Lähden: Hauchdünne Entscheidungen bei den Deutschen Meisterschaften der Fahrer

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Christoph Sandmann, hier bei der WM in Tryon 2018. (© Pauline von Hardenberg)

Besonders bei den Vierspännern mit Großpferden war die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft 2020 in Lähden spannend wie nie zuvor! Aber auch in den weiteren Anspannungen gab es neben Wiederholungstätern auch Überraschungen.

Die in Lähden zu Corona-Bedingungen erlaubten 500 Zuschauer haben eine überaus spannende Entscheidungen miterlebt.

Zu einem Krimi wurde die Entscheidung bei den Vierspänner-Pferden, so eng war die Entscheidung noch nie. Mit einem Hundertstel blieb am Ende Hausherr Christoph Sandmann siegreich (155,54 P.) und wurde zur großen Freude seiner Lähdener Fans zum achten Mal in seiner Karriere Deutscher Meister bei den Vierspännern.

Vor dem entscheidenden Kegelfahren hatte er die Bedeutung des Titels noch heruntergespielt: „Ich weiß echt nicht, wie oft ich schon Deutscher Meister war. Ist auch nicht so wichtig.“ Als aber sein Sieg feststand, strahlte er, der sich sonst eher verhalten freut, über das ganze Gesicht.

Dass er den Sieg in der Kombinierten Prüfung mit einem Abwurf im Kegelparcours um ein Hundertstel an Multi-Champion Boyd Exell (155,53 P.) verloren hatte, war da nicht mehr so wichtig.

Georg von Stein fuhr eine strafpunktfreie Runde im Kegelparcours, damit hielt er sein Zwischenergebnis (155,55 P.) und gewann Silber wie in 2019.

Platz eins bis drei wurden im Hundertstelbereich entschieden, das hat es noch nie gegeben. Mareike Harm (Negernbötel) freute sich über ihre erste Medaille mit dem Vierspänner. Trotz eines Abwurfs im Kegelparcours fuhr sie mit 159,76 Punkten auf den Bronzerang.

Zweispänner Ponys

Nikola Louise Reinke aus Schuby in Schleswig Holstein hatte die Bandagen ihrer Ponys für das Kegelfahren schon mal mit goldenen Bändern befestigt, ihr Jackett glitzerte mit goldenem Kragen. Passend zur Goldschleife, auf die sie als Führende in der Meisterschaftswertung bei den Pony-Zweispännern für Minou und Mercedes hoffte. Recht hatte sie: Die 26-Jährige konnte ihre Position trotz eines Abwurfs und einiger Zeitfehler im abschließenden Kegelparcours halten und ist nun neue Deutsche Meisterin (150,85 Punkte).

„Mit Nikola Louise haben wir eine junge Fahrerin mit Perspektive“, freut sich Bundestrainer Karl-Heinz Geiger. „Sie hat zu Hause noch einige junge Ponys aus eigener Zucht, die durchaus auch in den großen Sport wachsen können. Wir denken jetzt schon an die Weltmeisterschaft 2021, da hat Nicola Louise eine echte Chance im Kader zu sein. Sie liefert in allen drei Disziplinen solide Leistungen ab, ihre Ponys haben viel Ausdruck und sind gut ausgebildet.“

Seine Position halten konnte auch Carl Holzum von der FSPG Oldenburger Münsterland, 160,95 Punkte reichten für Silber.

Die eigentliche Überraschung in den Medaillenrängen war die erst 18-jährige Nea-Renee Bonneß aus Nuns, die bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft im Seniorenlager auf Anhieb auf den Bronzeplatz fuhr (169,08 P.). Sie gehört zu dem erfolgreichen Projekt „Jugendfahrsport“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, bei dem auch Nikola Louise Reinke gefördert wurde.

Nea-Renee Bonneß lieferte eine der wenigen Runden ohne Abwurf, wenn auch mit 13,75 Strafpunkten für Zeitüberschreitung in dem überaus eckig zu fahrenden Parcours, der wenig Möglichkeiten für flottes Tempo bot. Sie profitierte von den Abwürfen der vor ihr Liegenden und schob sich damit vom siebten auf den dritten Platz vor.

Neunter Titel für Brauchle

Seinen neunten Titel mit dem Pony-Vierspänner fuhr Steffen Brauchle (Lauchheim Hülen) ein (146,32 P.). Im Kegelfahren „nur“ auf dem zweiten Platz hinter dem neuen Silbermedaillengewinner Michael Büngener war ihm der Sieg nicht zu nehmen. Mit deutlichem Vorsprung siegte er in der Kombinierten Prüfung und fuhr die Ehrenrunde mit der Meisterschärpe.

Michael Büngener (Westfalen) notierte 158,81 Punkte auf seinem Konto, das reichte für die Silbermedaille. Die Bronzemedaille nahm Niels Kneifel aus Wunstorf mit nach Hause (171,61 P.), vierter Platz in der Kombinierten Wertung. Auf den dritten Rang fuhr der Niederländer Jan de Boer mit 162,65 Punkten.

Leider waren in Lähden nur sieben Vierspänner bei den Ponys am Start. „Das sind zu wenige“, bedauert der Bundestrainer. „Langfristig müssen wir da wieder stärker werden, haben vielleicht mit Nikola Lousie Reinke eine Anwärterin, die auf Sicht Ponys aus eigener Zucht zu Hause hat, mit denen sie auch vierspännig fahren kann“, hofft er.

Triple für Sandro Koalick

Auch der Deutsche Meister bei den Zweispännern Pferde ist ein Wiederholungstäter. Nach den Siegen in 2018 und 2019 war Sandro Koalick (Drebkau) auch in Lähden nicht zu schlagen und nahm seinen dritten Meistertitel in Folge mit nach Hause.

Der WM-Zweite von 2019 siegte sowohl im Marathon wie auch im Kegelfahren, somit auch überlegen in der Kombinierten Wertung mit 140,55 Punkten vor Silbermedaillengewinner Lars Schwitte (Westfalen), der den Grundstein für seinen Erfolg mit dem Sieg in der Dressur gelegt hatte. Mit 155,62 Punkten rangierte Schwitte zwar deutlich hinter dem Niederländer Raymond Letteboer (148,93 )P.), in der Meisterschaftwertung war es die Silbermedaille.

Bronze gab es für Anna Sandmann, die nicht nur bei den Zweispännern, sondern auch bei den Vierspännern um Medaillen kämpfte. Der dritte Platz im Kegelfahren wie auch der dritte Platz in der Meisterschaft bei den Zweispännern belohnte sie für ihren Fleiß.

Einspänner ohne Meisterschaftswertung

Die Einspänner hatten ihre Deutsche Meisterschaftswertung bereits am vergangenen Wochenende in Schildau ausgetragen- Dennoch gab es auch in Lähden eine Einspänner-Wertung.

Der Sieg ging ins benachbarte Luxemburg. Marie Schlitz und Fredo kassierten die wenigsten Strafpunkte (149,71) und führten die Ehrenrunde an. Bester Deutscher Teilnehmer wurde Christoph Dieker mit Nora (150,48 P.), gefolgt van Franz Schlitz (Luxemburg) mit San Remo Royal (158,26 P.).

Das Familienteam Vater und Tochter Schlitz wird übrigens unterstützt von Mutter Schlitz, die als ständige Beifahrerin ihren Beitrag zu den Erfolgen leistet. Alle drei hoffen, im Oktober bei der Weltmeisterschaft in Pau dabei zu sein.

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