FEI-Generalversammlung: Auch bei Olympia in Paris 2024 Dreierteams im Springreiten und weitere Entscheidungen

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FEI-Präsident Ingmar De Vos bei der FEI-Generalversammlung 2021. (© FEI/Dirk Caremans)

Wegweisende Entscheidungen wurden bei der diesjährigen Generalversammlung des Weltreiterverbands (FEI) getroffen. Die Versammlung konnte nach einer rein virtuellen Veranstaltung im letzten Jahr nun im hybriden Format durchgeführt werden. Inhaltlich ging es vor allem um das Wettkampfformat für die kommenden Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris 2024.

Viele Teilnehmer zogen es wieder vor, der Versammlung in Antwerpen, Belgien, in persona beizuwohnen. So nutzte vor wenigen Tagen noch der Schweizer Steve Guerdat die Chance, einen Appell für die Rückkehr zu Viererteams im Springreiten bei Olympia an die nationalen Verbände zu richten. Um den neuen olympischen Modus im Springreiten, der neben dem fehlenden Streichergebnis mit der Reihenfolge Einzel- vor Teamentscheidung noch eine weitere gravierende Veränderung beinhaltet, gab es in der Vergangenheit immer wieder viele Diskussionen.

Guerdats Einsatz blieb in Antwerpen ohne Erfolg. 70 Stimmen, darunter auch einige Verbände europäischer Länder, sprachen sich in der entscheidenden Abstimmung erneut für Dreierteams aus. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) gehörte wie auch die restlichen Mitgliedsverbände der Europäischen Reiterlichen Vereinigung (EEF) zu den 30 Stimmen, die dagegen stimmten.

„Wir stellen besonders hohe Ansprüche an den Tierschutz im Pferdesport. Das Format mit Streichergebnis ist pferdefreundlicher, denn es nimmt den Druck von Reitern, wenn sie Fehler gemacht haben oder eine schlechte Runde zum Wohle des Pferdes nicht fortsetzen möchten. Mit einem Streichergebnis könnte die Mannschaft den Wettbewerb auch dann mit Erfolgsaussichten fortsetzen, wenn ein Reiter-Pferd-Paar ausgeschieden ist“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.

Die endgültige Entscheidung über das Wettkampfformat in Paris wird jedoch erst im kommenden Jahr getroffen. Der Modus wird erneut Thema sein beim kommenden FEI Sports Forum im April 2022.

Neben der Abstimmung über den Modus bei Olympia und den Paralympics 2024 in Paris wurden auch Änderungen an dem Qualifikationssystem beschlossen. Diese werden nun dem Internationalen Olympischen Komitee zur Abstimmung vorgelegt. Wenn das IOC dies genehmigt, gilt das Wettkampfsystem schon für kommenden Weltmeisterschaften in Herning im nächsten Jahr.

Das Qualifikationssystem und mithin die Verteilung der Startplätze für Olympia 2024 in Paris soll folgendermaßen aussehen:

  • Im Springen gibt es 75 Quotenplätze (für 60 Teamreiter und 15 Einzelstarter). Insgesamt sind 20 Mannschaften mit jeweils drei Paaren startberechtigt, darunter auch das Gastgeberland Frankreich sowie die besten fünf Nationen der WM 2022 in Herning, Dänemark.
  • In der Dressur sind 60 Quotenplätze vorgesehen (für 45 Teamreiter und 15 Einzelstarter). 15 Nationen können sich mit einem Dreierteam qualifizieren. Neben dem Gastgeberland sind unter anderem die sechs besten Nationen der WM 2022 in Herning startberechtigt.
  • In der Vielseitigkeit können maximal 65 Paare starten (darunter 48 Teamreiter und 17 Einzelstarter). 16 Nationen können sich mit einem Dreierteam qualifizieren. Auch in der Vielseitigkeit sind neben dem Gastgeberland unter anderem die sechs besten Nationen der WM 2022 in Pratoni (Italien) startberechtigt.
  • Für jede mit einem Team qualifizierte Nation darf ein Ersatzpaar mit zu den Olympischen Spielen nach Paris reisen. Dieses Ersatzpaar zählt jedoch nicht zu den Quotenplätzen.
  • In der Para-Dressur gibt es 78 Quotenplätze. Die Plätze werden den jeweiligen Nationalen Paralympischen Komitees (NPC) zugewiesen. Einem NPC können maximal vier Quotenplätze zugewiesen werden. In der Mannschaftsentscheidung dürfen maximal drei Athleten antreten. Für das Gastgeberland sind automatisch vier Quotenplätze vergeben. Die sieben bestplatzierten Nationen der Weltmeisterschaften 2022 in Herning erhalten jeweils vier Quotenplätze.

FN-Generalsekretär Lauterbach wies trotz der Mehrheit für die Dreierteams auf die Entwicklung der Stimmlage hin. 30 Gegenstimmen seien mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein: „Das Ergebnis ist im Vergleich zum Abstimmungsverfahren vor fünf Jahren sehr, sehr gut. Damals gab es nur elf Stimmen für die Viererteams. Mit dem Ergebnis von Antwerpen wurde sehr deutlich, dass hier für die Spiele in Los Angeles 2028 Überarbeitungsbedarf besteht. Daher wurde vereinbart, dass das Qualifikationsformat schon 2023 auf der Agenda des FEI Sports Forums stehen wird und damit in einem langfristigen Prozess diskutiert wird.“

Interessant wird auch, was die FEI bis zum Dezember 2022 als individuelle Mindestqualifikation (Minimum Eligibility Requirement, MER) festlegt. In Tokio und auch bereits im Vorhinein waren mehrere Stimmen laut geworden, die die Regelung für Tokio bemängelten. Auch Soenke Lauterbach unterstrich, dass es sich bei Qualifikationsturnieren um hochklassige internationale Prüfungen oder Nationenpreise handeln müsse. Damit solle sichergestellt werden, dass die Reiter-Pferd-Paare den Aufgaben bei Olympischen Spielen auch tatsächlich gewachsen sind.

Personalentscheidungen

Neben der Wahl der Mexikanerin Maribel Alonso zur neuen Vorsitzenden des FEI-Dressurkomitees gab es weitere aus deutscher Sicht wichtige Entscheidungen zu Personalia. Wiedergewählt wurde Stephan Ellenbruch als Vorsitzender des Spring-Komitees bis zum Jahr 2025.

Soenke Lauterbach bleibt auch in der kommenden Amtsperiode stellvertretender Vorsitzender der EEF Regionalgruppe. Den Vorsitz hat nach dem Türken Armagan Özgörkay bis 2025 nun der Grieche George Dimaras inne.

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