte in dem 19köpfigen Starterfeld, das war ein super Ergebnis zugleich für das US-Team. Zwischen die beiden Amerikaner schob auf den dritten Platz der  Niederländer Ijsbrand Chardon (41,06), sein Sohn Bram positionierte sich auf Platz fünf (46,37).

Es erstaunt nicht, dass das amerikanische Team nach der Dressur mit 77,1 Punkten in Führung gegangen ist. Der Abstand zu den zweitplatzierten Niederländern ist respektabel (87,43), die Franzosen mit 101,40 Punkten sind deutlich auf Distanz. Danach wird es eng, Belgien sammelte 102,76 Punkte, Deutschland  ist mit 102,82 Punkten das Schlusslicht im Teamwettbewerb.  Erwartungsgemäß liegen die Teams aus Frankreich, Belgien und Deutschland eng zusammen, sie werden um Silber und Bronze kämpfen. Den Titel werden sich die Niederländer auch bei dieser Weltmeisterschaft nicht nehmen lassen, sind sie doch erfahren und als risikofreudiger bekannt.

Es wäre zu einfach, die leicht desolaten Voraussetzengen für die Dressur der Fahrer als mitentscheidend für das enttäuschende Abschneiden der deutschen Fahrer anzuführen. Okay, das Fahrstadion war leider nicht fertig, als es losgehen sollte in Tryon. Dort werkeln immer noch die Bagger und Radlader, weshalb die Prüfung auf den Abreiteplatz Springen verlegt wurde. Zwar gab es keine Tribünen, und als Zuschauer musste man schon recht tapfer sein, wenn man die ganze Prüfung über in der Sonne stehen musste, aber der Boden war hervorragend, für die Pferde wichtiger als Chichi rundum.

Klima zwingt zu Kursänderung am Marathontag

Die Verlegung der Dressur war nicht die einzige weitreichende Entscheidung, die alle relevanten Offiziellen treffen mussten. Ganz wichtig war die Änderung der Geländestrecke. Für den morgigen Samstag sind für Tryon 31° angesagt, 64% Luftfeuchtigkeit und kaum Wind, Wetterbedingungen wie beim Distanzritt in der ersten Woche, die allen noch in schlechtester Erinnerung sind. Die geplante Strecke führte bergauf und bergab, mit einer langgezogenen Steigung am Schluss, wie bei den Vielseitigkeitsreitern.  Bei den Überlegungen, die Strecke zu entschärfen, durfte jedoch auch nicht vergessen werden, dass es sich um eine Weltmeisterschaft handelt, in der natürlich auch um den Titel gekämpft werden muss. Die Offiziellen haben nun entschieden, Phase A, die zum Aufwärmen dient, erheblich zu verkürzen, vor allem auf der Ebenen stattfinden zu lassen statt über den Hügel. Die Hindernisstrecke an sich bleibt unverändert, sieben der acht zu bewältigenden Hindernisse stehen ohnehin auf einer Ebene. Zu Hindernis acht führt schlussendlich eine lange Steigung, da gilt es die Kräfte der Pferde klug einzuteilen, um dort noch genug „im Tank“ zu haben um das zu bewältigen. Zwischen den einzelnen Hindernissen haben die Fahrer morgen jeweils eine Minute länger Zeit als gewohnt, um den Pferde Erholung zu ermöglichen.

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