Lähden: Der Hausherr führt und weitere Infos zur Halbzeit von den Deutschen Meisterschaften der Fahrer

WEB-pvh-180922-weg tryon-4094 sandmann

Christoph Sandmann, hier bei der WM in Tryon 2018. (© Pauline von Hardenberg)

Zugegeben, eigentlich ist nicht nur die Hälfte der Deutschen Meisterschaft der Fahrer in Lähden bereits geschafft, sondern zwei Drittel. Wer sich Hoffnungen auf die Medaillen machen kann, berichtet Fahrsport-Expertin Christine Meyer zu Hartum.

Mit 23 Gespannen war das Starterfeld der Vierspänner-Pferde bei der Deutschen Meisterschaft mit internationaler Beteiligung am stärksten besetzt. Ihre Geländefahrt war denn auch der Höhepunkt des zweiten Veranstaltungstages bei den Lähdener Pferdesporttagen 2020.

Michael Brauchle aus Baden Württemberg ist bekannt für seine rasanten Marathonfahrten, er ließ sich auch in Lähden den Sieg nicht nehmen, 106,89 Punkte sein Ergebnis, das konnte keiner besser. „Meine Stangenpferde waren so was von klasse unterwegs heute“, strahlte er im Ziel. Lag es vielleicht an der Zwiesprache mit Carola, der braunen Stute? Nach einem energischen Anruf in Hindernis fünf, bei dem Carola hervorragend reagierte, kam prompt ein deutliches „Danke!“ vom Kutschbock. Carola ihrerseits bedankte sich mit vollem Einsatz.

Brauchle ist als Titelverteidiger in Lähden angetreten, das wird in diesem Jahr schwer. Auf dem Dressurviereck funktionieren seine Pferde nämlich noch nicht so wie im Gelände, so liegt er nach Dressur und Gelände nur auf dem vierten Platz (158,87 P.) in der Meisterschaftswertung.

Die führt derzeit Hausherr Christoph Sandmann an (152,54 P.) nach dem dritten Rang in der Dressur wie auch im Gelände. „Ich bin super zufrieden mit meinen Pferden im Gelände, aber ich freue mich immer noch über mein Dressurergebnis von gestern (43,45 P.)“, bewertet er seine Leistung.

Noch besser lief es in der Dressur für Mareike Harm, die sich hinter dem Australier Boyd Exell auf dem Viereck mit 38,06 Punkten auf dem zweiten Platz platzieren konnte. Im Gelände fuhr die Holsteinerin wie gewohnt eher auf Sicherheit denn auf Risiko, landete auf dem siebten Rang, liegt aber mit 155,55 P. nach beiden Disziplinen in der Zwischenwertung auf Rang fünf (156,76 P.) und in der Meisterschaftswertung auf dem aussichtsreichen Bronzeplatz.

Da gilt es am morgigen Tag im abschließenden Kegelfahren noch Georg von Stein zu schlagen, der nach zwei vierten Rängen sowohl in der Dressur wie auch im Marathon mit 155,55 Punkten Kurs auf die Silbermedaille nimmt. „Meine Pferde sind zwar konditionell topp, aber es fehlt die Wettkampfpraxis“, erklärt der Mannschafts-Europameister.

In der Zwischenwertung liegt Koos de Ronde auf dem zweiten Platz. Dazu beigetragen hat vor allem seine gute Leistung im Gelände, das er an zweiter Stelle beendete (107,87 P.). Damit ist der Niederländer auch an zweiter Stelle in der Zwischenwertung nach Dressur und Gelände (152,71 P.)

Dritter ist Boyd Exell, der Multi-Champion aus Australien. Er gewann mit deutlichem Vorsprung die Dressur (30,06 P.). fuhr jedoch im Gelände eher mit gebremstem Risiko und beendete die Zwischenwertung auf Platz drei (155,53 P.)

Bundestrainer Karl-Heinz Geiger freut sich über die verbesserten Dressurleistungen seiner Vierspännerfahrer, „Das war bisher unser Schwachpunkt. Jetzt haben wir uns in dieser Disziplin stark verbessert“.

Pony-Vierspänner

Bei den Pony-Vierspännern führt etwas überraschend der Westfale Michael Büngener (146,32 P.) vor Titelverteidiger Steffen Brauchle. Der Baden Württemberger ist wie sein Bruder Michael bei den Großpferden ein Garant für schnelle Marathonfahrten. In Lähden fuhr er in sechs von sieben Hindernissen Bestzeit.

In Hindernis fünf kassierte er jedoch fünf Strafpunkte, eine Beifahrerin war abgerutscht von der Kutsche. So blieb ihm denn in der Meisterschaftswertung die Führung ebenso versagt wie in der Zwischenwertung, mit 158,81 Punkten wird es für ihn schwer, den Titel zu verteidigen.

Zweispänner

Das kann Sandro Koalick (Drebkau) bei den Zweispänner- Pferden gelingen. Nach einem zweiten Platz in der Dressur und dem Sieg im Marathon führt der Vize-Weltmeister die Konkurrenz mit 140,55 Punkten an. Sein Verfolger Lars Schwitte hat zwar die Dressurprüfung gewonnen, fuhr aber im Marathon nur auf Platz acht und verbucht 149,62 Punkte auf seinem Konto.

Zwischen den beiden deutschen Fahrern rangiert der Niederländer Raymond Letteboer (145,93 P.). Auf den Bronzeplatz in der Meisterschaftswertung steuert Anna Sandmann zu (155,86 P.), die bei ihrem Hausturnier nicht nur bei den Zweispännern, sondern auch bei den Vierspännern an den Start geht.

Pony-Zweispänner

Der Anteil der Fahrerinnen wird beständig größer, besonders in den Pony-Prüfungen. So ist es denn nicht verwunderlich, dass bei der Pony-Zweispännern eine junge Frau vorne liegt: Nikola Louise Reinke führt mit ihren selbst gezogenen Isabell-farbenen Deutschen Reitponys Maruscha und Minou das Feld in dieser Klasse an.

Nach zwei zweiten Plätzen in Dressur und Gelände (139,07 P.) sah es zunächst nach Kurs auf Silber aus, bis der nach der Dressur führende Rene Jeurink (Weser-Ems), der auch im Marathon auf Siegeskurs fuhr, etwas zu forsch in das letzte Hindernis einfuhr, dort stürzte und deshalb ausschied. Bis auf eine leichte Verletzung einer Beifahrerin blieb der Sturz glücklicherweise folgenlos.

Carl Holzum vom Oldenburger Münsterland muss sich morgen beim Kegelfahren noch mächtig anstrengen, wenn er seinen zweiten Platz (148,71 P.) verteidigen will, dicht hinter ihm liegt die erfahrene Westfälin Daniela Menke 149,58 Punkten, der Vorsprung ist knapp.

Einspänner

Die Deutsche Meisterschaft der Einspänner war am vergangenen Wochenende in Schildau, wohl ein Grund dafür, dass in Lähden nur sieben Gespanne an den Start gingen. Hier führt Christoph Dieker (134,60 P.) mit Nora vor der Luxemburgerin Marie Schlitz (136,58 P.) Wie in allen anderen Anspannungsarten sind auch hier die Abstände sehr gering, so dass das Kegelfahren noch reichlich Überraschungen, sicher aber Hochspannung bringen wird.

Organisationstalent Sandmann

Unter der Führung von Christoph Sandmann hatte sich die Pferdesportgemeinschaft Lähden mit der Organisation und Durchführung zweier Fahrturniere innerhalb weniger Wochen eine Mammutaufgabe gestellt. Im August fand das das erste größere Fahrturnier unter Corona-Bedingungen statt, vom 11. – 13. September die Deutschen Meisterschaften der Zwei- und Vierspänner für Ponys und Pferde mit internationaler Beteiligung. Das alles managt Sandmann neben seinem Job als Inhaber einer großen Spedition.

Als wenn das nicht genug Herausforderung ist, trat er auch selbst zum Wettkampf um die Deutsche Meisterschaft an. „Wir haben ein starkes Team hier in Lähden, aber so allmählich kommen wir an unsere Grenzen“, gibt er zu.

Das Ergebnis der Bemühungen war ein rundum gelungenes Turnier, wenn auch, wie alle derzeitigen Veranstaltungen, gezeichnet von den durch Corona vorgegebenen Auflagen der Behörden. Allerdings waren im Emsland fünfhundert Zuschauer zugelassen, alle mit einem „Nummernschild“ um den Hals, da war der Applaus für die guten Leistungen der Fahrer wenigstens hörbar.

Die Aktiven waren froh um die Startmöglichkeit, besonders die Vierspännerfahrer. Sie waren dankbar für die Möglichkeit vor der im Oktober in Valkenswaard anstehenden Weltmeisterschaft ein Turnier unter optimalen Bedingungen mit einem so hochkarätigen Starterfeld zu bestreiten.

Christine Meyer zu Hartum

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.