FEI-Generalversammlung: Olympische Zukunft im Mittelpunkt

Von links: FEI-Präsident Ingmar de Vos, Frank Kempermann, John Madden und Giuseppe Della Chiesa, die Vorsitzenden der FEI-Komitees für Dressur, Springen und Vielseitigkeit.

(© Von links: FEI-Präsident Ingmar de Vos, Frank Kempermann, John Madden und Giuseppe Della Chiesa, die Vorsitzenden der FEI-Komitees für Dressur, Springen und Vielseitigkeit.)

Soll der Reitsport olympisch bleiben – und das ist das erklärte Ziel –, muss sich an den Prüfungsformaten etwas ändern. Warum und in welcher Form, waren ein Nachmittag füllendes Thema bei der FEI-Generalversammlung in San Juan, Puerto Rico.

In seiner Eingangsrede erklärte Präsident Ingmar de Vos der FEI-Generalversammlung: „Die Agenda 2020 bringt Druck in den Prozess. Aber noch ehe das passierte, wussten wir bereits, dass es Veränderungen geben muss in unseren Prüfungsformaten und der Art und Weise, wie wir unseren Sport präsentieren. Aber warum wollen wir etwas verändern? Die Antwort ist wirklich ziemlich einfach: Weil wir unsere Bedeutung behalten wollen in der sich ständig ändernden sportlichen Landschaft heutzutage und weil wir die Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit haben wollen, die unser Sport verdient.“

De Vos rief seinem Publikum noch einmal die Worte von IOC-Präsident Thomas Bach in Erinnerung, der bei der IOC Versammlung im vergangenen Dezember in Marokko sagte: „Sich ändern oder geändert werden, dass ist die Frage.“ Das sei es, weshalb man sich in San Juan an diesen Nachmittag versammelt habe. Und er gab einen Ausblick, worauf die Diskussion hinauslaufen würde: „Wir müssen die Vorteile nutzen, die unser Sport mit all seiner Spannung und seiner Dramatik bietet. Wir müssen ihn leichter verständlich machen, ein jüngeres und Publikum begeistern, fernsehtauglich werden und mehr Nationen finden, die ihn präsentieren.“

Die olympische Agenda 2020

De Vos erklärte weiter, was die olympische Agenda 2020 für Auswirkungen haben würde, sowie den Schritt von einem sportbasierten zu einem eventbasierten Programm für Tokio 2020. Danach gab er das Wort an die Disziplinvorsitzenden, John Madden (Springen), Frank Kempermann (Dressur) und Giuseppe Della Chiesa (Vielseitigkeit).

John Madden betonte, welche Interesse und Verständnis IOC-Präsident Thomas Bach an und für den Reitsport hat. Das sei deutlich geworden bei seinem Besuch in der FEI-Zentrale in Lausanne vergangene Woche. Und dass es dringend notwendig sei, die Forderungen der Agenda 202o zu erfüllen.

Maria Gretzer, einst selbst für Schweden bei Olympischen Spielen am Start und seit 2013 als Athletenrepräsentantin in der FEI-Führungsetage, bestätigte diese Einschätzung nachdrücklich, auch in Hinblick auf ihre Erfahrungen beim letzten IOC Athletenforum in Lausanne.

Einer der wichtigsten Vorschläge des Tages war es, in allen Disziplinen die Teams nur noch mit drei Reitern zu besetzen. Ein Nebenprodukt sei es, dass dadurch „mehr Flaggen“ teilnehmen könnten. Auch wolle man nun die Einzel- und die Teamwettbewerbe separieren sowie die Streichergebnisse weglassen.

Mit diesen Vorschlägen hätte man in der Dressur 15 Mannschaften und 15 Einzelreiter. Die besten 18 Paare würden dann um die Einzelmedaillen reiten.

Im Springen gäbe es 20 Mannschaften und 15 Einzelreiter. Sowohl in der Mannschafts- als auch in der Einzelentscheidung soll es ein Stechen um den Sieg geben. Für die Mannschaft heißt das: Alle drei Reiter müssen ins Stechen, aber nur das beste Ergebnis zählt. Andere Vorschläge orientieren sich am derzeitigen Nationenpreis-Format, bei dem nur die besten zehn Teams um die Medaillen reiten.

In der Vielseitigkeit sollen die Dressuraufgaben verkürzt werden, so dass man nur noch einen Dressurtag hat. Das traditionelle Format mit Dressur, Gelände und Springen soll allerdings im Interesse der Pferde, um die Essenz der Disziplin zu erhalten und sofortige verlässliche Ergebnisse zu liefern, erhalten bleiben.

Das Einzelspringen wäre gleichzeitig eine Qualifikation für die besten sechs oder sieben Teams, von denen dann alle drei Reiter gemeinsam in den Parcours gehen und einer nach dem anderen springen muss. So hätte man sofort ein Mannschaftsergebnis.

Weiter steht die Überlegung im Raum, statt „Eventing“ einen neuen Namen zu kreieren, beispielsweise „Equestrian Triathlon“. Auf diese Weise hofft man, den Sport verständlicher für ein breites Publikum zu machen.

Die Diskussion wird im Rahmen des FEI Sport Forums 2016 vom 4. bis 5. April in Lausanne fortgesetzt. Im Rahmen der Generalversammlung Ende 2016 soll dann über die Vorschläge abgestimmt werden, ehe die Ergebnisse 2017 dem IOC präsentiert werden.

www.fei.org

 

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